Die Schweizer haben ein Schuldenproblem

15.04.2019 |  Von  |  Finanzen, News
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Die Schweizer haben ein Schuldenproblem
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Der Titel dieses Artikels mag angesichts der Milliardenüberschüsse der Eidgenossenschaft und vieler Kantone erstaunen. Es ist auch richtig, dass die Schweiz mit einer öffentlichen Schuldenquote von 42% des BIP zu den Musterknaben gehört. Wenn man die Schulden der privaten Haushalte betrachtet, sieht das Bild jedoch anders aus.

Die Schweizer Haushalte gehören mit einer durchschnittlichen Schuldenquote von 212% des verfügbaren Einkommens gemäss den Daten der OECD zu den am stärksten verschuldeten Nationen der Welt. Verglichen dazu stehen die Italiener mit einer Quote von 85% und die Griechen mit 105% des verfügbaren Einkommens geradezu mustergültig da. Auch die amerikanischen Haushalte, allgemein der Inbegriff einer auf Pump lebenden Gesellschaft, liegen mit einer Verschuldung von 109% im breiten Mittelfeld.

Natürlich lässt sich die hohe Schuldenquote damit erklären, dass die meisten Haushalte in der Schweiz die Hypotheken auf ihren Wohnliegenschaften nicht abzahlen. Problematisch ist daher weniger die im Vergleich zu den anderen Ländern hohe Quote, sondern deren Entwicklung. Während in den USA und den meisten anderen Ländern die Haushaltschulden seit der Finanzkrise 2008 deutlich gesunken sind, zeigt der Trend in der Schweiz nach oben. Vor zehn Jahren betrug die Schuldenquote noch 185%. Im Gengensatz zu den Kreditkarten- schulden der Amerikaner sind die Hypotheken der Schweizer aber durch die Substanz ihrer Immobilien gedeckt. Zudem ist die finanzielle Belastung der Haushalte durch die tiefen Zinsen so gering wie noch nie in den letzten Jahrzehnten. Wo ist dann das Problem?

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Zinsen tief / Belastung tief – vorerst

Die Nationalbank wird noch länger an den Negativzinsen festhalten. Mit einem starken Anstieg der Zinsen ist deshalb in diesem und im nächsten Jahr nicht zu rechnen. Zudem schliessen viele Hausbesitzer lange laufende Festhypotheken ab und können damit noch Jahre von den aktuell tiefen Zinsen profitieren. Die Zinsen werden aber nicht auf ewig so tief bleiben. Das höhere Zinsniveau wird die Haushaltbudgets mit höheren Zinszahlungen belasten. Ausser im unwahrscheinlichen Fall eines massiven Anstiegs der Zinsen wird das aber nicht dazu führen, dass die Leute ihre Hypothekarzinsen nicht mehr bezahlen können. Die direkten Auswirkungen auf den Immobilienmarkt und die Banken sind von dieser Seite her gering. Die Leute werden jedoch weniger Geld zur freien Verfügung haben. Sie werden ihre anderen Ausgaben für Konsumgüter oder Ferien zurückschrauben müssen, was die Konjunktur belasten wird und uns zum eigentlichen Problem der hohen Schuldenquote führt.

Konjunkturanfälligkeit nimmt zu

Durch die hohen Schulden werden die Haushalte und die Schweizer Wirtschaft anfälliger auf konjunkturelle Schwankungen und damit verbundene Einkommens- ausfälle, beispielsweise durch eine steigende Arbeitslosigkeit. Fallen die erwarteten Einkommen weg, werden die Schulden rasch zu einem Problem, Immobiliendeckung hin oder her. Je höher und je breiter die Schulden verteilt sind, desto weniger können konjunkturelle Rückschläge durch den in der Vergangenheit meistens stützenden privaten Konsum absorbiert werden. Der Immobilienmarkt wird auch unter Druck geraten, wenn die Zwangsveräusserungen zunehmen, was die konjunkturelle Schwäche weiter verstärkt. Deshalb gehört die stetig steigende Schuldenquote der Haushalte zu den gefährlichsten Folgen des anhaltenden Tiefzinsumfelds.

 

Titelbild: fizkes – shutterstock.com

Über Dr. Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kunden-mandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.


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