Schweizer Konjunktur erholt sich weiterhin

16.12.2016 |  Von  |  News
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Schweizer Konjunktur erholt sich weiterhin
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Das Schweizer BIP hat einige positive Quartale hinter sich, stagnierte jedoch im 3. Quartal nahezu.

Allerdings lässt sich anhand der Vorlaufindikatoren erkennen, dass eine erneute Wachstumsbeschleunigung bevorsteht. Von Seiten der Weltwirtschaft kann weiterhin mit positiven Impulsen gerechnet werden.

Die Expertengruppe des Bundes (Konjunkturprognosen der Expertengruppe des Bundes – Winter 2016/2017*) behält daher ihre bisherige Einschätzung bei und prognostiziert für 2016 ein BIP-Wachstum von 1,5%. Für 2017 und 2018 wird eine verhaltene Beschleunigung auf 1,8% respektive 1,9% erwartet, getragen sowohl von der Inlandnachfrage als auch vom Aussenhandel.

Im Zuge der konjunkturellen Erholung dürfte die Arbeitslosenquote graduell von 3,3% (2016) auf 3,2% (2017) und schliesslich auf 3,1% (2018) zurückgehen. Die Konjunkturaussichten bleiben damit freundlich, auch wenn der Frankenschock teilweise noch nachwirken dürfte.

Internationale Konjunktur

Das moderate Wachstum der Weltwirtschaft hielt im Jahresverlauf 2016 an. Weder die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten am Jahresanfang noch der Brexit-Entscheid im Sommer haben das Expansionstempo nachhaltig gedrosselt.

Nach einer enttäuschenden ersten Jahreshälfte fiel das Wachstum in den USA im 3. Quartal mit +0,8%**  überraschend hoch aus. Neben den weiterhin soliden privaten Konsumausgaben trug insbesondere der Aussenhandel dazu bei. An dieses Expansionstempo wird die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen kaum anknüpfen können, mit einem robusten Wachstum ist aber weiterhin zu rechnen.

Der Euroraum setzte im 3. Quartal seinen moderaten Erholungskurs fort (+0,3%), gestützt insbesondere durch den privaten und staatlichen Konsum. Vor dem Hintergrund der expansiven Geldpolitik dürfte die Inlandnachfrage auch in den kommenden zwei Jahren wesentliche Wachstumsimpulse liefern.

Die Expertengruppe geht davon aus, dass das gegenwärtige Wachstumstempo über den Prognosehorizont in etwa gehalten wird. Auch für Japan ist angesichts der expansiv ausgerichteten Geld- und Fiskalpolitik in den kommenden zwei Jahren von einer Fortsetzung des moderaten Aufschwungs auszugehen.

Das BIP Chinas wuchs in den ersten drei Quartalen 2016 um jeweils 6,7% (real im Vorjahresvergleich), was Ängste vor einer harten Landung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt in den Hintergrund rücken lässt.

Im 3. Quartal stützte der Dienstleistungssektor das BIP-Wachstum und hat die etwas schwächere Dynamik der Industrie wettgemacht. Für die kommenden Jahre ist angesichts des strukturellen Wandels der chinesischen Wirtschaft nach wie vor von einer graduellen Wachstumsverlangsamung auszugehen.

In anderen wichtigen Schwellenländern ist die konjunkturelle Lage durchwachsen. So weisen in Russland verschiedene Indikatoren auf ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt hin, während Brasilien noch immer tief in der Rezession steckt.

Konjunkturlage und -prognosen für die Schweiz

Nach vier deutlich positiven Quartalen expandierte die Schweizer Wirtschaft im 3. Quartal 2016 fast nicht mehr (+0,0%). Die abrupte Bremsung des BIP-Wachstums kam eher überraschend, insbesondere weil das Wachstum bei fast allen binnenorientierten Sektoren schwach ausfiel. Insgesamt scheint der Erholungskurs der Schweizer Wirtschaft aber nicht in Frage gestellt.

Die aktuellen Konjunkturindikatoren deuten auf eine Wachstumsbeschleunigung im 4. Quartal 2016 hin. Der Einkaufsmanagerindex für die Schweizer Industrie schoss jüngst auf ein Niveau, das auf eine starke Expansion hindeutet.

Das KOF-Konjunkturbarometer kam zuletzt leicht über dem langfristigen Mittelwert zu liegen und signalisiert damit ebenfalls ein Wachstum. Die Konsumentenstimmung verharrt zwar seit mehreren Quartalen unter dem langjährigen Mittelwert, doch die Erwartungen der Konsumenten bezüglich der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung haben sich in der jüngsten Erhebung deutlich verbessert.

Für das Gesamtjahr 2016 erwartet die Expertengruppe daher unverändert ein BIP-Wachstum von 1,5%. Im Zuge der allmählichen konjunkturellen Festigung dürfte sich das Wachstum auf 1,8% im Jahr 2017 und auf 1,9% im Jahr 2018 beschleunigen. Die Schweizer Wirtschaft würde damit nicht sehr stark expandieren, aber zum soliden Wachstumstempo der Jahre vor dem Frankenschock zurückkehren.

Die Inlandnachfrage dürfte sich dabei als bedeutende Wachstumsstütze erweisen. Der private Konsum blieb im laufenden Jahr hinter den Erwartungen zurück, sollte sich im Prognosezeitraum aber allmählich festigen. Eine Erholung des Arbeitsmarktes und eine moderate Reallohnentwicklung sollten die Kaufkraft der Haushalte stärken und könnten, auch angesichts vorhandener Aufholpotenziale, die Konsumausgaben stützen.

Zudem wird die nach wie vor wachsende Bevölkerung den Konsum positiv beeinflussen. Vor dem Hintergrund guter Finanzierungsbedingungen und dank der stützenden Wirkung des Tiefbaus sollten die Bauinvestitionen ebenfalls etwas an Fahrt gewinnen. Schliesslich ist auch von den Ausrüstungsinvestitionen ein moderates Wachstum zu erwarten.

Vom Aussenhandel kann im Jahr 2016 ein im historischen Vergleich deutlich überdurchschnittlicher Beitrag zum BIP-Wachstum erwartet werden, dies insbesondere aufgrund des starken Wachstums der Chemie- und Pharmaexporte.

Für die kommenden Jahre ist von einer gewissen Normalisierung des Exportwachstums auszugehen, gleichzeitig dürften zunehmend auch andere Exportbereiche, wie der Tourismus und die Maschinen- und Metallindustrie, wieder vermehrt partizipieren. Die Aussichten für die Exportwirtschaft sind somit zwar noch immer als heterogen aber insgesamt trotzdem als freundlicher einzustufen.

Am Arbeitsmarkt sind die Folgen der letztjährigen Konjunkturabschwächung noch nicht überwunden. Das Beschäftigungswachstum verlief schwach, und die Arbeitslosigkeit lag bis zuletzt auf einem relativ hohen Niveau. In der Summe dürfte für das Gesamtjahr 2016 ein Wachstum von 0,1% bei der Beschäftigung resultieren, und die Arbeitslosenquote sollte im Jahresdurchschnitt bei 3,3% zu liegen kommen.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen bei den Arbeitslosenzahlen dürfte die Trendwende nun aber eingeleitet sein. Im Zuge der konjunkturellen Erholung erwartet die Expertengruppe dementsprechend eine graduelle Belebung des Arbeitsmarktes. Die Beschäftigungsentwicklung dürfte sich 2017 auf +0,4% und 2018 auf +0,6% beschleunigen. Gleichzeitig ist mit einem graduellen Abbau der Arbeitslosenquote auf 3,2% (im Jahresmittel 2017) und schliesslich auf 3,1% (im Jahresmittel 2018) zu rechnen.

Bei der Teuerung dürfte sich im Prognosezeitraum die bereits eingesetzte Normalisierung vollziehen. Für 2016 wird noch eine deutlich negative Teuerungsrate erwartet (-0,4%), gefolgt von einer Null-Teuerung im Jahr 2017 und einer Teuerung von +0,2% im Jahr 2018.

Konjunkturrisiken

Zu den grössten Risiken für die internationale Wirtschaftsentwicklung zählt gegenwärtig die gestiegene politische Unsicherheit. Nicht nur der Brexit-Entscheid, sondern auch die Ablehnung des Verfassungsreferendums in Italien können als Ausdruck von zentrifugalen Kräften mit einer potentiell destabilisierenden Wirkung auf die europäischen Institutionen gelesen werden.

Zudem stehen im kommenden Jahr in zwei weiteren grossen europäischen Ländern, Deutschland und Frankreich, Wahlen an. Bislang haben sich die internationalen Finanzmärkte zwar bemerkenswert ruhig entwickelt. Sollte es aber zu Verwerfungen kommen, etwa im Zusammenhang mit den kriselnden italienischen Banken oder dem Austritt Grossbritanniens aus der EU, wäre sowohl eine Abschwächung der europäischen Konjunktur als auch eine erneute Frankenaufwertung mit entsprechenden Effekten auf die Schweizer Realwirtschaft zu befürchten.

Nicht zuletzt herrscht nach der Präsidentschaftswahl in den USA eine grosse Unsicherheit bezüglich der künftigen Ausrichtung der US-amerikanischen Wirtschafts- und Handelspolitik. Sich verstärkende protektionistische Tendenzen könnten die seit einiger Zeit schwache Entwicklung des Welthandels weiter drücken, was auch die Exportaussichten der Schweizer Wirtschaft beeinträchtigen könnte.

* Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes publiziert viermal pro Jahr eine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in der Schweiz. Vertiefte Informationen zur aktuellen Konjunkturlage finden sich in der vierteljährlichen Publikation „Konjunkturtendenzen“, die online (www.seco.admin.ch/konjunkturtendenzen) sowie in gedruckter Form als Beilage der Zeitschrift „Die Volkswirtschaft“ (www.dievolkswirtschaft.ch) erscheint.
** Ohne gegenteilige Anmerkung Wachstumsraten der realen, saisonbereinigten Reihen im Vorquartalsvergleich.

 

Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft
Artikelbild: © tlegend – shutterstock.com (Symbolbild)



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