Nur das Sahnehäubchen?

02.09.2015 |  Von  |  Selbstmanagement
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Was denken Sie: Ist Kreativität eine Eigenschaft der grossen Künstler und Erfinderinnen? Eine gottgegebene Fähigkeit? Reine Spinnerei? Oder doch notwendig für wirtschaftliches Weiterkommen? Ein Produkt des Zufalls? Oder eine erlernbare Fertigkeit?

Seit mein Buch „Brainstorming for One“ vor zwei Jahren erschienen ist, habe ich mit vielen Menschen über Kreativität geredet. Unter anderem mit der Geschäftsführung und Personalverantwortlichen kleinerer und grösserer Firmen. Die meisten meiner Gesprächspartnerinnen waren sich darüber einig, dass das Thema interessant und wichtig ist. Doch welchen Stellenwert sollte die Ideenfindung in ihrem Unternehmen haben? Bei dieser Frage stiess ich auf recht unterschiedliche Meinungen.

Oft bekam ich von meinem Gegenüber zu hören: „Ja, das ist spannend, das interessiert uns sehr. Wir brauchen kreative Mitarbeiter. Aber im Moment haben wir andere Probleme zu lösen, die dringlicher sind.“

Tatsächlich denken viele Menschen beim Thema Kreativität immer noch vordergründig an Kunst, Entfaltung oder Selbstverwirklichung. Nur wenige haben erkannt, dass gerade sie für das Lösen der „anderen Probleme“ unabdingbar ist.

Sie ist nicht das Sahnehäubchen auf einer problembefreiten Welt, sondern der Weg dorthin. Denn wie sollen die Aufgaben in einer sich immer schneller verändernden Wirtschaftslandschaft anders bewältigt werden als mit einem kreativen Zugang?


Kreativität ist nicht das Sahnehäubchen auf einer problembefreiten Welt, sondern der Weg dorthin. (Bild: © alphaspirit - shutterstock.com)

Kreativität ist nicht das Sahnehäubchen auf einer problembefreiten Welt, sondern der Weg dorthin. (Bild: © alphaspirit – shutterstock.com)


Kreativität ist Lösungskompetenz

Neulich hörte ich in einem Vortrag, in der Vergangenheit habe sich das Wissen alle hundert Jahre verdoppelt. Mit dem einmal Gelernten kam man daher ganz gut durchs Leben, neues Wissen zu erwerben war nicht notwendig. Dann, gegen Ende des letzten Jahrtausends, habe sich der gesamte Wissensschatz der Menschheit bereits alle zehn Jahre verdoppelt. In dieser Zeit kam das Stichwort „lebenslanges Lernen“ auf. Die Hochblüte der Trainings und Fortbildungen war eingeläutet. „Haltet Euch ran, Leute. Lernt. Dann könnt ihr auch in Zukunft am Ball bleiben“, lautete die Devise.

Und heute? – Heute läuft die Verdoppelung des Wissens im Stundentakt. Könnten Sie also stündlich ein einwöchiges Seminar besuchen, wären Sie vermutlich in Ihrem Spezialgebiet ganz gut dabei. Nur geht das eben leider nicht. Hat man den Standard-Lösungsweg einer bestimmten Aufgabe gelernt, sind in der Zwischenzeit tausend andere entstanden, für die man keinen Vorgang hat. Was tun?

Was wir heute brauchen, sind nicht bloss standardisierte Lösungswege, sondern Lösungskompetenz. Die Fähigkeit, neue Aufgaben durch Anwendung der erworbenen Fertigkeiten zu bewältigen. Und genau das ist meine Definition der Kreativität.

Die gute Nachricht: Auch Sie sind kreativ. Auch wenn Sie es (noch) nicht wissen.

Was macht einen Menschen kreativ?

Eine amerikanische Ölgesellschaft beauftragte vor einigen Jahren ein Team von Psychologen damit herauszufinden, was die kreativen Miterbeiter in Forschung und Entwicklung von den weniger kreativen Köpfen unterschied. Nach intensiver dreimonatiger Untersuchung stellten die Forscher fest, dass der Hauptunterschied zwischen den beiden Mitarbeitergruppen darin bestand, dass die kreativen Personen sich selbst als kreativ einschätzten, während die weniger kreativen das nicht taten.

Manchen Menschen wurde bereits in der Kindheit gesagt, sie seien nicht kreativ. Womit die Umwelt meistens meinte, nicht künstlerisch begabt. Dieses Urteil wurde dann von ihnen selbst übernommen, und so treffe ich immer wieder Erwachsene, die sich selbst als „völlig unkreativ“ bezeichnen. Und doch sind sie immer wieder in der Lage, Aufgaben, die nicht zur Routine ihres Alltags gehören, auf erfinderische Weise zu lösen.

Der Begriff Kreativität geht auf das lateinische Wort creare zurück und bedeutet erschaffen, erzeugen, hervorbringen, erfinden. Die Wortherkunft erinnert also weniger an den oft zitierten kreativen Funken oder Heureka!-Moment, sondern an aktives Handeln im Sinne von Hand anlegen.


Kreativität ist die Fähigkeit, neue Aufgaben durch Anwendung der erworbenen Fertigkeiten zu bewältigen. (Bild: © Ahmet Misirligul - shutterstock.com)

Kreativität ist die Fähigkeit, neue Aufgaben durch Anwendung der erworbenen Fertigkeiten zu bewältigen. (Bild: © Ahmet Misirligul – shutterstock.com)


Und so steigern Sie Ihre eigene Kreativität und Lösungskompetenz

„Die meisten leben in den Ruinen ihrer Gewohnheiten“, meinte der französische Universalkünstler Jean Cocteau. Doch wer sich immer nur in den gewohnten Bahnen bewegt, dem kann auch nichts Neues einfallen.

Basis des kreativen Handelns ist die Auseinandersetzung mit der Umwelt, aber auch mit der eigenen Person. Kreative Menschen müssen ihr Wahrnehmungsvermögen trainieren und ihre Komfortzone Schritt für Schritt erweitern, um neue Erfahrungen zu machen und neue Eindrücke zu sammeln.

Menschen, die beruflich auf ihren Ideenreichtum angewiesen sind, tun dies regelmässig. Hier sind einige Anregungen, die auch Ihrer Kreativität auf die Sprünge helfen werden:

  • Versuchen Sie, jeden Tag über irgendetwas erstaunt zu sein.
  • Versuchen Sie, mindestens einen Menschen pro Tag in Erstaunen zu versetzen, indem Sie etwas Unerwartetes sagen oder tun.
  • Durchbrechen Sie Ihre Routine: Nehmen Sie jeden Tag einen anderen Weg zur Arbeit, benutzen Sie andere Verkehrsmittel oder gehen Sie zu Fuss.
  • Tun Sie mindestens einmal pro Woche etwas, das Sie noch nie getan haben und / oder wovor Sie sich ein wenig fürchten.
    • Bestellen Sie sich etwas zu essen, das Sie nicht kennen.
    • Besuchen Sie als blutiger Anfänger einen Tangokurs für Fortgeschrittene.
    • Tragen Sie völlig unpassende Kleidung.
  • Lernen Sie etwas Neues! Eine Sprache, eine Sportart, ein Musikinstrument: Jede neue Fähigkeit oder Fertigkeit erweitert Ihr Repertoire.
  • Essen Sie einen Tag lang nur Dinge, die rot sind. Am nächsten Tag nur grüne Dinge, dann blaue, gelbe …
  • Tun Sie einen Tag lang nur Dinge, die mit S Wenn nötig, taufen Sie Tätigkeiten um.
  • Lesen Sie Fachmagazine zu verschiedensten Themen, auch – oder gerade – wenn Sie nicht alles darin verstehen.
  • Egal was Sie denken – denken Sie einmal das Gegenteil.
  • Besuchen Sie Ausstellungen und Museen.
  • Legen Sie Ihre Lieblingsmusik auf und tanzen Sie, bis Sie müde werden.
  • Lesen Sie einen zufälligen Artikel auf business24.ch und fertigen Sie eine MindMap über den Inhalt an.
  • Und eignen Sie sich einige Ideenfindungswerkzeuge (Kreativitätstechniken) der Profis an. Denn damit erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, etwas wirklich Neues zu erschaffen, deutlich.

Kreativität, also die Fähigkeit, neue Aufgaben durch Anwendung der erworbenen Fertigkeiten zu bewältigen, ist einer der zentralen Faktoren in einer sich immer rascher verändernden Welt. Unser angeborener Erfindergeist kann erweckt und entwickelt werden. Dazu müssen wir regelmässig unsere Komfortzone verlassen und Neues ausprobieren. Ideenfindungswerkzeuge helfen uns zusätzlich, den Denkradius zu erweitern und Lösungen ausserhalb der sprichwörtlichen Box zu finden.

Viel Vergnügen beim „kreativen Spinnen“!

 

Beitragsbild: pixabay.com / Lizenz: CC0 Public Domain



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Über Petra Hennrich

Petra Hennrich ist systemische Coachin, Trainerin und Autorin. Als „alter Hase“ in der Werbebranche mit über zwanzig Jahren Agenturerfahrung beschäftigt Sie sich seit vielen Jahren mit dem Thema Kreativität. Heute vermittelt sie das so gesammelte Wissen in Einzelcoachings und Seminaren. 2013 erschien Ihr Buch „Brainstorming for One. 50 Werkzeuge und Übungen für Ihre Kreativität“ (Junfermann Verlag, Paderborn). Porträtfoto: © Peter Rauchecker


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