Sinn – Das kleine Wort vom grossen Glück

13.02.2015 |  Von  |  Selbstmanagement
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Sinn – Das kleine Wort vom grossen Glück
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Der Psychologe Mihály Csikszentmihályi bezeichnet es als „Flow“, die Alltagssprache bezeichnet es meist einfach nur als „geil“ – das, was dabei rauskommt, wenn wir das rechte Mass zwischen Über- und Unterforderung finden.

Der Neurologe Viktor Frankl erkennt es darin, wie wir mit den ganz konkreten Erfahrungen des Alltags umgehen und der Philosoph Günther Anders besteht darauf, das Leben sei einfach da und müsse nicht noch zusätzlich mit etwas beladen werden, das man „Sinn“ nennen könnte. So what?



Es ist ein interessantes Phänomen, dass die Meinungen weit auseinander gehen, wenn es um „Wesentliches“ geht – und Worte wollen hier behutsam und mit Bedacht gewählt werden. Weil sie leicht missverstanden werden und wir hinter dem Wortgetöse nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Da gibt es diese bekannte chinesische Geschichte von dem Bauern, dessen einziges Pferd sich ein Bein bricht. Das ganze Dorf kommt zusammen und bemitleidet den Besitzer ob seines Unglücks. Der aber meint nur, das Leben gehe seinen eigenen Weg, man solle nicht urteilen und könne nur vertrauen. Die wechselnden Geschicke im weiteren Verlauf der Erzählung zeigen, wie rasch sich das vermeintliche Unglück wenden und als veritablen Glücksfall erweisen kann.

Nun können die meisten von uns in beschaulicher Stimmung derartigen Weisheiten eine gewisse Gültigkeit zugestehen. Nicht immer ist alles vorhersehbar und manchmal haben wir halt auch einfach „Glück“.



Doch wie passt das mit unseren mehr oder weniger energisch vertretenen Vorhaben zusammen: Karriereplanung und Lebensziele. Marktpositionierung und Businessplan. Budgetplanung und Unternehmensstrategie?

Sehr gut. Will ich meinen.

Vom kleinen …

Also ich persönlich mag keine Marshmallows – bei mir würde der Test mit Sicherheit nicht funktionieren. Doch in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren führte der Persönlichkeitspsychologe Walter Mischel damit Versuchsreihen mit Kindern durch, für die die kleinen Leckereien eine grosse Verlockung dargestellt haben mussten.

In Einzelsitzungen liess er die Kinder von etwa vier Jahren wissen, dass er jetzt gleich den Raum verlassen werde. Sie könnten ihn durch läuten einer kleinen Glocke jederzeit wieder in den Raum zurückrufen. Er würde dann sofort kommen und dem Kind eines dieser süssen, klebrigen Dinger schenken. Aber. Da gäbe es noch etwas, das das Kind wissen müsse. Wenn es nicht zur Glocke greifen und darauf warten könne, bis er von selbst wieder zurückkäme (was in der Regel nach ca. 15 Minuten der Fall war), gäbe es eine doppelte Ration. Zwei Marshmallows.

So weit so gut.

Die durchschnittlichen Wartezeiten der Kids betrugen zwischen sechs und zehn Minuten.

Zehn Jahre später wurden die teilnehmenden Kinder – inzwischen halbwüchsig – wieder zum Gespräch gebeten. Je länger die Teilnehmenden als damals Vierjährige auf ihre Belohnung warten konnten, umso grösser war zehn Jahre später ihre schulische Leistungsfähigkeit.

Wir wollen jetzt einmal nicht davon ausgehen, dass besagtes zweites Marshmallow den Ausschlag für die bessere Performance gegeben hat.

Näher an des Pudels Kern dürften wir kommen, wenn wir uns mit dem Thema Willenskraft auseinandersetzen. Dr. Markus Deimann von der Fernuni Hagen hat dazu einen eigenen, im Netz frei verfügbaren Willenstest entwickelt, der neben einer detaillierten Analyse der eigenen Willensstärke auch konkrete Empfehlungen für zielgerichtetes Handeln beinhaltet.

Unterhaltsam, inspirierend, informativ: In seinem Blog schreibt Michael Defranceschi darüber, warum motivierte Mitarbeiter so gefährlich sind, wie man Change Management berechnen kann und woran man einen guten Coach erkennt.

Wer sich mit der Thematik näher auseinander setzt, wird sich alsbald auf einem wilden Ritt durch unterschiedlichste Techniken, Tools und Methoden befinden. Die vier (oder sind es inzwischen schon fünf) Generationen des Zeitmanagements. Die Getting-Things-Done -Philosophie. Das Eisenhower-Prinzip. Smarte Ziele sowieso.

Nur. Irgendwie ist das alles noch nicht so recht befriedigend, oder?

… und vom grossen Sinn.

Die hehren Ziele, die wir uns als beinahe unerreichbar an den Horizont gemalt hatten, hielten in den seltensten Fällen, was sie uns versprachen.


Die durchschnittlichen Wartezeiten der Kids betrugen keine zehn Minuten. (Bild: © B Calkins - shutterstock.com)

Die durchschnittlichen Wartezeiten der Kids betrugen keine zehn Minuten. (Bild: © B Calkins – shutterstock.com)


Auch wenn die Kraftanstrengung und die Freude über den endlich geschafften Studienabschluss noch so gross sind. Wenn die erste Nacht im eigenen Haus beglückend und der allseits bewunderte Schritt auf der Karriereleiter wahrlich erhebend waren.

In erstaunlich kurzer Zeit wird zur Routine, wofür wir jahrelang gearbeitet, gekämpft und vielleicht auch ein wenig gelitten haben.

Nach einem Vertragsabschluss, auf den er jahrelang hingearbeitet hatte, wollte sich ein erfolgreicher Unternehmer endlich etwas Gutes tun. Die langen Jahre der Entbehrung und des Einsatzes bis an die Leistungsgrenze hatten ihn bereits genug gekostet.

Da stand er nun in seiner ganzen Pracht: Der nagelneue Luxuswagen, den er sich immer schon gewünscht hatte.

Bereits auf der Fahrt vom Händler nach Hause begann sich die Freude zu verflüchtigen und zuhause angekommen hatte die Ernüchterung in voller Härte zugeschlagen. In der Garage stand…halt ein Auto.

Aber „Sinn“?

Das ganz Konkrete. Vor deinen Augen. Jetzt.

Es sind oft die einfachen Geschichten des Alltags, die eine grösse Wirkung entfalten. So wie die Geschichte von Beppo dem Strassenkehrer in Michael Endes bekanntem Roman „Momo“.

„Manchmal hat man eine sehr lange Strasse vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort:

„Man darf nie an die ganze Strasse auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort:

„Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Strasse gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht ausser Puste.“

Er nickte vor sich hin und sagte abschliessend.

„Das ist wichtig.“



Das rechte Mass, der gangbare Weg

Eins haben die Begleitung von Unternehmen und das Coaching von Menschen gemeinsam: Es geht dabei immer darum, das rechte Mass und den gangbaren Weg zu finden – da gibt es keine Lösung von der Stange und kein fertiges Programm.



So wie jeder Mensch eine individuelle Lebensgeschichte erfahren hat und damit einen persönlichen Umgang sucht, bilden Teams und Unternehmen einen kollektiven Charakter aus, der ihnen Form und Fassung gibt. Der sie vorwärts trägt … und ihnen allzu oft auch im Wege steht.



Im Konflikt zwischen langfristigen Zielen und aktuellen Notwendigkeiten ist es aus meiner Erfahrung günstig, nahe beim konkreten Hier und Jetzt anzusetzen.

Was unmittelbar vor unserer Nase liegt, ist meist auch mit überschaubarem Aufwand tatsächlich gestaltbar.

Und wenn wir uns diesen Aufgaben ohne grosse Vorbehalte stellen, stehen die Chancen gut, dass sich daraus so etwas wie „Sinn“ ergibt.

Da hab ich’s mit Beppo, dem Strassenkehrer.

 



Oberstes Bild: © photoff – shutterstock.com

Über Michael A. Defranceschi

beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Themenbereich „Mensch und Leistung“, seit 2005 als selbständiger Trainer, Berater und Coach.

Als nach internationalem Standard zertifizierter Business Coach und Business Trainer ist er Mitglied der Expertsgroup Wirtschaftstraining & Coaching.


Der von ihm entwickelte softwarebasierte Beratungsansatz Quod.X® – Fact Based Company Coaching zeichnet sich aus durch hohe Effizienz bei minimalem Zeitaufwand und bewährt sich insbesondere in der Teamentwicklung im Dienstleistungsbereich.



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