Über den Zusammenhang von Ökonomie und gefühlter Freiheit

30.07.2014 |  Von  |  Finanzen
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Über den Zusammenhang von Ökonomie und gefühlter Freiheit
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Gerhard Schwarz, der frühere Chef des Wirtschafts-Ressorts der „Neuen Zürcher Zeitung“ und heutiger Avenir-Suisse-Direktor, widmet sich in seiner monatlichen NZZ-Kolumne zur „Wirtschaftspolitischen Grafik“ jeweils einem globalen volkswirtschaftlichen Thema. Im Juni 2014 ging es um den Zusammenhang von Ökonomie und gefühlter Freiheit – ein Lehrstück darüber, welche Rolle unsere Psyche nicht nur im persönlichen Bereich, sondern auch in volkswirtschaftlichen Zusammenhängen spielt.

Das Empfinden von individueller Freiheit in einem gegebenen politischen und wirtschaftlichen System ist demnach mit der subjektiven Wahrnehmung des Inflationsniveaus vergleichbar. Mit dieser Frage hat sich bereits vor einigen Jahrzehnten unter anderem der Freiburger Statistik-Experte Wolfgang Brachinger beschäftigt. Demnach empfinden viele Menschen die Inflation höher als sie durch Indizes der Konsumentenpreise ausgewiesen wird. Das Phänomen zeigt sich immer dann, wenn die Preise für Waren des täglichen Bedarfs gestiegen sind, für langlebige und daher seltener gekaufte Konsumgüter – Autos, Hauselektronik oder Computer – jedoch gleich geblieben sind oder sogar sinken. Wahrnehmung und Realität stimmen also keineswegs immer überein. Ebenso verhalte es sich mit der gefühlten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Freiheit.



Gefühlte Freiheit korreliert nicht mit materiellem Wohlstand

Das Datenmaterial zur Avenir-Suisse-Analyse für die „NZZ“ stammt einerseits aus den Umfragen zur World Values Survey, einem permanenten akademischen Projekt, das inzwischen die weltweit grösste Erhebung zu Werten und Einstellungen von Menschen ist. Zum anderen sind Studienergebnisse des Fraser Institute in Vancouver zu Kategorien wie Handelsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Regulierung oder Sicherheit in die Analyse eingeflossen. Die im Hinblick auf ihre gefühlte Freiheit untersuchten Länder wurden in drei Einkommensklassen – mit höherem, moderatem oder niedrigen Pro-Kopf-Einkommen – eingeteilt. Generell gilt, dass die Bevölkerung nur in sehr wenigen Ländern ein realistisches Gefühl entwickelt hat, welches Mass an Freiheit sie tatsächlich geniessen kann – hierzu gehören beispielsweise Schweden, Ägypten oder Ghana. Die Einwohner der Schweiz, Westeuropas, der USA, Australien und Neuseelands – also den wohlhabenden Regionen dieser Welt – fühlen sich unfreier als sie tatsächlich sind. Paradoxerweise schätzen viele Menschen in Lateinamerika, China und anderen Ländern Asiens ihre subjektive Freiheit positiver ein.

Hohe Erwartungen in den reichen Ländern. (Bild: violetkaipa / Shutterstock.com)

Hohe Erwartungen in den reichen Ländern. (Bild: violetkaipa / Shutterstock.com)

Hohe Erwartungen in den reichen Ländern



Möglicherweise ist Freiheit in vielen reichen Ländern mittlerweile selbstverständlich, sodass sie von den Bürgerinnen und Bürgern als Wert kaum noch wahrgenommen wird, möglicherweise trägt auch der vergleichsweise grosse Wohlstand zu einer starken Anspruchshaltung bei. Die Schweiz gehört übrigens zu den Ländern mit den höchsten Werten – ihre Bevölkerung fühlt sich zwar subjektiv ebenfalls nicht ganz so frei wie sie es in der Praxis ist, weiss ihre Freiheitsgrade jedoch mehr zu schätzen als die Einwohner so mancher anderer Länder.

Wenig realistische Freiheitseuphorie der „globalen Mittelklasse“

Spannend ist, dass sich Länder, die sich einkommensmässig eher an der Untergrenze der „globalen Mittelklasse“  befinden die engste Übereinstimmung zwischen subjektiver Wahrnehmung und sozialen Realitäten zeigen. Euphorisch geben sich dagegen die aufstrebenden Schwellenländer respektive die „obere Mittelklasse“. Den Hintergrund für den hohen Grad gefühlter Freiheit bildet möglicherweise der starke Wachstumsschub der letzten Jahre, der zum Teil den Blick für die tatsächlichen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse etwas trübt.



Subjektive Unterschätzung von gesellschaftlicher Freiheit erzeugt Reformdruck

Aus diesen „nationalen Wertungen“ ergeben sich zwangsläufig auch politische und wirtschaftliche Konsequenzen. Schwarz schreibt, dass in Gesellschaften, die ihren Freiheitsgrad zu positiv bewerten – beispielsweise in vielen Schwellenländern – möglicherweise Reformanstrengungen erlahmen, die den Wachstumsschub erst ermöglicht haben. Umgekehrt führe eine Unterschätzung des Ausmasses an gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Freiheit zu wachsendem Reformdruck und in demokratischen Meinungsbildungsprozessen dazu, dass Liberalisierungen vorangetrieben werden.

Zumindest in den industrialisierten Ländern ergibt sich aus diesem Ansatz allerdings auch die Frage, wo die sozialen Grenzen für ökonomische und politische Liberalisierung liegen sollten. Eine Antwort darauf respektive auf die Frage nach einer ausgewogenen Balance zwischen Freiheit, wirtschaftlicher Prosperität und sozialer Sicherheit gibt die Avenir-Suisse-Analyse zunächst nicht.



 

Oberstes Bild: © Rawpixel – Shutterstock.com



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