Führungskultur: Harte Linie oder konsequente Empathie

11.06.2014 |  Von  |  Organisation
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Führungskultur: Harte Linie oder konsequente Empathie
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Die Führungskultur in den Unternehmen ist einem Wandel unterworfen. Das haben die alte Führungsriege und die nachrückende Managergeneration längst bemerkt. Allerdings hat diese Erkenntnis längst noch nicht zu einer Veränderung der Führungsarbeit geführt, so dass sich nicht selten alte und neue Führungsstrategien erbittert gegenüberstehen und nicht selten sogar bekämpfen.

Die Alten bestehen auf der Strategie von Klarheit, Härte und unerbittlicher Durchsetzung einmal gefasster Beschlüsse, die Jungen erkennen den Wert der Empathie als bestimmendes Element einer auf die Menschen ausgerichteten Führungsarbeit an. Dabei hat jede Position scheinbar ihre Berechtigung. Aber eben nur scheinbar.



Zahlen, Fakten, harte Tatsachen

Bei vielen Managern der alten Riege steht Selbstschutz vor Unternehmensentwicklung. Schaut man sich die Vorstände traditioneller Unternehmen an, dann überwiegen dort die Chefs der alten Ära. Alt nicht nur dem Lebensalter nach, sondern alt vor allem in der Art und Weise der Menschenführung und Prozessgestaltung.

Alles, was hier zählt, sind einfach nur Zahlen und Fakten. Hintergründe für menschliches Verhalten bleiben uninteressant, harte Tatsachen bestimmen hier das unternehmerische Regierungskonzept. So stehen an der Spitze dieser Unternehmen letztlich echte Kotzbrocken, die von ihren Beschäftigten und selbst von der untergeordneten Hierarchie weder verstanden noch wirklich akzeptiert werden.

Genau hier kommt dann auch ein Stein ins Rollen, der unter Umständen das gesamte Unternehmen mit ins Tal reissen kann. Jedes Eingeständnis der Altvorderen an die Untergebenen wird als Schwäche gewertet, und genau die Einteilung in oben und unten lässt schon erahnen, welche wahren Schwierigkeiten sich in der Leitungsarbeit auftun.



Wer sein Unternehmen wie ein General unter Ausschluss jeglicher Bedenken und Widersprüche führt, wird über kurz oder lang daran scheitern. Auch wenn zunächst eine solche diktatorische Führung zu durchaus guten Ergebnissen führen kann, wird die Fluktuation im Unternehmen schnell ein Mass annehmen, das letztlich vernünftiges Arbeiten an den Zielen kaum noch möglich werden lässt. Moderne Mitarbeiter mit Selbstbewusstsein und Leistungskraft fühlen sich in derart geführten Unternehmen längst nicht mehr wohl und werden diese bei nächstbester Gelegenheit verlassen.

Diese Tatsache ruft bei einigen Managern der alten Riege eher Schulterzucken hervor. Sie sind nach wie vor der Meinung, dass Führungsarbeit eindeutig eine Sache von Stärke, Konsequenz und bedingungsloser Unnachgiebigkeit sei. So haben sie es gelernt, und sie sind selten bereit, hier irgendwelche Veränderungen zuzulassen. Das geht so weit, dass junge Führungskader sich auf diesen Stil einschwören lassen müssen oder gar nicht erst in derart altbackenen Unternehmen eingestellt werden. In der Folge altert das Unternehmen nicht nur bezüglich der Belegschaft, sondern vor allem in Bezug auf die Arbeitsweise, die dann schnell modernen Erfordernissen gar nicht mehr gerecht werden kann.

Empathie ist die neue Stärke der Führungskräfte. (Bild: Olimpik / Shutterstock.com)

Empathie ist die neue Stärke der Führungskräfte. (Bild: Olimpik / Shutterstock.com)

Empathie ist die neue Stärke der Führungskräfte



Moderne Führungskräfte lernen schon in der Ausbildung, dass eine gefühlsunterstützte Führungskultur deutlich akzeptierter ist als der alte diktatorische Stil. Oftmals wird das Verstehenwollen zwar als Eierei und überflüssige Weichheit bewertet, es bietet aber deutlich bessere Chancen für eine effiziente Führung von Teams bis hin zu ganzen Unternehmen.

Fragen wir uns doch einfach einmal, warum besonders die Unternehmensspitzen grosser börsennotierter Unternehmen oft aus echten Rentnerfunktionären bestehen, die sich dann wechselseitig die Verantwortung für die Unternehmen zuschieben. Das ist das letzte Aufbäumen einer Generation diktatorischer Macher, die nicht freiwillig von ihrer Generalität ablassen werden. Jüngere und deutlich empathiegetragene Nachrücker werden hier selten geduldet, obgleich diese im Regelfall mittlerweile deutlich erfolgreicher sind und den eigentlichen Erfolg der Unternehmen stützen. Das müsste natürlich erst einmal zugegeben werden.



Führungskräfte, die in der Lage sind, die Wirkungen von Entscheidungen auf Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden zu verstehen, sind in der Regel erfolgreicher, weil sie eben genau diese Partner an der gefühlsmässig richtigen Stelle erreichen und abholen können.

„So ist das und so bleibt das!“, lautet die Regel alter Führungskräfte, die erkennen müssen, dass sie längst nicht mehr gebraucht werden. „Wie kann eine Entscheidung richtig kommuniziert werden?“, ist dann eher eine beliebte Fragestellung für moderne Führungskräfte, die ihre Entscheidungen auf ein Fundament stellen, das Denken, Fühlen und Handeln miteinander verbinden kann.

Wer sich vergegenwärtigt, dass beispielsweise die Menge der offenen oder versteckten Verweigerungshaltungen von Beschäftigten das Ergebnis einer verständnislosen Führungsarbeit ist, weiss, wie wichtig bei der Steigerung der Effizienz gerade Empathie sein kann. Dazu muss man natürlich erst einmal verstehen, dass Empathie nichts mit Weicheierei und Führungsschwäche zu tun hat.

Unter den Experten ist Empathie längst als ein tragfähiges und erfolgreiches Führungsinstrument anerkannt und sogar gefordert. Je spezieller die Aufgaben im Unternehmen werden und je wichtiger dementsprechend hochspezialisierte Fachkräfte sind, desto wichtiger wird es, diese Fachkräfte auch in ihrer Lebens- und Arbeitswelt zu verstehen. Wer das nicht kann, wird über kurz oder lang in der Leitungsfunktion versagen, selbst wenn er sich als noch so harter und konsequenter Kotzbrocken präsentiert. Gefragt sind solche nämlich schon lange nicht mehr.



 

Oberstes Bild: © Minerva Studio – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus…die Berater.

Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt – die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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