Vorsicht, bissiger Chef!

07.06.2014 |  Von  |  Organisation
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Vorsicht, bissiger Chef!
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Hunde, die bellen, beissen nicht! Eine Volksweisheit, die sich bei aggressiven Hunden nicht immer bewahrheitet und in Bezug auf das Verhalten von Führungskräften umgemünzt zu noch fataleren Irrungen führen kann. Aggressive Chefs machen sich nicht nur selbst das Leben schwer. Sie setzen auch ihre Mitarbeiter unter Druck und schaden der allgemeinen Arbeitsleistung empfindlich.

Brüllende oder gar körperlich übergriffig werdende Chefs verfügen über einen Mangel an Selbstbewusstsein und sind in ihrer Position meist überfordert. Das erkennt der klare, mit etwas Lebenserfahrung gewappnete Menschenverstand genauso klar wie Forscher aus den USA und aus Deutschland.



Was wir schon immer geahnt haben …

… wird jetzt von deutschen und amerikanischen Studien bestätigt. Chefs, die häufig mit hochrotem Kopf brüllend Ihre Anweisungen erteilen und dabei ganz klar in „oben“ und „unten“ einteilen, verfügen über ein nur geringes Selbstbewusstsein. So haben beispielsweise Forscher aus den USA 90 freiwillige Teilnehmer mit Führungsstatus zu deren Ängsten vor Fremdbeurteilung befragt und zugleich deren Streitverhalten protokolliert. Und deutsche Forscher der Technischen Universität München sind sogar noch einen Schritt weitergegangen. Sie haben festgestellt, dass die aggressiven Chefs häufiger hintergangen werden als solche mit einer gleichmässig sachbezogeneren Streitkultur.

Was zunächst weder als neu noch als überraschend gilt, bestätigt doch die Annahme, dass aggressive Vorgesetzte weder für das Betriebsklima noch für die Arbeitsproduktivität in ihren Bereichen von Vorteil sind. Viel wichtiger als diese Erkenntnis ist es jedoch zu wissen, wie mit derart aufbrausenden Chefs in den unterschiedlichen Ebenen der Hierarchie umzugehen ist.

Problemfall inhabergeführte Unternehmen



Ist der aggressive Chef selbst der Inhaber des Unternehmens, dann wird es sowohl für die nachgeordnete Führungsriege als auch für die einzelnen Mitarbeiter im Betrieb schwierig. Der mangelhaft mit Selbstbewusstsein und wahrer Führungskompetenz ausgestattete Chef wird sich in aller Regel nicht selbst seines Postens entheben und damit zum langwierigen Risikofaktor für das gesamte Unternehmen.



Interventionen der nachgeordneten Hierarchie werden hier ebenso wahrscheinlich ungehört abprallen wie die Bedenken der Belegschaft. Im Gegenteil zur gut gemeinten Absicht wird es eher zu einer weiteren Vergiftung des Arbeitsklimas kommen, da sich die ohnehin offiziell lauten und kämpferisch wirkenden, in Wahrheit aber schwachen Chefs mit den wenigen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen solche vermeintlichen Angriffe auf ihre Position zur Wehr setzen werden.

In der Folge zeigen sich in solchen Unternehmen oftmals überdurchschnittlich hohe Fluktuationsraten, und auch gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Chef und Belegschaft sind hier deutlich öfter zu verzeichnen als in anderen Bereichen. Wer sich mit dem cholerischen Chef nicht irgendwie arrangieren kann, wird über kurz oder lang selbst die Segel streichen oder mehr oder minder grundlos vor die Tür gesetzt werden.

In der Folge zeigen sich in solchen Unternehmen oftmals überdurchschnittlich hohe Fluktuationsraten. (Bild: violetkaipa / Shutterstock.com)

In der Folge zeigen sich in solchen Unternehmen oftmals überdurchschnittlich hohe Fluktuationsraten. (Bild: violetkaipa / Shutterstock.com)

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Chefs auf dem Prüfstand

In grösseren Unternehmen setzt es sich zunehmend durch, die angehenden Führungskräfte nicht nur fachlich, sondern eben auch menschlich auf den Prüfstand zu stellen. Innerhalb einer gesunden Unternehmenskultur sollte das auch kein Problem sein. Nur Führungskräfte, die sowohl fachlich als auch sozial kompetent sind, können Verantwortung für Leistung und Mitarbeiter wirklich wahrnehmen.

Das ist eine Binsenweisheit, die sich gerade in mitarbeiterintensiven Bereichen zunehmend durchsetzt. In Führungspositionen kommen, von Ausnahmen abgesehen, hier nur Leitungskader, die auch über die menschliche Kompetenz verfügen, grössere oder kleinere Mitarbeitergruppen sachbezogen und frei von aggressiven Emotionen zu führen. Alles andere wäre eher kontraproduktiv und würde diesen Unternehmen nicht weiterhelfen.



Voraussetzung für ein selbstbewusst integres Führen von Unternehmensbereichen ist eine fachliche und menschliche Kompetenz, die in der jeweiligen Position nicht zur Überforderung führt. Leitungskräfte, die von vornherein mit den ihnen übertragenen Aufgaben und Verantwortungen überfordert scheinen, werden über kurz oder lang zu einem aggressiven Führungsstil neigen. Ein solch problembeladener Führungsstil ist hingegen nicht geeignet, um Mitarbeiter zu Höchstleistungen entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten zu motivieren. Im Gegenteil wird ein autoritärer, von Wutausbrüchen begleiteter Führungsstil eher dazu führen, dass solche Chefs und deren Entscheidungen bei der nächstbesten Gelegenheit hintergangen werden.

Thema Wut: Wer sich ein wenig mit der menschlichen Psyche auskennt, weiss, dass Wut weiter nichts als ein Ventil zur Kompensation von Angst ist. Meist ist es hier die Angst vor dem Versagen in der Leitungsfunktion, die aggressive Chefs so unberechenbar und letztlich unproduktiv werden lässt. Angst und Wut sind schlussendlich die schlechtesten Berater besonders in schwierigen Situationen. Hier wären ein kühler Verstand und eine sachbezogene Gelassenheit, unterfüttert mit dem notwendigen Selbstvertrauen, die besseren Entscheidungsgrundlagen.

Wie mit dem aggressiven Chef umgehen?

Besonders für die Unterstellten ist der Umgang mit dem aggressiven Chef eine tägliche Herausforderung. Nicht zuletzt sind es auch persönliche verbale oder im Extremfall körperliche Angriffe, die das Arbeitsklima vergiften und den Umgang mit dem Vorgesetzten schwierig machen. Wenn irgendwie möglich, dann kann hier das Gespräch mit der nächsthöheren Instanz hilfreich sein. Allerdings kann hier auch zur Vorsicht geraten werden. Nicht selten ist die Führungskaste im Unternehmen ein in sich abgeschlossener Zirkel, der sich nicht ohne Weiteres infrage stellen lässt.

Auch der Versuch, als Mitarbeitergruppe mit dem bissigen Chef ins Gespräch zu kommen, kann hilfreich sein. Nach Möglichkeit sollte das klärende Gespräch nicht unter vier Augen angestrebt werden. Dem aggressiven Chef muss in jedem Fall die Bühne für sein Verhalten genommen werden. Nach Möglichkeit ist zu hinterfragen, was der laute Chef von seinen Mitarbeitern erwartet, damit diese Erwartungshaltung relativiert werden kann.

Nehmen Vorgesetzte solcher aggressiven Chefs deren Fehlverhalten wahr, dann sollte ein klarer Rahmen für mögliche Veränderungen abgesteckt werden. Auch eine Versetzung, Entlassung oder Rückstufung in einen Bereich mit weniger Verantwortung kann helfen, den Betriebsfrieden wiederherzustellen.



 

Oberstes Bild: © Odua Images – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus…die Berater.

Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt – die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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