Sind Ratingagenturen Dienstleister oder böse Mächte?

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Sind Ratingagenturen Dienstleister oder böse Mächte?
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Spätestens seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise vor einigen Jahren sind die Ratingagenturen ein brisantes Thema. Denn kaum eine Woche vergeht, ohne dass neue bedenkliche Meldungen über kriselnde EU-Staaten wie Griechenland, Italien oder Portugal die Runde machen. Denn das Schreckensszenario „insolventer“ Staaten ist nach wie vor Thema und bedroht letztendlich die komplette Weltwirtschaft. Fixer Bestandteil diverser Informations- und Nachrichtensendungen sind daher die Analysen und Einschätzungen von Ratingagenturen. Doch wer sind diese Meinungsmacher eigentlich wirklich?

Grundsätzlich sind Ratingagenturen einfach Unternehmen, deren Geschäft darin besteht, Risikobewertungen von Wertpapieren abzugeben. Dabei geben die Ratings lediglich die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls der betreffenden Aktie oder Anleihe an. Meist arbeiten die Agenturen im Auftrag des Emittenten, der die Wertpapiere auf den Markt gibt und letztendlich für die Analyse bezahlt.



Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, kann erhebliche Auswirkungen haben. Denn viele Entwicklungen auf dem internationalen Handels- und Börsenparkett haben eine rein psychologische Ursache. Oder aber sie sind Konsequenzen des sogenannten Herdentriebs der Menschen. Wird etwa über ein Wertpapier eine schlechte Nachricht veröffentlicht, sinkt innerhalb kurzer Zeit der Preis.

Beziehen sich negative Bewertungen allerdings auf einen Staat und seine Volkswirtschaft, kann dies für heftige Turbulenzen sorgen. Denn die Anleihen des betroffenen Landes gelten sehr rasch als unsicher, was zur Konsequenz hat, dass bei der Aufnahme neuer Kredite wesentlich höhere Zinsen zu bezahlen sind. Damit setzt sich ein Teufelskreis in Gang, denn aufgrund der Verschuldung zahlt man höhere Zinsen, was wiederum zu weniger Kapital in der Staatskasse führt. Da diese unheilvolle Ereigniskette oft durch die Aussage einer einzigen Ratingagentur ausgelöst werden kann, zeigt sich gerade hier die brisante Macht dieser Unternehmen.

Bewertung wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung

Schlechte Bewertungen eines Landes werden so einfach zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen, womit jeder nicht ganz schuldenfreie Staat durchaus rasch in den Ruin getrieben werden kann. Dieser Hintergrund bewirkt auch oftmals sehr vorsichtig geäusserte Kritik der Politiker an den Ratingagenturen, da jene unbedingt vermeiden möchten, dass ihre eigene Nation in den Fokus der Analysten gerät.



Die grossen Drei



Nicht jede Ratingagentur hat diese umfassende Macht. Im Wesentlichen geht es immer um drei grosse Unternehmen, auf deren Urteile die Märkte entsprechend reagieren. Standard & Poor’s ist vermutlich die bekannteste und älteste, denn sie ist seit mehr als 150 Jahren in der Finanzwelt tätig. Moody’s, das nach Firmengründer John Moody benannt ist, beschäftigt sich seit 100 Jahren mit der Bewertung internationaler Börsenpapiere. Die ebenfalls US-amerikanische Agentur Fitch ist die jüngste unter den grossen Drei, wobei auch ihre Einschätzungen niemals zu unterschätzen sind.

Die genannten Ratingagenturen haben massgeblichen Einfluss auf das Ansehen individueller Wertpapiere, da ihnen die Anleger vertrauen. Alle drei pflegen ein Bewertungssystem aus Buchstaben, wobei Triple-A die Bestnote darstellt. Neben diesen drei haben es weitere Agenturen schwer, sich durchzusetzen. Entsprechend verständlich, aber durchaus skeptisch zu sehen ist also die Forderung, dass Europas Staaten eine eigene Ratingagentur installieren sollten. Denn dies ist absolut kein geeignetes Mittel, um die grossen Drei in ihrem Einfluss zurückzudrängen.

Kritik ist durchaus angebracht

Aktuell sehen sich die Ratingagenturen massiver Kritik in der Öffentlichkeit ausgesetzt. Dies unter anderem wegen ihrer US-Herkunft, die eine krasse Benachteiligung des Mitbewerbers Europa bedeuten könnte. Obwohl ihre Aufgabe darin besteht, vor Krisen zu warnen, konnten sie die Finanzkrise von 2008 nicht verhindern oder entsprechend beeinflussen. Durch die Tatsache, dass nicht mehr nur potenzielle Investoren als Auftraggeber für die Ratingagenturen auftreten, sondern auch zu bewertende Unternehmen selbst, kann die Meinung aufkommen sein, dass hier positive Einflussnahme ausgeübt werde.

Bewerten Ratingagenturen Staatsanleihen, so stehen hier Verdachtsmomente im Raum, dass eine positive Bewertung von der Höhe der geleisteten Zahlung abhänge. Ist ein Staat in finanziellen Nöten, bringt er klarerweise weniger Geld auf, um das Rating zu ermöglichen. Damit entsteht kein realistisches Abbild der tatsächlichen Situation und ihrer Risikobewertung, denn wer mehr zahlt, bekommt einfach eine bessere Einschätzung und Bewertung.

Bei aller Kritik muss den Agenturen dennoch ein deutlicher Fortschritt in letzter Zeit attestiert werden. Denn während sie noch während der letzten Krise versagt haben, funktioniert das Warnsystem heutzutage sehr gut. Vielleicht gelten sie deshalb bei einigen Meinungsmachern und Politikern als Miesmacher, wobei die Forderung nach Abschaffung der Ratingagenturen reiner Populismus ist und absolut nicht sinnvoll wäre. Wirklich wichtig für alle Verantwortlichen ist nur, dass die Arbeit der Agenturen in die richtigen Bahnen gelenkt und der Faktor Unabhängigkeit dabei berücksichtigt wird.



 

Oberstes Bild: © Ai825 – Shutterstock.com



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