Die Zukunft der Bitcoin

30.03.2014 |  Von  |  Finanzen, Web
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Die Bitcoin taucht immer wieder, in unregelmässigen Abständen, in den Wirtschaftsnachrichten auf – doch eine wirklich breite Akzeptanz hat die virtuelle Währung noch nicht finden können.

Daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern, denn Mt. Gox – eine der grössten Börsen für die Handlung mit Bitcoins – kann nun ein weiteres Fettnäpfchen auf die eigene Sündenliste setzen.



Was ist die Bitcoin?

Beschreiben lässt sich die Bitcoin als ganz normale Währung, welche jedoch nicht von staatlicher Seite reguliert wird. Generiert werden können Bitcoins mit einfacher Rechenkraft: Wer einen Computer besitzt, kann ein Programm herunterladen, welches anschliessend Aufgaben löst. Je mehr Aufgaben gelöst werden, desto mehr Bitcoins erhalten die Personen, welche danach „graben“ – weshalb sie auch Miner genannt werden.

War das Generieren von Bitcoins vor einigen Jahren noch profitabel, gilt das inzwischen für Privatanwender kaum noch: Die Stromkosten allein fressen den niedrigen Gewinn, der damit pro Stunde erzielt werden kann, wieder auf. Übrig bleiben Enthusiasten und einige kleinere Unternehmen, welche sich auf die Generierung von Bitcoins spezialisiert haben – und welche meist nicht in Mittel- und Westeuropa ansässig sind, da hier die Stromkosten im internationalen Vergleich besonders hoch ausfallen. Die Vorteile der Computerwährung werden insbesondere dann deutlich, wenn man die virtuellen Münzen mit der Zeit vor der Finanzkrise vergleicht.

Unbekannter Empfänger



Das Handeln mit Bitcoins geschieht anonym: Zahlungen werden von einer sogenannten e-Wallet an eine andere weitergegeben, wobei dafür nur ein langer Ziffern- und Buchstabencode zum Einsatz kommt. Welche Person sich dahinter verbirgt, bleibt – wenn die beiden Parteien dies wünschen – verborgen. Unabhängig von Regierungen, Banken und anderen Kreditinstituten konnte damit im Jahr 2009 eine Währung geschaffen werden, welche sich selbst reguliert. Immobilien- oder Finanzblasen, welche die Weltwirtschaft 2008 ins Wanken brachten, sind mit Bitcoins nicht möglich.

Gehandelt wird dabei entweder direkt in Online-Shops, welche Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, oder an Börsen. Ganz so wie im „echten Leben“ können dort Bitcoins gegen praktisch alle anderen Währungen getauscht werden – wie etwa bei Mt. Gox. Das japanische Unternehmen verwaltete eine siebenstellige Anzahl der Münzen, bis 2013 Insolvenz angemeldet werden musste und zahlreiche Anleger nicht unbedingt freudig gestimmt waren.

Verluste in Millionenhöhe

Dass es bei den Bitcoins nicht um ein Experiment oder einen kurzweiligen Scherz einiger Computerfreaks geht, offenbaren die gewaltigen Summen, mit welchen gehandelt wird: Letztes Jahr musste Mt. Gox nämlich bekanntgeben, dass man 850’000 Bitcoins „verloren“ hatte. Was im Vergleich zu „realen“ Währungen merkwürdig klingt, ist bei Bitcoins durchaus möglich: Die Gelder werden in einer einzigen Datei auf einem Computer gespeichert. Ist dieser digitale Geldbeutel verloren – wie etwa durch einen Defekt der Festplatte oder ein einfaches Vergessen des Passworts, welches notwendig ist, um den Geldbeutel anzapfen zu können -, sind auch die Bitcoins einfach weg.

Im Fall der 850’000 Münzen von Mt. Gox hatte dies extrem teure Auswirkungen. Zur Zeit des Verlusts der Bitcoins befand sich die Digitalwährung gerade auf einem Höchststand: Fast 418 Millionen Franken gingen so verloren. 100’000 der Bitcoins gehörten Mt. Gox selbst, die restlichen 750’000 Stück befanden sich im Besitz der Anleger. Jetzt lässt das Unternehmen vermelden, 200’000 Bitcoins zufällig wiedergefunden zu haben – und genau der Begriff „zufällig“ beschreibt das aktuelle und wohl auch zukünftige Problem dieser verschlüsselten Digitalwährungen.

Chaos an den virtuellen Finanzmärkten

Mangelnde Sicherheit, eine planlose Geschäftsführung und der peinliche Verlust in einer gigantischen Grössenordnung: Wer mit Bitcoins handelt, muss ein dickes Fell haben. Dies zeigt auch auf, unter welchen Problemen das System leidet: Der Verzicht auf eine regelnde Institution – wie etwa eine Regierung – hat zwar im Interesse der Anonymität Vorteile, aber um davon tatsächlich zu profitieren, muss der Handel erst in hohem Masse professionalisiert werden. Es dürfte das Vertrauen in Bitcoins und ähnliche Währungen nicht erhöhen, dass ein dreistelliger Millionenbetrag zufällig verloren und ebenso zufällig wieder gefunden wird.





Bank-Vladru-Shutterstock.com

Schwierig ist auch zu bewerten, dass sich bislang weder renommierte Banken noch andere Unternehmen auf den Handel mit Bitcoins eingelassen haben. (Bild: Vladru / Shutterstock.com)

Schwierig ist auch zu bewerten, dass sich bislang weder renommierte Banken noch andere Unternehmen auf den Handel mit Bitcoins eingelassen haben. In der Weltwirtschaft spielen die Bitcoins also nach wie vor eine winzige Rolle. In absehbarer Zeit wird sich daran angesichts der erwähnten Skandale wohl auch nichts ändern – und dazu haben die Bitcoins einen leicht verruchten Ruf.

Umschlagplatz für illegale Aktivitäten und der Ausblick



Webseiten wie The Silk Road, welches nur über das anonyme Tor-Netzwerk zu erreichen war, handelten vor ihrer Stilllegung mit Drogen, Waffen und anderen illegalen Gütern. Auch hier wurde aufgrund des hohen Masses an Anonymität auf die Bitcoin zurückgegriffen.

Diese Tatsache allein ist natürlich kein Indikator für die Vertrauenswürdigkeit der digitalen Währung, denn schliesslich werden alle anderen Währungen auch für illegale Aktivitäten genutzt. Wenn die Bitcoin-Nachrichten jedoch allesamt von Insolvenzen, inkompetenten Börsenleitungen und dem Drogenhandel berichten, wird es noch eine lange Zeit dauern, bis diese Alternative zu Dollar, Euro & Co. international akzeptiert wird.

Dennoch scheint das Konzept Anklang gefunden zu haben: Dutzende Nachahmer sind inzwischen in den Weiten des Internets aufgetaucht – und mit der Doge-Coin und zahlreichen Spenden konnte sogar die Teilnahme des jamaikanischen Bob-Teams an den Olympischen Spielen in Sotschi gesichert werden. Es gibt also doch noch Hoffnung für die Bitcoin.



 

Oberstes Bild: © Lightboxx / Shutterstock.com


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