Chef – Kumpel, Kumpel – Chef

12.03.2014 |  Von  |  Allgemein, Selbstmanagement
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Chef – Kumpel, Kumpel – Chef
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Das Verhältnis von Vorgesetzten zu Unterstellten wirkt sich wesentlich auf das Betriebsklima und auf die Arbeitsleistung der Beschäftigten aus. Je klarer die Abgrenzung auch im Rahmen einer kollegialen Arbeitsweise gelingt, desto sicherer lassen sich Weisungs- und Informationswege förderlich für das Gesamtergebnis umsetzen.

Während in grossen Unternehmen die Hierarchie meist gut funktioniert, bieten vor allem kleine Firmen und Familienbetriebe viel Raum für Irritationen. Besonders dann, wenn Vorgesetzte und Unterstellte im Privatleben gut befreundet sind. Dann spielt das Privatleben oftmals in die Gestaltung der Vorgesetzten-Unterstellten-Beziehung mit hinein.



Vorgesetzte sind Respektspersonen

Wann immer jemand Vorgesetzter wird, gibt es dafür gute Gründe. Die berufliche Qualifikation, eine besondere Ausbildung, das Mass an Berufs- oder Lebenserfahrung und nicht zuletzt die Rolle als Inhaber sind Gründe dafür, dass eine Person in die Position des Vorgesetzten kommt. Schon mit der Übertragung der verantwortlichen Position in der Hierarchie eines Unternehmens steht den Führungskräften ein gewisser Respekt zu.

Dieser Respekt, der zunächst Kraft des Amtes übertragen wurde, muss nun an jedem Arbeitstag neu untermauert und mit Gehalt ausgefüllt werden. Dazu ist es notwendig, dass sich die Führungspersönlichkeiten innerhalb ihrer Hierarchieebene ihrer Verantwortung bewusst sind und ein entsprechend klares Verhalten an den Tag legen. Zu diesem Verhalten gehört auch eine gewisse Abgrenzung nach unten und nach oben, selbst wenn die Unterstellten oder wiederum Vorgesetzten gute Bekannte oder Freunde sind.



Unterstellte sind nicht einfach nur Weisungsempfänger

Die jeweils unterstellten Mitarbeiter sind nicht einfach nur Weisungsempfänger. Sie sind zuallererst Mitarbeiter, die für die Erfüllung ihrer Aufgaben im Unternehmen einer bestimmten und klar ausgerichteten Führung bedürfen. Diese Führung besteht zuallererst in einer fachlich korrekten und menschlich annehmbaren Anleitung, Kontrolle und Bewertung. Je sachlicher diese Führungsverantwortung wahrgenommen wird, desto besser kann die Ausgestaltung der Leitungsarbeit durch die Führungskräfte erfolgen. Dabei bleibt der Faktor Mensch natürlich nicht aussen vor. Immerhin geht es bei der Wahrnehmung der Führungsverantwortung vor allem um das Leiten von Menschen, erst dann um Prozesse, Strategien und Entwicklungen im Unternehmen.

Wenn der Chef zum Kumpel wird

Besonders unsichere und unerfahrene Leitungspersönlichkeiten neigen dazu, ein entweder zu harsches oder zu persönliches Verhältnis zu den Unterstellten zu pflegen. Ist das Führungsverhalten zu stark abgegrenzt, wird der Chef nur als Befehlsperson und eher unliebsame Erscheinung im Unternehmen angesehen. Das provoziert nicht selten eine gewisse Abwendung vom Vorgesetzten und den Dienst nach Vorschrift. Damit gehen dem Unternehmen wichtige Entwicklungsmöglichkeiten verloren, da sich die Unterstellten dann nur ungern bis gar nicht mit persönlichen Anliegen oder Verbesserungsvorschlägen an den Vorgesetzten wenden.

Wird das Verhältnis zwischen Vorgesetztem und unterstelltem Beschäftigen zu persönlich, droht eine Schwächung der Führungsperson insbesondere im Bereich des erforderlichen Respektes. Der Chef wird gewissermassen zum Kumpel, den man schulterklopfend im Bereich begrüsst, duzt und in vielen Situationen gar nicht so richtig ernst nimmt. In der Folge leidet die Ernsthaftigkeit in der Arbeitsbeziehung und sogar persönliche Befindlichkeiten werden zwischen Vorgesetztem und Unterstelltem oft in Form von Streit ausgetragen. Bezieht sich das kumpelhafte Verhältnis zwischen Chef und Unterstelltem nur auf einige ausgewählte Personen im Arbeitsbereich, droht das Team sogar zu zerbrechen, da sich hier einzelne Arbeitnehmer bevorzugt, andere wiederum hinten angestellt fühlen.

Hierarchie in Familienbetrieben

Besonders flach ist die Hierarchie in vielen kleinen Familienbetrieben. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen beruflicher Tätigkeit und Privatleben oftmals fliessend. Dazwischen bewegen sich einzelne Beschäftigte, die nicht selten auch aus dem Bekanntenkreis kommen und dann irgendwo zwischen den Hierarchieebenen der Familie stehen. Das ist eine besonders schwierige Leitungssituation, da hier eine klare Trennung von Beruflichem und Privatem immer wieder nötig sein wird. Hier zahlt es sich aus, wenn bereits frühzeitig entsprechende Abgrenzungen im Unternehmen durchgesetzt werden.

Wenn aus dem Kumpel ein Vorgesetzter wird

Nicht selten rücken Mitarbeiter in der Hierarchiestruktur eines Unternehmens nach oben auf. Damit werden aus einzelnen Mitarbeitern Vorgesetzte, denen die jeweilige Führungsverantwortung zugetraut wird. Gleichzeitig steigt ein Mitarbeiter aus dem Team in eine Leitungsfunktion auf und ist den ehemaligen Kollegen gegenüber weisungsberechtigt. Auch diese Situation ist von den Beteiligten nicht immer einfach zu meistern. Die neuen Führungspersonen müssen sich jetzt abgrenzen und mit einer gewissen Beharrlichkeit auch im freundschaftlichen Verhältnis zu ihren Mitarbeitern die Rolle des Leiters erlernen.

Andererseits sind die ehemaligen Kollegen jetzt gezwungen, den alten Kollegen nun als den neuen Chef zu akzeptieren. Dazu bedarf es auf beiden Seiten einer Klarheit, die es zu schaffen gilt. Für den neuen Leitungsverantwortlichen ist dazu die Unterstützung der ihm übergeordneten Ebene empfehlenswert. Gleichfalls sollte sich der aus den Reihen seiner Kollegen aufgestiegene Chef nicht arrogant und selbstherrlich von seinen ehemaligen Mitstreitern abwenden, sondern diese jetzt auch als einen Teil seiner Mannschaft akzeptieren.





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Das richtige Mass finden. (Bild: Kamira / shutterstock.com)

Das richtige Mass finden

Besonders in kleineren Unternehmen arbeiten Unterstellte und Vorgesetzte oftmals über eine lange Zeit hinweg sehr dicht beisammen. Das führt zu einer gewissen Vertrautheit, aus der durchaus auch Freundschaften entstehen können. Wenn diese wertvollen persönlichen Beziehungen nicht unter den beruflichen Anforderungen leiden sollen gilt es hier, immer das richtige Mass aus Vertrautheit und Abgrenzung zu finden. Letztlich kann nur so eine funktionierende verantwortungsvolle Leitungsarbeit entstehen. 



 

Oberstes Bild: © Syda Productions – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus…die Berater.

Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt – die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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