Alumni-Netzwerke – wichtig für Hochschulen und Absolventen

09.03.2014 |  Von  |  Kommunikation, Web
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Alumni-Netzwerke – wichtig für Hochschulen und Absolventen
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Gutes Netzwerken war für eine erfolgreiche Karriere vermutlich schon immer wichtig, wurde aber lange vor allem als ein Essential für das Weiterkommen in den oberen Ebenen der Hierarchie betrachtet. Diese Idee hat sich allerdings längst als überholt erwiesen. Ohne ein funktionierendes professionelles Netzwerk kommen auch Berufsanfänger heute kaum noch aus.

Die Frage ist, was ein gutes Netzwerk eigentlich ist: Ein System informeller Kontakte, die sich aus den verschiedenen Stationen des persönlichen Ausbildungs- und Arbeitslebens ergeben? Eine gute Vernetzung in der eigenen Firma? Die Präsenz auf virtuellen Plattformen wie Google+, Xing oder LinkedIn?



In der Schweiz haben – übrigens im Gegensatz zu Deutschland – auch Alumni-Netzwerke eine etablierte Tradition. Mit geselligem Beisammensein und dem Wunsch, den Kontakt zu den ehemaligen Kommilitonen nicht zu verlieren, haben sie nur sehr bedingt etwas zu tun. Die Alumni-Treffen werden von den Absolventen Schweizer Universitäten und Fachhochschulen explizit als Karriere-Plattformen genutzt. Neben wichtigen Informationen, Ratschlägen und Kontakten ergeben sich daraus zum Teil echte Mentoren-Beziehungen, in deren Rahmen Vertreter bereits berufserfahrener Jahrgänge die Newcomer in der Arbeitswelt über längere Zeit begleiten. Daneben besitzen die Alumni-Verbände analog zu anderen Standesorganisationen auch politisches Gewicht als organisierte Interessenvertretung von Hochschulabsolventen in der Gesellschaft.

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Fortlaufender Austausch von Kontakten, Wissen und Erfahrung. (Bild: Studio_G / shutterstock.com)

Fortlaufender Austausch von Kontakten, Wissen und Erfahrung

Toni Schmid ist der Geschäftsführer der FH Schweiz. Im Dachverband der Absolventen von Fachhochschulen sind über 41’000 Mitglieder organisiert, Schmid kennt vor diesem Hintergrund die „Feinmechanik“ von Alumni-Netzwerken so detailliert wie nur wenige andere Experten. Gute Beziehungen zu Professoren, Dozenten und anderen Hochschulmitarbeitern sowie den Studienkollegen können schon während einer Aus- oder Weiterbildung karrierefördernd sein. Nach dem Verlassen der Hochschule trägt die Mitgliedschaft in organisierten Alumni-Netzwerken auf verschiedene Art und Weise Früchte.



Beispielsweise ermöglichen diese von ihrem Prinzip her fächerübergreifende Kontakte – wer beruflich oder privat einen Psychologen, einen Übersetzer oder einen IT-Experten sucht, kann mit einer Anfrage bei seinem Alumni-Netzwerk also durchaus richtig liegen. Zudem stehen Absolventen durch das Netzwerk mit ihrer ehemaligen Hochschule auch nach dem Abschluss in regelmässigem Kontakt, was einen unter anderem einen kontinuierlichen Know-how-Transfer ermöglicht. Schmid betrachtet den Austausch von Kontakten, Erfahrung, Wissen und gegebenenfalls auch den Zugang zu Projekten als das Kernelement jeder Alumni-Organisation.

Daneben können die Alumni auch mit vielfältigen Dienstleistungen rechnen, die durch die Netzwerke vermittelt oder angeboten werden. Das Spektrum reicht hier von Karriereberatungen und Coachings, Rabatten bei Sprachkursen, Medien-Abonnements oder Versicherungsverträgen bis zu exklusiven Offerten für Freizeitaktivitäten. Wer unter diesen Angeboten eine kluge Wahl trifft, kann durch sein Alumni-Netzwerk pro Jahr leicht einige hundert Franken sparen und holt seine Ausgaben für den Mitgliedsbeitrag damit sehr schnell wieder herein.

Politische und gesellschaftliche Interessenvertretung von Absolventen



Zumindest die Alumni-Organisationen der Fachhochschulen sind ausserdem auch im Hinblick auf die Interessenvertretung von Absolventen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Toni Schmid betrachtet diese Aufgabe als ein zentrales und äusserst wichtiges Arbeitsfeld seines Verbandes. Jeder Absolvent, der sich in einem Alumni-Netzwerk der FH Schweiz organisiert, könne sicher sein, dass sich der Dachverband für das akademische Profil der Fachhochschulen, seinen Berufsstand sowie den Schutz der entsprechenden Titel einsetzt. Die FH Schweiz beobachtet dafür die Herausforderungen, Chancen und Risiken von bildungspolitischen Trends und engagiert sich für die Interessen der Alumni auf professionelle Weise und auf kantonaler ebenso wie auf bundespolitischer Ebene. Dass sie damit erfolgreich ist, zeigt unter anderem die Beibehaltung von Master-Studien an Schweizer Fachhochschulen, die vor knapp zwei Jahren auf der Kippe stand.

Schnittstellen-Funktion für Ressourcen-Transfer aus der Wirtschaft



Auch die Hochschulen profitieren selbstverständlich von den Alumni-Organisationen. Beruflich erfolgreiche Absolventen sind für sie wichtige Botschafter und Imageträger. Sie stehen für die Qualität der Studiengänge und prägen mit ihren Entwicklungswegen nach dem Abschluss die Identität einer Hochschule massgeblich mit. Anders gesagt: Eine Universität oder Fachhochschule wird in der Öffentlichkeit als exzellent bewertet, wenn möglichst viele ihrer Absolventen später exponierte Positionen in ihrem Fachgebiet erreichen. Bewegen sie sich in ihrer Mehrheit dagegen nur im Mittelfeld, spricht dies nicht gerade dafür, dass die Hochschule ihr ausgelobtes Kompetenzprofil erfüllt.

Schon aus diesem Grund sind die Bildungseinrichtungen explizit daran interessiert, mit ihren Ehemaligen auch auf lange Sicht Kontakt zu halten. Ein zweiter wichtiger Punkt besteht darin, dass die Absolventen in der Praxis stehen und möglicherweise für einen effektiven Ressourcen-Transfer aus der Wirtschaft an die Universitäten und Fachhochschulen sorgen. Dabei kann es um Fundraising oder praktische Kooperationsprojekte gehen. Für die Hochschulen ist vor allem in technisch-wissenschaftlichen, aber auch in anderen Bereichen eine enge Bindung an die Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Die Alumni-Netzwerke übernehmen dabei eine unverzichtbare Schnittstellen-Funktion.

Für die Absolventen selbst kann die aktive Mitgliedschaft in einem Alumni-Netzwerk ein Karriereturbo sein. Was sich aus den Ehemaligen-Kontakten ergeben kann, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Der junge Informatiker Peter M. sah sich mit der Frage konfrontiert, wie viel Zeit und Energie er relativ kurz nach seinem Fachhochschulabschluss in eine Weiterbildung investieren sollte. Er gab das Thema an zwei Alumni-Kollegen aus seinem Netzwerk weiter, die er von einem Ehemaligen-Treffen kannte. Beide – mehr als zehn Jahre älter und daher mit deutlich umfangreicherer Berufserfahrung ausgestattet – rieten ihm, statt einer formalen Weiterbildung zunächst so viel Praxiserfahrung zu sammeln wie irgend möglich. Einer von ihnen war inzwischen erfolgreich als Unternehmer tätig – seine Antwort auf die Ausgangsfrage enthielt ausserdem ein Stellenangebot. 



 

Oberstes Bild: © Rawpixel – shutterstock.com


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