Der Ruhestand – für Manager oft eine Horrorvision

06.03.2014 |  Von  |  Allgemein, Selbstmanagement
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Der Ruhestand – für Manager oft eine Horrorvision
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Sie arbeiten gern und sie arbeiten viel. Dabei tragen sie ein grosses Stück Verantwortung für das Unternehmen und die Beschäftigten. Und sie verdienen entsprechend viel Geld mit dem dazugehörigen Lebensstandard. Manager sind fraglos geforderte Menschen, denen Macht, Einfluss, Verantwortung und eine gewisse Ruhelosigkeit ins Blut übergegangen ist.

Furchtbar und bedrohlich zugleich erscheint da vielen Top-Führungskräften vor allem in der Wirtschaft die Vision vom Ruhestand. Das Versinken in der Bedeutungslosigkeit raubt vielen CEOs den Sinn des Lebens und stellt sie vor völlig neue Herausforderungen. Dabei zeigt sich oftmals, dass Top-Manager mit sich selbst deutlich weniger zurechtkommen als mit dem Lenken grosser wirtschaftlicher Einheiten.



Was nach der Führungsrolle kommt

Für die meisten Manager war es bislang ein erfülltes Leben. Der Aufstieg in die Spitzen der Wirtschaft war oftmals ein Hürdenlauf, bei dem es einige Hindernisse zu überwinden galt. Endlich ganz oben angekommen haben die Spitzen in den Unternehmen nicht nur an ihrem eigenen Erfolg gearbeitet. Meist stand vor allem der geschäftliche Erfolg der Firma im Vordergrund. Nicht selten ging der Einsatz dabei weit über die persönlichen Grenzen hinaus. Irgendwann ist dann aber Schluss. Neue Führungskräfte rücken nach, der eigene Sessel kommt ins Wanken und letztlich heisst es Platz zu machen für die nachfolgende Generation.

Auch wenn jetzt oftmals noch überaus reichhaltige Abfindungen und ein gutes Geld für den Ruhestand locken, fühlen sich die meisten Manager jetzt aus dem eigenen Unternehmen ausgegrenzt. Die Verantwortlichkeiten werden abgegeben, neue Sicht- und Arbeitsweisen machen sich in der Führungsetage breit und allmählich dämmert es dem Ruhestands-Anwärter, dass er jetzt bald wirklich nicht mehr gefragt sein wird. Allein diese Vorstellung ist für viele Manager eine wahre Horrorvision. Immerhin gilt es jetzt auch, sich in das ganz eigene Leben zurückzufinden und einen völlig ungewohnten Lebensrhythmus zu entwickeln. Was ist aus den Wünschen geworden? Was wollte man schon immer tun? Fragen, deren Beantwortung an sich recht leicht ist.

Nur die eigenen körperlichen Möglichkeiten sind doch jetzt nicht selten eingeschränkter. Wer als junger Mensch schon immer einen Work-and-Travel-Trip durch Australien starten wollte, wird das im letzten Lebensdrittel vielleicht doch nicht mehr wirklich wollen. Zumal die finanziellen Möglichkeiten mehr zulassen, als nur Bed and Breakfast und Trampen von Job zu Job. Andere Ideen müssen her, die zu einem Leben taugen, das für Manager auch im Ruhestand weiter an Bedeutung behält. Nach der Führungsrolle kommt jetzt für viele Manager ein Zustand der Sinnfindung, an dessen Ende dem eigenen Leben eine neue Richtung gegeben werden muss.



Alles, bloss keine Ruhe

Für Menschen, die ein ganzes Leben lang aktiv waren ist allein schon der Begriff „Ruhestand“ eine richtiggehende Bedrohung. Das gilt in besonderem Masse auch für die Kapitäne der Wirtschaft. Besonders die Verbindung von Verantwortung, Macht und eigener Leistungsfähigkeit hat sie in einen Status gebracht, der so gar nicht zu den Erwartungen an den bevorstehenden Ruhestand passt. Endlich das Leben uneingeschränkt geniessen, Bücher lesen, mit der Familie die freie Zeit erleben und den Druck der Verantwortung ablegen. 

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Manager wollen alles, bloss keine Ruhe. (Bild: fongfong / shutterstock.com)




Das wollen Manager so nicht! Manager wollen alles, bloss keine Ruhe. Und so ist zu beobachten, dass viele Führungsspitzen plötzlich in der kommunalen, kantonalen oder sogar in der Bundespolitik aktiv werden, Beraterpositionen einnehmen oder anderweitig öffentlich aktiv bleiben. Das ist weder verwerflich noch verwunderlich. Allerdings ist es auch nicht das, was sich Familien und Angehörige der Top-Führungskräfte für deren Ruhestand vorgestellt haben.

Alternativ zum Aktionismus der Ex-CEOs wünschen sich die Familien mehr Hinwendung zum Partner, zu den Kindern und Enkelkindern. Aber genau das ist es, was viele Führungsspitzen in den vergangenen Jahren nicht getan haben und manchmal sogar regelrecht verdrängt haben: Die Verantwortung für die ganz eigene Familie und das eigene Leben. Hier muss ein Lernprozess beginnen, der viele Wirtschaftslenker in die Pflicht nimmt. Gerade dann, wenn Arbeit zum Selbstzweck geworden ist, fällt es schwer, sich auf andere und doch ganz normale Dinge zu beschränken. Aber genau hier liegt auch die Chance für die Manager im Ruhestand.



Auch Unternehmen können helfen

Der Weg in den Ruhestand ist für die künftigen Pensionäre kein leichter. Da ist nicht nur die Trennung von dem, wofür man teils jahrzehntelang gearbeitet hat. Da sind nicht nur die Mistreiter, von denen man sich jetzt verabschieden soll. Letztlich ist da auch ein wichtiger Bereich des Lebens, der jetzt aufgegeben werden muss. Dabei können auch die Unternehmen eine wichtige Hilfestellung bieten. So kann der Übergangsprozess langfristig gestaltet werden. Nur nach und nach geben die Manager Verantwortungen und Bereiche ihrer Tätigkeit ab.

Ist dann der Tag des Abschiednehmens gekommen, sollten die Manager ihr Lebenswerk in guten Händen wissen. Und auch nach dem Beginn des eigentlichen Ruhestandes sollten die Top-Manager wenn gewünscht selbstverständliche Teile des Unternehmens bleiben. So bieten sich beispielsweise Beraterpositionen für wenige Stunden im Monat an. Das vermittelt den ehemaligen Lenkern das Gefühl, auch weiterhin wichtig und gebraucht zu sein. So haben die Manager gewissermassen eine Übergangszeit, in der sie sich nicht vollständig vom Arbeitsleben verabschieden müssen und zugleich Gelegenheit haben, neue Möglichkeiten zur Ausgestaltung des eigenen Lebens zu finden.



 

Oberstes Bild: © Filipe Matos Frazao – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus…die Berater.

Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt – die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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