Die Caritas zieht Bilanz

22.12.2015 |  Von  |  News
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Die Caritas zieht Bilanz
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Die Schweizer Wirtschaft ist trotz verlangsamten Wachstums immer noch gut unterwegs. Für Armutsbetroffene und Einkommensschwache spitzt sich die Lage jedoch zu. Caritas stellt im Bericht zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung im soeben erschienenen Sozialalmanach 2016 fest: Es wurden so viele Menschen ausgesteuert wie seit zehn Jahren nicht mehr. Gleichzeitig drängt der Abbau von bedarfsabhängigen Leistungen Armutsbetroffene weiter an den Rand der Gesellschaft.

Die Besorgnis über die wirtschaftliche Entwicklung prägte das Jahr 2015. Nach der Aufwertung des Schweizer Frankens zu Beginn des Jahres übertrafen sich Expertinnen und Experten in pessimistischen Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz.

Die letzten Monate zeigten jedoch: Die Schweizer Wirtschaft ist vorderhand widerstandskräftiger als angenommen. Trotz Einbussen in der Exportwirtschaft und verlangsamten Wachstums geht das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco davon aus, dass sich die Konjunktur 2016 wieder festigt.


Karte über die Nothilfe-Projekte der Caritas (Bild: Caritas Schweiz)

Karte über die Nothilfe-Projekte der Caritas (Bild: Caritas Schweiz)


Steigende Krankenkassenprämien und gleichzeitiger Rückgang der Prämienverbilligungen

Angesichts der robusten Wirtschaftslage gibt die steigende Anzahl an Aussteuerungen Anlass zur Besorgnis, konstatiert die Caritas im Bericht über die soziale und wirtschaftliche Entwicklung. So wurden im Jahr 2014 36 500 Männer und Frauen ausgesteuert. Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Überdurchschnittlich betroffen sind Personen über 45 Jahre, solche ohne nachobligatorische Schulbildung, ohne Schweizer Staatsbürgerschaft, Frauen und Alleinlebende. Viele der Betroffenen finden nach der Aussteuerung keine Arbeit mehr und sind auf Sozialhilfe angewiesen.

Falls sie Arbeit finden, sind sie häufig in unsicheren Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Das heisst, sie arbeiten auf Abruf oder temporär, sind gezwungen, befristete Arbeitsverträge einzugehen oder unfreiwillig Teilzeit zu arbeiten.
Drei Viertel der Unterbeschäftigten sind Frauen. Bei alleinerziehenden Müttern ist die Unterbeschäftigung mit 16 Prozent überdurchschnittlich verbreitet und mitverantwortlich dafür, dass es unter Alleinerziehenden viermal mehr working poor gibt als in der Gesamtbevölkerung.


Alltag einer Alleinerziehenden (Bild: Pia Zanetti, Caritas Schweiz)

Alltag einer Alleinerziehenden (Bild: Pia Zanetti, Caritas Schweiz)


Den Einkommensschwachen setzen die stetig steigenden Krankenkassenprämien zu, stellt die Caritas weiter fest. Die Standard-Krankenversicherungsprämie ist in den letzten 20 Jahren um durchschnittlich 4,7 Prozent pro Jahr – von monatlich 173 Franken im Jahr 1996 auf 396 Franken im Jahr 2014 – angestiegen. Parallel dazu wurde die individuelle Prämienverbilligung kontinuierlich abgebaut.

Zwischen 2010 und 2013 kürzten die Kantone ihre Beiträge an die Prämienverbilligung um insgesamt 169 Millionen Franken. Vor allem Familien mit einem Einkommen wenig oberhalb der Armutsgrenze sind von den Kürzungen betroffen. Sie drohen aufgrund der hohen Fixkosten in die Armut abzurutschen.

Bedarfsabhängige Leistungen werden abgebaut

Auch in der Sozialhilfe stellt die Caritas einen kontinuierlichen Leistungsabbau fest. So wurden die SKOS-Richtlinien im vergangen Jahr verschärft. Mit der beschlossenen Revision ist das soziale Existenzminimum für grosse Familien und Jugendliche nicht mehr gewährleistet. Auch die minimale Integrationszulage für Menschen, die sich aus gesundheitlichen oder familiären Gründen nicht um eine Arbeitsstelle bemühen können, wurde gestrichen. Diese Kürzungen treffen auch Alleinerziehende, die aufgrund ihrer Betreuungspflichten in ihrer Erwerbsarbeit oder in ihrer Arbeitssuche eingeschränkt sind.



Der Abbau in der Sozialhilfe und bei der individuellen Prämienverbilligung drängt Armutsbetroffene weiter an den Rand der Gesellschaft und verschlechtert die Bedingungen für Menschen knapp oberhalb der Armutsgrenze. Bettina Fredrich fordert, diesen Trend zur Entsolidarisierung zu korrigieren. Menschen in der Sozialhilfe brauchen Perspektiven. Dazu gehören unter anderem Investitionen in Weiter- und Nachholbildung. Mit gezielten Bildungsmassnahmen können Armutsgefährdete ihre Lebenslage nachhaltig verbessern und der Spirale der Armut entkommen.

 

Artikel von: caritas.ch
Artikelbild: Mutter von sieben Kindern aus Kramatorsk (©Caritas international)

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.


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