Supply Chain Management – die Optimierung von Lieferketten

13.03.2015 |  Von  |  Organisation
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Supply Chain Management – die Optimierung von Lieferketten
Jetzt bewerten!

In der klassischen Betriebswirtschaftslehre steht die Betrachtung von Unternehmen im Vordergrund. Es geht dabei um die möglichst effiziente und zielorientierte Gestaltung der Organisation und Prozesse innerhalb einer Firma.

In den letzten Jahren hat eine andere Betrachtungsweise oder Philosophie an Bedeutung gewonnen – die des Supply Chain Managements. Sie löst sich von der rein unternehmensbezogenen Analyse und beschäftigt sich mit der Optimierung von Liefer- und Wertschöpfungsketten – „Supply Chains“ – über Unternehmensgrenzen hinweg.

Der Begriff „Supply Chain Management“ tauchte erstmals Anfang der 1980er Jahre auf. Einen Boom hat diese Betrachtungsweise aber spätestens seit den 1990er Jahren erlebt. Dies ist kein Zufall, sondern eine Folge der Globalisierung und des damit verbundenen verschärften Wettbewerbs. In diesem Kontext sind viele Unternehmen dazu übergegangen, die Fertigungstiefe und Arbeitsteilung innerhalb ihrer eigenen Betriebe zu reduzieren. „Outsourcing“ ist ein Schlagwort, das dabei eine grosse Rolle spielt. Die Konzentration auf die Kernkompetenzen und die Auslagerung von Aufgaben, die nicht zum Kerngeschäft gehören, soll zur Kostenreduzierung und mehr Flexibilität beitragen.

Optimale Lieferketten entscheidend

Die Folge ist, dass viele Prozesse, die bisher innerhalb eines Unternehmens stattgefunden haben, heute durch Externe abgewickelt werden. Hier wirken mehrere unabhängige Partner im Rahmen eines Netzwerks zusammen, was zwangsläufig höhere und auch andere Anforderungen an die Steuerung und Optimierung stellt, als wenn die Aufgaben sämtlich im Unternehmen erledigt würden. Die Liefer- und Wertschöpfungskette wird damit zu einem entscheidenden Faktor im Wettbewerb. Angesichts immer kürzerer Produkteinführungszeiten und -lebenszyklen sowie ständig wachsender Kundenanforderungen haben diejenigen Wettbewerber die Nase vorn, die – über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg – über die besten Lieferketten verfügen. Damit beschäftigt sich das Supply Chain Management.

Mehr als nur Logistik

Es untersucht die gesamte Wertschöpfungskette eines Produktes angefangen von der Rohstofflieferung über die Zulieferfertigung und Produktherstellung bis zur Distribution zum Endkunden und strebt die Optimierung entlang der gesamten Prozesskette durch geeignete Massnahmen an. Häufig wird Supply Chain Management mit „Logistik“ gleichgesetzt. Tatsächlich gibt es durchaus Schnittmengen, das Verständnis des Supply Chain Managements ist aber wesentlich weiter gefasst: die Logistik bezieht sich auf die Informations- und Güterflüsse eines einzelnen Unternehmens – sowohl innerbetrieblich, als auch im Verhältnis zu den unmittelbaren Kunden und Lieferanten. Das Supply Chain Management untersucht dagegen das komplette Netzwerk der Leistungserstellung und berücksichtigt dabei auch Netzwerk-Partner, zu denen kein unmittelbarer Geschäftskontakt besteht. Dabei werden im Unterschied zur rein logistischen Betrachtung nicht nur Informationen und Güter, sondern auch Finanzströme betrachtet.

Wie funktioniert nun das Supply Chain Management? Es gibt unterschiedliche Ansatzpunkte, um Lieferketten zu verbessern und zu steuern: 

  1. Bessere Informationsflüsse 

Nach einer Untersuchung eines bekannten US-amerikanischen Computer-Herstellers sind rund sechzig Prozent der Lieferprobleme (zu frühe oder zu späte Lieferungen) auf Kommunikationsdefizite zwischen den beteiligten Partnern zurückzuführen. Ein wesentlicher Ansatz besteht daher in der Verbesserung von Information und Kommunikation der Partner untereinander auf der Basis grösstmöglicher Transparenz. Dazu kommen zum Beispiel Software-Lösungen oder auch Internet-Anwendungen zum Einsatz, über die Lieferanten und Kunden sich in Echtzeit über Lieferzeiten, Lagerbestände und Produktionsengpässe informieren und entsprechend abstimmen können.

  1. Reduzierung von Lagerhaltungskosten 

Hohe Lagerbestände binden Kapital und verursachen entsprechende Kapitalkosten. Ein wichtiges Ziel ist daher die Verringerung von Lagerbeständen durch Übergang zur sogenannten „Just-in-time“-Produktion. Dabei darf es aber nicht zu einer Verlagerung von Lagerhaltung auf Lieferanten – also lediglich einer Verschiebung innerhalb der Lieferketten – kommen. Das Ziel muss vielmehr die Verwirklichung von Just-in-Time in allen Bereichen der Lieferketten sein, um eine Reduzierung der Lagerkosten insgesamt zu erreichen. Dazu ist die Fertigung auf allen Stufen möglichst elastisch zu gestalten, um den Kundenanforderungen entsprechend produzieren zu können. Änderungen der Nachfrage ermöglichen dann eine rasche Anpassung der Produktion ohne aufwändige Lagerhaltung. 


Häufig wird Supply Chain Management mit „Logistik“ gleichgesetzt. (Bild: © Nightman1965 - shutterstock.com)

Häufig wird Supply Chain Management mit „Logistik“ gleichgesetzt. (Bild: © Nightman1965 – shutterstock.com)


  1. Kürzere Durchlauf- und Produktentwicklungszeiten 

Schnelligkeit ist ein Erfolgsfaktor im Wettbewerb. Daher gehören zum Supply Chain Management auch Massnahmen, die die benötigte Zeit für Produktion und Auslieferung verkürzen. Dies kann zum Beispiel durch die Beseitigung von Schnittstellenproblemen und die Optimierung von Materialflüssen – bessere Koordinierung, Vereinfachung, Standardisierung – erfolgen.

Auch die Produktentwicklung kann beschleunigt werden, um Produkte schneller zur Marktreife zu bringen. Das ist u.a. durch die Einführung von „Simultaneous Engineering“ möglich. Dabei laufen Produktentwicklungsprozesse entlang der Liefer- und Wertschöpfungskette simultan und nicht wie üblich nacheinander ab. Ein Idealziel ist dabei die gemeinsame Produktentwicklung von Kunden, Lieferanten und Produzenten. Sie bietet erhebliche Potentiale für mehr Kundenzufriedenheit, da die Marktbedürfnisse konsequenter und zügiger bedient werden – eine wesentliche Voraussetzung für Markterfolg.

  1. Ausschöpfung von Synergiepotentialen 

Die Einrichtung des Supply Chain Managements bietet vielfältige Chancen, um Synergien zu nutzen und dadurch Kosten zu sparen oder Mehrwerte zu generieren. Beispiele für mögliche Ansätze für Nutzung von Synergieeffekten sind:

  • gemeinsame Lagerhaltung und -bewirtschaftung;
  • gemeinsame Forschung und Entwicklung;
  • bessere Auslastung von Transportmitteln;
  • die Ausbildung eines festen Lieferanten-Systems.

Eine Investition, die sich rechnet 

Die Einführung von Supply Chain Management bildet ein komplexes Projekt. Dazu genügt es nicht, dass bei allen Beteiligten auch die entsprechende Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Vernetzung besteht – keineswegs eine Selbstverständlichkeit, oft sind erst Widerstände zu überwinden und es muss erhebliche Überzeugungsarbeit geleistet werden. Prozesse und Organisationsstrukturen der Partner sind – unter Umständen grundlegend – zu verändern und anzupassen. Ausserdem fallen Investitionen zur Herstellung besserer Vernetzung und Informationsflüsse an. Supply Chain Management ist daher zunächst mit Kosten verbunden. Richtig umgesetzt bietet die Einführung aber auch einen hohen Nutzen. Positive Ergebnisse sind dabei schon nach kurzer Zeit erzielbar. Untersuchungen zufolge lassen sich binnen Jahresfrist:

  • Durchlauf- und Lieferzeiten um rund zwei Drittel verkürzen;
  • die Lagerbestände um ein Drittel verringern;
  • die Transportkosten um ein Viertel reduzieren.

Gleichzeitig kann die Produktivität um mehr als zehn Prozent gesteigert werden.



Eine anspruchsvolle Aufgabe 

Supply Chain Management stellt eine anspruchsvolle und hochqualifizierte Tätigkeit im Rahmen einer klassischen Querschnittsfunktion dar. Es gibt inzwischen sogar spezielle Studiengänge in diesem Bereich, zum Beispiel das Master-Studium „Supply Chain- und Operations Management“ am Standort der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur. Wer im Supply Chain Management tätig ist, muss in besonderer Weise über die Fähigkeit zu vernetztem Denken verfügen und sich in ganz unterschiedliche Themengebiete und Aufgaben einarbeiten.  Das macht die besondere Herausforderung, aber auch den Reiz für Supply Chain Manager aus.

 

Oberstes Bild: © Manczurov – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


Ihr Kommentar zu:

Supply Chain Management – die Optimierung von Lieferketten

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.