Geschäftsreise nach Fernost – wie Sie Fettnäpfchen vermeiden

12.11.2014 |  Von  |  Allgemein
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Geschäftsreise nach Fernost – wie Sie Fettnäpfchen vermeiden
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Die Presse meldet in diesen Tagen, der russische Präsident Wladimir Putin habe beim Apec-Gipfel in Peking einen Fauxpas begangen, indem er der chinesischen First Lady eine Decke um die Schultern legte. Putin wollte vermutlich nur als Gentleman auftreten, in China ist das nahe Herankommen an einen Fremden jedoch ein absolutes No-go.

Was in unseren Breiten völlig normal scheint, ist in anderen Kulturen vollkommen unangebracht. Vor allem im asiatischen Raum herrscht eine vollkommen andere Etikette. Wer sich als Geschäftsmann in Fernost aufhält, sollte daher einige einige Punkte beachten:



Der Dresscode spielt in Asien eine grosse Rolle: Wählen Sie konservative und dunkle Businesskleidung, dann liegen Sie garantiert richtig. Damen sollten sich auf keinen Fall zu offenherzig kleiden, sondern bei der Kleiderwahl dezente und zurückhaltende Mode bevorzugen. Insbesondere Japaner achten auf teure Markenkleidung. Bei einem Termin in Thailand oder Malaysia ist die Farbe Gelb für die Mitglieder der Königsfamilie reserviert. Als Gast sollten Sie daher auf ein gelbes Kleidungsstück verzichten.

Halten Sie Termine unbedingt ein, auf Pünktlichkeit legt man hier grössten Wert. Im Zweifel gilt: Lieber zehn Minuten zu früh als zu spät! Auch wenn Sie sich nur um wenige Minuten verspäten, erwarten Ihre Gastgeber, dass Sie telefonisch oder per Mail Bescheid geben. Traditionell begrüssen Chinesen und Japaner sich mit einer Verbeugung. Handelt es sich um ein Unternehmen mit westlichen Kontakten, ist jedoch inzwischen auch ein Handschlag durchaus üblich. Wundern Sie sich nicht, wenn während einer Vorstellung plötzlich geklatscht wird: Auf diese Weise heissen die Chinesen Gäste willkommen – klatschen Sie im Zweifelsfall einfach mit.

Visitenkarten spielen bei diesen Terminen eine grosse Rolle: Die Karten werden stets mit beiden Händen überreicht. Wer eine Karte erhält, sollte diese einen Moment betrachten und dann idealerweise vor sich auf den Tisch legen. Stecken Sie die Visitenkarte auf keinen Fall achtlos in die Tasche oder machen sich darauf Notizen – das gilt als extrem unhöflich!

Ähnlich wie bei uns, beginnen die Gespräche mit etwas Smalltalk. Plaudern Sie über die Schönheit des Landes oder andere unverfängliche Themen – Gespräche über Politik sind unangebracht. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie nach persönlichen Dingen gefragt werden, die Chinesen empfinden Fragen nach dem Alter oder dem Gehalt nicht als unangebracht, sondern wollen sich einfach ein Bild von ihrem Gegenüber machen.



Geht es an die konkreten Verhandlungen, wird es für Europäer schwierig: Chinesen sind die Meister der indirekten Kommunikation, ein direktes Nein werden Sie hier nicht zu hören bekommen – auch Sie selbst sollten auf eine konkrete und deutliche Ablehnung verzichten und eine vagere Formulierung wählen. Versuchen Sie zwischen den Zeilen zu lesen um zu ergründen, was Ihre Geschäftspartner eigentlich ausdrücken möchten. Auch wenn Ihr Gegenüber nickt, deutet das nicht auf Zustimmung hin, sondern zeigt lediglich, dass man Ihnen zuhört. Wichtige Aspekte werden während eines Gesprächs häufig wiederholt, laut werden Chinesen aber nie. Während wir Europäer in bestimmten Situationen gern die Stimme anheben, sprechen die Asiaten stets in gleichbleibender Lautstärke.





Ein Gastgeschenk wickeln Asiaten niemals gleich aus. (Bild: Dragon Images / Shutterstock.com)

Ein Gastgeschenk wickeln Asiaten niemals gleich aus. (Bild: Dragon Images / Shutterstock.com)




Ein Gastgeschenk wickeln Asiaten niemals gleich aus. Nachdem Sie das Präsent überreicht haben, wird Ihr Geschäftspartner es vermutlich an die Seite legen, um es später auszuwickeln. Besonders in Japan kommen Markenprodukte aus der Heimat als Geschenk sehr gut an. Zudem wissen Asiaten eine professionelle Verpackung zu schätzen. Sie sollten für jeden der Anwesenden ein Geschenk im Gepäck haben – alternativ machen Sie der gesamten Gruppe ein grösseres Geschenk, das Sie dem Chef überreichen.

Bei einem Geschäftsessen gibt es deutliche Unterschiede zu unseren Gepflogenheiten: In einigen asiatischen Ländern wird das Essen mit dem Besteck serviert, in anderen Ländern werden traditionell Stäbchen verwendet. Stecken Sie niemals die Stäbchen in den Reis – die Asiaten erinnert das an Räucherstäbchen, die zu Ehren der Verstorbenen entzündet werden. Bedenken Sie, dass Schlürfen und Schmatzen hier durchaus üblich ist – damit zeigen die Asiaten, dass ihnen das Gericht schmeckt. Asiaten vertragen recht wenig Alkohol, trinken ihn aber in aller Regel sehr gern. Während des Essens kann der Geräuschpegel also mit steigendem Alkoholkonsum deutlich ansteigen.

Es ist üblich seinem Sitznachbarn das Getränk einzuschenken. Ist das Glas leer, so wird es vom direkten Nachbarn schnell wieder gefüllt. Wenn Sie Ihrem Nachbarn nachfüllen wollen, fragen Sie ruhig mehrfach nach. Es ist durchaus üblich, dass zunächst drei- viermal abgelehnt wird. Wer nicht viel Alkohol trinken möchte, sollte stets einen Rest im Glas lassen. Gleiches gilt auch für das Essen: Man isst den Teller hier nie ganz leer, so wie wir es aus unseren Breiten kennen. Ein kleiner Rest sollte auf dem Teller liegen bleiben.

Um auf Putin und seine vermeintlich freundliche Geste zurückzukommen: Grundsätzlich vermeiden Asiaten Kontakt mit Fremden. Nach einem Geschäftsabschluss sollten Sie Ihrem Gegenüber also keinesfalls freudig auf den Rücken schlagen, das kommt sicher nicht gut an. Führt Ihre Geschäftsreise Sie in ein buddhistische Land, berühren Sie niemals jemandem am Kopf. Nach Ansicht der Buddhisten befindet sich die Seele des Menschen im Kopf, eine Berührung wird daher als grosse Beleidigung aufgefasst.




 

Oberstes Bild: © vichie81 – Shutterstock.com

Über Andrea Hauser

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen zählen noch immer zu meinen Steckenpferden. Angetrieben durch die Lust, Neues zu entdecken, arbeite ich mich gern in unbekannte Themengebiete ein und lasse mich schnell begeistern.

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen zählen noch immer zu meinen Steckenpferden. Angetrieben durch die Lust, Neues zu entdecken, arbeite ich mich gern in unbekannte Themengebiete ein und lasse mich schnell begeistern.


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