EZB macht Strich durch die Pläne der SNB

06.07.2014 |  Von  |  News
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EZB macht Strich durch die Pläne der SNB
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Die Europäische Zentralbank (EZB) verkündete Anfang Juni 2014 einige aggressive Massnahmen, welche die Zinsen in der Euro-Zone weiter nach unten drücken sollten. Derzeit beweist sich, dass diese Pläne Wirkung zeigen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hat die EZB damit einen Strich durch die Pläne der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gemacht.

Die SNB muss die Mindestkurspolitik vom Franken zum Euro damit länger als geplant fortsetzen. Eigentlich sollte langsam wieder eine Normalisierung der Geldpolitik einsetzen, doch diese hat sich erst einmal erledigt, da EZB-Präsident Mario Draghi ankündigte, dass es sogar zu weiteren scharfen Massnahmen kommen könne, man habe „noch Pfeile im Köcher“. Die EZB befürchtet in Südeuropa eine Deflation, weil sich die dortige Inflationsrate in Richtung null bewegt. Dies würgt ausgerechnet in den europäischen Krisenstaaten die Wirtschaft ab.



Normalisierung der Geldpolitik erst Ende 2015?

Maxime Botteron, der als Ökonom bei der Credit Suisse tätig ist, rechnet damit, dass eine Normalisierung der Geldpolitik „frühestens offiziell Ende 2015“ möglich sein wird. Die SNB sei diesbezüglich zu sehr an die Entscheidungen der EZB gebunden, und jene werde eben keine Umkehr der lockeren Geldpolitik einleiten, solange es Staaten wie z. B. Griechenland derart schlecht ginge.

Hintergrund: Darum garantiert die SNB einen Mindestkurs

Der Mindestkurs von Franken zu Euro wurde eingeführt, um die Exporte der Schweiz nicht zu gefährden. Als die Euro-Krise eskalierte, entschieden sich immer mehr ausländische Investoren dafür, ihre Devisen in die schweizerische Währung zu konvertieren. In der Folge schoss der Wechselkurs drastisch in die Höhe und die Ausfuhren wurden immer teurer für die Abnehmer in den anderen Ländern. Die SNB begann deshalb ihrerseits, Franken in Euro zu tauschen, um einen Mindestkurs für die europäische Gemeinschaftswährung bzw. einen Höchstkurs für den Franken zu erreichen.

Die Euro-Krise selbst ist zwar mittlerweile beigelegt, doch ändert dies nichts daran, dass der Franken nach Aufgabe der Kurspolitik sofort drastisch in die Höhe schiessen würde. Durch die Zinspolitik der EZB ist es für die Anleger im Euro-Raum nicht mehr lukrativ, hier ihr Geld zu deponieren. Sie würden deshalb gerne in die Schweiz wechseln. Die SNB kann aus diesem Grund erst aus den laufenden Programmen aussteigen, wenn es sich wieder lohnt, in der Euro-Zone zu investieren.



 

Oberstes Bild: © Jorg Hackemann – Shutterstock.com


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