Schon mal in den Spiegel geschaut? Selbstreflexion als Instrument zur Steigerung der Produktivität

02.06.2014 |  Von  |  Selbstmanagement
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Schon mal in den Spiegel geschaut? Selbstreflexion als Instrument zur Steigerung der Produktivität
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Haben Sie heute schon in den Spiegel geschaut? Nein, nicht in den Badspiegel und auch nicht in den grossen Spiegel im Flur. Gemeint ist hier die Selbstreflexion, also eher die Betrachtung der eigenen Arbeitsweise als die von Äusserlichkeiten.

Forschungen haben erneut unter Beweis gestellt, dass eine Reflexion der eigenen Arbeit durchaus dazu geeignet ist, die Produktivität zu steigern. Dabei geht es vor allem darum, die eigene Herangehensweise an Problemstellungen zu überprüfen und dabei zu erkennen, was gut funktioniert und was hinderlich bei der Lösung von Aufgaben und Problemen ist. Im zweiten Schritt lassen sich dann ähnliche Aufgaben unter Berücksichtigung der Erkenntnis aus der Selbstreflexion viel effizienter lösen.



Der Ansatz des Problems

Im Arbeitsalltag sind wir versucht, anstehende Aufgaben möglichst schnell zu lösen. Nach der einen erfolgreich gelösten Arbeitsaufgabe folgt die nächste und so fort. Werden wir mit einer Arbeit schneller fertig, bleibt Zeit für neue Aufträge. So entwickelt sich nach und nach eine Routine, in der wir letztlich immer das Gleiche auf dieselbe Art und Weise tun. Irgendwann stellen wir oder andere fest, dass diese Art der Arbeit nicht mehr ausreicht und die Arbeitsergebnisse auch eher zu wünschen übrig lassen. Das mittlerweile selbstlaufende Hamsterrad wird zur Falle für Entwicklungen, und neue Ideen bleiben einfach auf der Strecke, weil sie nicht in die altgewohnte Arbeitsweise passen.

Auf diese Weise werden Innovationen in der eigenen Arbeit und im Unternehmen allgemein unmöglich, über kurz oder lang droht der Verlust an Entwicklungsfähigkeit, die für jedes Unternehmen unabdingbar ist. Eine nicht reflektierte Arbeitsweise ist also oftmals der Grund dafür, dass wichtige Entwicklungen versäumt werden und das Unternehmen auf der Stelle tritt.

Eigenreflexion braucht Zeit



Oftmals ist ein vorgeblicher Zeitmangel der Grund dafür, dass eine Selbstreflexion der Arbeit nicht stattfindet. Viel zu sehr ist man in den Arbeitsrhythmus eingespannt, und für die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit bleibt vermeintlich keine Zeit.

Die Zeit für die Spiegelung der eigenen Arbeitsweise sollte man sich aber in jedem Fall nehmen. Das muss nicht nach jedem Arbeitsschritt sein, sollte aber dennoch mit einer gewissen Regelmässigkeit geschehen. Wichtig für eine gelingende Selbstreflexion ist ein gewisser Abstand zur Arbeit. Aus diesem lassen sich die Arbeitsergebnisse genauso entspannt betrachten wie die Wege, die zu diesen Arbeitsergebnissen geführt haben. Sie sollten also gewissermassen immer wieder kleine Auszeiten zur Selbstreflexion einplanen.

Neben der erforderlichen Zeit ist es auch wichtig, die Ergebnisse der Eigenreflexion in einer geeigneten Form festzuhalten. Sie sollten sich also Notizen dazu machen, was gut läuft und was Sie als verbesserungsfähig betrachten. Auf der Grundlage dieser Aufzeichnungen können Sie dann im nächsten Schritt eine neue Struktur zur künftigen Aufgabenlösung entwickeln.

Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. (Bild: Mi.Ti. / Shutterstock.com)

Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. (Bild: Mi.Ti. / Shutterstock.com)

Ehrlichkeit sich selbst gegenüber

Die eigene Reflexion von Arbeit und Ergebnissen bedarf eines hohen Masses an Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Jeder kleine Selbstbetrug verfälscht die Ergebnisse der Selbstreflexion und verleitet wiederum auf falsche Wege. Dann führt sich die falsch verstandene Selbstreflexion selbst ad absurdum.

Im Rahmen der Eigenreflexion kann man sich selbst gegenüber ruhig ehrlich sein. Immerhin muss ja im ersten Schritt keiner wissen, an welcher Stelle man selbst an sich oder seiner Arbeitsweise zweifelt. Beschönigungen spiegeln die Realität letztlich eben nicht wider und führen auch nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Also bleiben Sie sich selbst gegenüber besonders im Prozess der Eigenreflexion immer schön ehrlich! Nur so kommen Sie zu den Erkenntnissen, die Sie letztlich in der Arbeit weiterbringen und so auch Ihr gesamtes Leben nachhaltig beeinflussen können.

Halten Sie auch Ihre Mitarbeiter zur Selbstreflexion an



Wenn Sie als Führungskraft Verantwortung tragen, dann auch bezüglich der Arbeitsergebnisse Ihres Bereiches. Deshalb lohnt es sich, die Eigenreflexion nicht nur für sich selbst zu beanspruchen. Geben Sie auch Ihren Mitarbeitern Zeit und Gelegenheit, im Arbeitsalltag innezuhalten und die eigene Arbeitsweise selbst zu reflektieren. Schnell werden Sie die positiven Auswirkungen dieser Eigenreflexion vor allem auf die Steigerung der Produktivität erkennen.

Damit eröffnen Sie in Ihrem gesamten Verantwortungsbereich völlig neue Möglichkeiten einer effektiveren Arbeit mit wesentlich weniger Aufwand. Dass dabei die Eigenreflexion in aller Regel effektiver ist als eine kritische Fremdreflexion, versteht sich für erfahrene Führungskräfte von selbst.

Die Ergebnisse einer Forschungs-Testreihe



Im Rahmen eines Forschungsprojektes zur Eigenreflexion wurden drei Gruppen von Probanden gebildet. Die Teilnehmer der Gruppe 1 wurden ständig hintereinanderweg mit Aufgabenstellungen konfrontiert. War eine Aufgabe erledigt, folgte sofort die nächste und so weiter.

Die Gruppe 2 war angehalten, nach jeder Aufgabe kurze Notizen darüber anzufertigen, wie diese gelöst wurde. Erst dann ging es an die Erfüllung der nächsten Aufgabe. Hier fand also nach jeder Lösung eine kurze Selbstreflexion statt.

Gruppe 3 sollte diese Notizen so fassen, dass sie auch als Hinweise zur Aufgabenlösung für andere Probanden taugen könnten. Auch hier fand jeweils nach einem Arbeitsabschnitt eine Eigenreflexion statt, die allerdings auch direkte Wirkungen auf andere haben sollte.

Die Leistungen der Gruppe 1 wurden als Standard mit 100 % bewertet. Demnach waren die Teilnehmer der Gruppen 2 und 3 um jeweils durchschnittlich 18 % produktiver als die der Gruppe 1. Und das, obwohl hier auch Zeit für die Eigenreflexion benötigt wurde.

Einen Unterschied von Gruppe 2 zu Gruppe 3 gab es interessanterweise nicht. Es ist also erst einmal egal, ob die Selbstreflexion nur für den eigenen Gebrauch oder letztlich auch für Schlussfolgerungen für andere hergenommen wird. Letztlich führt die Selbstreflexion doch immer zu deutlich besseren Lösungsansätzen und so auch zu einer höheren Produktivität.



 

Oberstes Bild: © Niels Hariot – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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