So steigern Sie Ihre emotionale Intelligenz: vier Wege zu neuer Führungsqualität

12.05.2014 |  Von  |  Kommunikation, Organisation
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So steigern Sie Ihre emotionale Intelligenz: vier Wege zu neuer Führungsqualität
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Dass ein hoher EQ für Führungskräfte und Unternehmer eine essenzielle „Soft Skill“ darstellt, ist zwar nicht ganz unumstritten. Zugleich bewerten Mitarbeiter das Arbeits- und Führungsklima immer dort am besten, wo Manager und Projektleiter diese Eigenschaft – oder vielmehr das Bündel an Kompetenzen, die unter dem Sammelbegriff ‚Emotionale Intelligenz‘ zusammengefasst sind – mitbringen und auch bei anderen zu kultivieren versuchen.

Im Zuge der Diskussion um mehr Frauen in Führungspositionen ist das Thema EQ wieder besonders relevant geworden. Frauen wird meist grundsätzlich ein höherer EQ-Faktor eingeräumt – und wenn man ihren Führungsstil und Werteskalen betrachtet, ist dies sogar statistisch durchaus berechtigt. Tatsächlich zeigt die Emotionsforschung, dass Frauen tendenziell eher in der Lage sind, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen und sie bei anderen wahrzunehmen. Allerdings haben Männer die Fähigkeit, ihre Gefühle besser einer bestimmten, abgrenzbaren Situation zuzuordnen und sie nicht in andere Lebensbereiche ausufern zu lassen. Evolutionspsychologisch in jedem Fall unbestreitbar ist, dass Emotionen zu den primär treibenden Kräften unseres Verhaltens und unserer Zukunftsplanung gehören – ob wir wollen oder nicht.



Emotionen zu verleugnen oder durch eine Überbetonung quantifizierbarer, vernunftbasierter Strategien kontrollieren zu wollen, führt langfristig selten zum gewünschten Ergebnis. Sinnvoller ist es, emotionale Intelligenz als eine Strategie zu sehen, mit dieser wertvollen Ressource in uns und in anderen erfolgsorientiert umzugehen. Die Ergebnisse sind lohnenswert: Sie werden mit Stress besser zurechtkommen, Vertrauen aufbauen, intelligenter verhandeln, Risiken umfassender einschätzen und tragbare Geschäfte mit mehr Erfolg eingehen, ausgeglichenere Entscheidungen treffen und deutlich mehr Resilienz entwickeln. Die folgenden vier Übungen helfen dabei, Ihr EQ-Potenzial freizulegen und im Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern gewinnbringend einzusetzen.

1. Achtsamkeit pflegen

Emotional intelligente Menschen können ihre negativen Gefühle steuern. Dazu bedarf es einer trainierten Achtsamkeit. Deshalb steht am Anfang jedes EQ-Trainings die Entwicklung eines tieferen und umfassenderen Selbstverständnisses. Es ermöglicht, sich für die eigenen Gefühle zu sensibilisieren, sie zu erkennen und zu respektieren statt zu unterdrücken, zu verneinen und durch Vernunft auszuhebeln. Entwickeln Sie so etwas wie ein inneres Emotionsbarometer, das Ihnen hilft, eigene Gefühle zu registrieren, dann innerlich einen Schritt zurückzutreten und die Emotionen quasi zu befragen, welches Bedürfnis oder welche Erinnerung sie transportieren. Gefühle haben immer eine Funktion. Elementar ist, diese erkennen und dann entsprechend pro-aktiv reagieren zu können, statt sich von der Emotion passiv zur Handlung verleiten zu lassen. So verhindern Sie auch jene Situationen, in denen negative Emotionen Sie zu (Kurzschluss-) Aussagen oder Handlungen verleiten, die nachhaltig negative Konsequenzen haben können.

2. Antennen ausfahren



Unsere Spiegelneuronen sorgen dafür, dass Emotionen hochansteckend sind. Dies gilt für positive wie negative Gefühle. Nur wenn Sie Letztere bei anderen sehr schnell wahrnehmen und richtig einschätzen können, schützen Sie sich davor, von Ihnen mitgerissen zu werden. Daher auch der Ausspruch, jemand verbreite schlechte Stimmung. Dies ist in den seltensten Fällen eine bewusste Handlung; vielmehr nehmen andere schlicht die gesendeten Signale auf und internalisieren sie – anders war in früheren Zeiten eine schnelle Gruppenreaktion auf ein bedrohliches Ereignis nicht realisierbar.



Emotional intelligente Menschen reagieren nicht mehr unbewusst intuitiv auf die Reaktionen ihrer Gegenüber, sondern bewusst und konstruktiv. Sie sind in der Lage, sich abzugrenzen, ohne dabei an Empathie zu verlieren. Häufig kommen sie einem negativen Ausbruch oder einer undiplomatischen Aussage zuvor, weil sie gelernt haben, die Emotionen ihres Gegenübers in winzigen Anzeichen zu erkennen und adäquat zu reagieren. Dieser EQ-Aspekt lässt sich durch das Studium jener Mikroprozesse (facial micro expressions) trainieren, die in Mimik und Gestik emotionale Stadien ausdrücken. Es gibt hierzu inzwischen eine Vielzahl wissenschaftlich fundierter Literatur.

Empathie entwickeln. (Bild: Alexander Raths / Shutterstock.com)

Empathie entwickeln. (Bild: Alexander Raths / Shutterstock.com)

3. Empathie entwickeln



Die Fähigkeit, sich in die Gefühlswelt eines anderen Menschen zu versetzen und dessen nach aussen vielleicht paradox wirkende Handlungen nachzuvollziehen, ist eine der zentralen Fähigkeiten emotional intelligenter Menschen. Ihr Training bedarf viel Geduld, weil es sich um einen mental sehr komplexen Prozess handelt. Üben Sie diese Fähigkeit ganz bewusst, indem Sie sich grundsätzlich bei Teamkollegen oder Mitarbeitern fragen, was diese motiviert, wie sie sich selbst und andere sehen, wie sie ihre Situation einschätzen und ihre Rolle und Position im Unternehmen – und wie Sie handeln würden, wenn dieselben Parameter auf Sie zutreffen würden. Dies hilft Ihnen, eine Sprache und die Argumente zu finden, welche andere dort abholen, wo sie sind. Je schneller und präziser Sie sich in andere Menschen hineinversetzen können, desto teamfähiger werden Sie, können Vertrauen aufbauen und damit Ihre Anliegen besser mitteilen und durchsetzen.

4. Emotionale Auszeiten nehmen

Emotionale Intelligenz bedeutet auch, die eigenen Grenzen zu kennen. Die meisten Konflikte und Missverständnisse am Arbeitsplatz entstehen, weil gefühlsbetonte Situationen nicht entschärft, sondern befeuert wurden. Entwickeln Sie für sich einen „Notfallplan“. Diesem folgen Sie sofort, wenn negative Emotionen Ihnen den Blick auf das Wesentliche verstellen. Er kann sie auf die Schnelle davor bewahren, zwischenmenschliche Fehler zu begehen, die irreversibel sind.

Eine Methode ist die Bauch- oder Zwerchfellatmung. Es gibt inzwischen zahlreiche medizinische Studien über die erstaunliche Wirkung dieser Technik auf neuronale Vorgänge. Vor allem der für instinktive, kurzgeschaltete, vegetative Reaktionen und die Entstehung von Angst verantwortliche Teil unseres Gehirns, die Amygdala, wird durch nur zehn tiefe Atemzüge wieder soweit beruhigt, dass wir auf reflektiertes Denken zurückschalten können. Diese Methode lässt sich sogar während Gesprächen und Meetings oder in den kürzesten Pausen praktizieren, wirkt aber am besten an der frischen Luft – nicht umsonst wird ein Spaziergang auch mit „sich den Kopf durchpusten lassen“ beschrieben. Ebenfalls extrem wirkungsvoll: Lachen – gerade, wenn Sie sich nicht danach fühlen. Der rein physische Akt lässt Glückhormone in Ihr Gehirn strömen. Lachyoga-Sessions als motivierendes Event sind eine zunächst etwas esoterisch erscheinende, aber ungeheuer wirkungsvolle Methode, im Team wieder ein grundsätzliches, emotionales Gleichgewicht herzustellen.



 

Oberstes Bild: © Andrea Danti – Shutterstock.com


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