Die Akzeptanz der Mittelmässigkeit

06.05.2014 |  Von  |  Organisation
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Die Akzeptanz der Mittelmässigkeit
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Generell strebt jede Volkswirtschaft nach ständig neuen, nach Möglichkeit besseren Ergebnissen. Diesem weltwirtschaftlichen Druck ist auch die Schweizer Wirtschaft ausgesetzt. Dabei schneidet das Land im internationalen Vergleich durchaus gut ab und muss sich nicht hinter Wirtschaftsmächten wie Deutschland, einigen Schwellenländern oder der USA verstecken. Dennoch gewinnt man den Eindruck, dass Mittelmässigkeit das Mass der Dinge ist. Warum sich das so darstellt, beleuchte ich in folgendem Beitrag.

Durchschnittlichkeit ist relativ



Der Ruf nach hochqualifizierten Fachkräften wird lauter, Spezialisierung, die Konzentration auf Erfolg und eine konsequente Markenführung bestimmen die Arbeit in vielen, teils international agierenden Unternehmen. Studiert man in den Personalabteilungen jedoch die aktuellen Bewertungen der Mitarbeiterleistung, dann scheint eher das Mittelmass das Zepter zu schwingen. Das erscheint zunächst verwunderlich, relativiert sich aber dann, wenn Anspruch und Wirklichkeit miteinander ins Verhältnis gesetzt werden.

Anspruch und Wirklichkeit

Wer sich mit den Stellenausschreibungen und Stellenbeschreibungen der Unternehmen beschäftigt, wird schnell feststellen, dass hier fast ausnahmslos ein Höchstmass an individuellen und fachlichen Eigenschaften gefordert wird. Folgt man dem Tenor dieser Anforderungsbeschreibungen, dann sollten letztlich nur die besten und erfahrensten Bewerber eine Chance auf eine Einstellung haben.

Dass dem nicht so ist, beweist der Blick in die Belegschaft der Unternehmen. Hier treffen ausgewiesene Spezialisten auf gut ausgebildete Facharbeiter. Mehr oder minder erfahrene und teils hervorragend ausgebildete Führungskräfte gehören ebenfalls zum Mitarbeiterstamm, wie der eine oder andere angelernte Hilfsarbeiter. Ältere Arbeitnehmer mit teils jahrzehntelangen Erfahrungen treffen auf Berufseinsteiger. Am Ende präsentiert sich hier ein bunter Mix aus Bildungsvoraussetzungen, Erfahrungen, Grundeinstellungen und Kompetenzen.



Der Anspruch der Unternehmen auf die jeweils besten Mitarbeiter offenbart sich letztlich als eine Mittelmässigkeit, die jedoch keineswegs unnormal ist. Letztlich sind die Ansprüche aus der Stellenausschreibung und der Stellenbewertung meist deutlich höher als die tatsächlich erwarteten Leistungen.

Was bedeutet Mittelmässigkeit?

Zunächst klingt Mittelmass ja nicht gerade berauschend. Allerdings kommt es hier sehr darauf an, woraus sich das Mittelmass bestimmt. Je höher die Ansprüche an die Spitze werden, desto weiter oben siedelt sich dann auch das Mittelmass an. Bricht man Mittelmässigkeit auf die gängigen Schulnoten herunter, dann würde das bedeuten, dass in diesem Status im Allgemeinen die Anforderungen erfüllt werden. Mindestens das ist es auch, was Unternehmen von ihren Beschäftigten erwarten. Nämlich, dass die tatsächlichen Anforderungen an die Ausfüllung einer Arbeitsaufgabe auch erfüllt werden.

Aus dieser Sicht ist Mittelmässigkeit also nichts Verwerfliches, sondern eher ein Zustand der Normalität, aus dem letztlich nur wenige Beschäftigte nach oben ausbrechen. Hier unterscheidet sich auch die Spitze vom Durchschnitt.



Das Mittelmass bleibt dynamisch

Wer jetzt glaubt, dass er sich auf seinem Schreibstuhl bequem in der Mittelmässigkeit zurücklehnen könne, der irrt. So, wie sich die Ansprüche an den Erfolg eines Unternehmens dynamisch ändern, verändert sich auch das, was wir hier als Durchschnittlichkeit bezeichnen.

Ein gutes Beispiel dafür liefert die Entwicklung der Computertechnik. Was vor wenigen Jahren in diesem Segment noch Mittelmass war, ist heute fast schon Schrott. Und was dazumal noch Spitze war, ist heute gewohnte Normalität. Gerade in Zeiten, in denen die Entwicklung in Wissenschaft, Technik und Produktion so manchem Unternehmen regelrecht vorauseilt, ist eine dynamische Anpassung der Anforderungen unverzichtbar.

Diese Entwicklung macht es erforderlich, dass jedes Unternehmen ständig hinterfragt, wo sich die Leistungen einordnen lassen und wie die nächsten Schritte der Entwicklung aussehen können. Dementsprechend verändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter, was teils zu tiefgreifenden Veränderungen in der gesamten Unternehmensstruktur führen kann.

Der Entwicklung nicht davonlaufen. (Bild: Sergey Nivens / Shutterstock.com)

Der Entwicklung nicht davonlaufen. (Bild: Sergey Nivens / Shutterstock.com)

Der Entwicklung nicht davonlaufen

Wer vor den steten Veränderungen die Augen verschliesst oder jene schlichtweg ignoriert, wird im wirtschaftlichen System letztlich zu den Verlierern zählen. Der Entwicklung kann man nicht davonlaufen, sie muss gestaltet werden. Dazu bieten sich unterschiedliche Wege an.



Der scheinbar einfachste Weg ist das Austauschen von Mitarbeitern. Der Ersatz weniger qualifizierter Mitarbeiter durch neue, besser ausgebildete Beschäftigte erscheint recht einfach zu sein. Allerdings bringt dieser Schritt, im grossen Massstab vollzogen, auch einige Gefahren. So wird durch die ständige Umbesetzung in den Bereichen eine grosse Unsicherheit und Unruhe in die Belegschaft kommen. Letztlich werden auch alle im Betrieb ausgeprägten Attribute einer gesunden Unternehmenskultur infrage gestellt werden.

Ein praktikabler Weg, der Entwicklung gestaltend zu begegnen, ist eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung der Beschäftigten entsprechend der von ihnen ausgeübten Funktion. So bleiben die betreffenden Mitarbeiter immer dicht am aktuellen Stand der Entwicklung und können den dynamischen Veränderungen mit einer eigenen Entwicklung begegnen. Allerdings können nicht alle Beschäftigten diesen Schritten folgen. Hier wird im Einzelfall doch die eine oder andere personelle Massnahme notwendig sein, die letztlich aber nicht immer mit einer Kündigung einhergehen muss. So können auch Umbesetzungen der richtige Weg sein.

Mittelmässigkeit richtig bewerten

In der Quintessenz zeigt sich, dass die oftmals verschmähte Mittelmässigkeit ein durchaus normaler Zustand ist, sofern diese Durchschnittlichkeit nicht in eine noch schlechtere Position führt. Das kann verhindert werden, indem erfolgsorientierte Unternehmen die Zeichen der Zeit verstehen und Ihre Ansprüche nicht nur an die Spitze, sondern auch an den erwünschten Durchschnitt kontinuierlich anpassen. Auf diesem Weg müssen natürlich alle Beschäftigten mitgenommen werden.



 

Oberstes Bild: © RTimages – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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