Alte Technik – na und?

04.05.2014 |  Von  |  Produkte

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Ein wahrer Technikwahn hat sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen in der Schweiz ergriffen. Ständig müssen neuere, vermeintlich bessere Maschinen und Anlagen in die Produktion integriert werden, das neueste Smartphone ist gerade noch gut genug und immer wieder wird Ausschau nach aktueller, noch besserer Technik gehalten. Doch gilt das Credo: Alte Technik muss nicht die schlechtere sein.

Oft wird bereits mit der vorhandenen Ausrüstung eine bedarfsgerechte Produktion gesichert. Aber oftmals gilt: Lieber “man hat” als “man hätte”! Mit all den Umstellungen, Neueinweisungen und anlagenbedingten Einarbeitungsphasen übernehmen sich Unternehmen manchmal nicht nur in Bezug auf die Kosten. Oftmals sind die Neuanschaffungen auch grundlos und entsprechen so gar nicht dem eigentlichen Anspruch des Unternehmens. Im Gegensatz dazu produziert eine Reihe von Betrieben noch mit vorsintflutlich erscheinender Technik auf traditionelle Art und Weise. Und das mit Erfolg.



Wann neue Technik erforderlich wird

Neue Maschinen, Ausrüstungen und Anlagen werden eigentlich erst dann erforderlich, wenn Produktionsprozesse zwingend umgestellt werden müssen oder die alten Anlagen in ihrer Funktion nicht mehr den Gegebenheiten entsprechen oder defekt sind. Die Umstellung auf neue Produkte, eine erhöhte Nachfrage am Markt, die fehlende Verfügbarkeit von notwendigen Verschleiss- und Ersatzteilen oder gesetzliche Regelungen können ein zwingender Anlass sein, ältere Ausrüstungen ausser Betrieb zu nehmen und durch neue zu ersetzen. Auch die Steigerung der Produktqualität und die Erhöhung der Arbeitssicherheit können Gründe für teure Neuanschaffungen sein. Darüber hinaus gibt es kaum nachvollziehbare Beweggründe, einen funktionierenden Maschinenpark oder Teile davon auszumustern. Hier ist es oftmals ein falsch verstandener Drang nach Modernität, der viele Unternehmen zur Anschaffung neuester Technik treibt.

In der Folge werden nicht selten spezielle Schulungen der Mitarbeiter fällig, die mit der Arbeitsweise an den neuen Anlagen nicht vertraut sind. Das kostet Zeit und letztlich auch Geld. Beides könnte beim bestehenden Maschinenpark sinnvoller eingesetzt werden. Oftmals glauben Unternehmen auch, sich mit neuerer Technik zukunftssicherer aufzustellen. Das stimmt aber nur bedingt, da heute neue Maschinen in wenigen Jahren schon zum “alten Eisen” gehören können. Selbst dann, wenn sie noch immer zuverlässig ihren Dienst tun. Hier stellt sich die Frage, ob dieselbe Produktivität nicht auch mit einem leicht veralteten Maschinenpark möglich wäre.

Handwerksbetriebe zeigen, wie es geht

Sicherlich gibt es Produktionsbereiche, in denen die Technik stets auf dem neuesten Stand gehalten werden sollte. Allerdings betrifft das nur wenige Segmente des gesamten Schweizer Marktes. Die meisten Unternehmen können auch mit einem bewährten Maschinenpark problemlos weiterarbeiten, zumal häufig die wirklichen Kapazitäten längst nicht ausgeschöpft sind. Kleinere Handwerksbetriebe zeigen oftmals äusserst erfolgreich, wie das geht. So arbeiten beispielsweise viele Möbeltischlereien noch heute mit einem Maschinenpark, der zu grossen Teilen aus der Nachkriegszeit stammt. Nur einzelne, defekte Maschinen oder solche, für die keine Ersatzteile mehr verfügbar waren, wurden letztlich ausgemustert. Die Produktion läuft dennoch weiter in vollen Zügen und deckt die Nachfrage am Markt.



Auch Bäckereien und andere Unternehmen der Nahrungsmittelbranche arbeiten erfolgreich mit teils veraltet erscheinender Technik. Besonders dort, wo traditionelles Handwerk gefragt ist, wird sogar bewusst auf neue Maschinen und Anlagen verzichtet. Ähnliches ist im Bausektor, in der Forstwirtschaft und in der Landwirtschaft zu beobachten. Hier wird der Drang nach neuester Technik ausgebremst durch das bewusste Beharren auf erprobter Technik. Diese reicht für die Erfüllung der Produktionsaufgaben völlig aus.

Neue Besen kehren gut …



… und die alten wissen, wo der Dreck liegt. Diese Volksweisheit setzt sich auch überall dort durch, wo im Hinblick auf die Ausrüstung der Produktionsbereiche ein gesundes Augenmass eingehalten wird. Es muss nicht immer die neueste Technik sein, um bestimmte Produktionsprozesse erfolgreich zu bewerkstelligen. Auch in der metallverarbeitenden Industrie sind heute noch Anlagen aus der Zeit vor der Jahrtausendwende aktiv im Einsatz. Dabei kommt es selbstredend immer darauf an, welche technologischen Prozesse von Maschinen geleistet werden müssen. Ohne Frage gibt es Bereiche, in denen der Weg an neuer Technik kaum vorbeigeht. Zu beobachten sind solche Prozesse in der Pharmaindustrie, in der Montage komplexer Systeme und teils auch im Fahrzeugbau. Hier sind oftmals Neuausrüstungen erforderlich, die das Erreichen der Produktionsziele entsprechend dem Bedarf und aktuellen Stand der Technik ermöglichen.





Es gibt aber auch Unternehmen, die ganz bewusst auf moderne Technik verzichten und viele Produktionsprozesse in Handarbeit leisten. (Bild: Stokkete / Shutterstock.com)

Es gibt aber auch Unternehmen, die ganz bewusst auf moderne Technik verzichten und viele Produktionsprozesse in Handarbeit leisten. (Bild: Stokkete / Shutterstock.com)

Bewusst auf alt getrimmt

Es gibt aber auch Unternehmen, die ganz bewusst auf moderne Technik verzichten und viele Produktionsprozesse in Handarbeit leisten, selbst wenn es dafür Maschinen gibt. Das sind meist kleinere Traditionsbetriebe, die erfahren mussten, dass moderne Technik nicht immer die gute Wahl zur Sicherung einer individuellen Produktqualität ist. Handgenähte Schuhe beispielsweise werden eben per Hand und nicht mit einem Nähroboter genäht. Und wenn Hüte in althergebrachten Verfahren produziert werden, dann eben auch auf älteren Maschinen oder gar in handwerklicher Arbeit. Dabei entstehen längst nicht nur alte Hüte, sondern durchaus auch aktuelle Modelle.

Der Kampf Tradition gegen Moderne lässt sich nicht allein über den Maschinenpark ausfechten. Hier geht es vielmehr darum, was der Verbraucher will und ob diese Wünsche in jedem Fall auch mit ständig neuen Maschinen erfüllt werden können. Manchmal eben nicht!



 

Oberstes Bild: © Ryan Jorgensen – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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