Tradition vs. Moderne

11.04.2014 |  Von  |  Marketing, Produkte
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Tradition vs. Moderne
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Im Leben der einfachen Menschen, aber auch in der Wirtschaft spielt sich fast täglich die Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne ab. Gern lauschen wir den Erzählungen der Alten, wollen aber auch auf die Errungenschaften der heutigen Zeit nicht verzichten. Mit einer gewissen Wehmut erinnern sich Ältere an die vermeintlich (oder tatsächlich) guten alten Zeiten, während fast jeder heute dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt hinterherläuft.

Auch Unternehmen sind von diesem Spagat zwischen Tradition und Moderne betroffen. Und immer mit Folgen für das Produktportfolio und für die weitere Entwicklung.



Unternehmen mit Tradition

In der Schweiz gibt es sie zuhauf, die kleinen und grossen Traditionsunternehmen, die schon vor Generationen den Alltag im Alpenland geprägt haben. Denken wir nur an die zahlreichen familiengeführten Landwirtschaftsbetriebe, die kleinen Brauereien oder an solche Unternehmen wie Ricola, Valser oder Lindt. Auch eine grosse Menge an Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben ist schon älter als ein Menschengedenken. Aber auch jüngere Unternehmen setzen ganz auf Tradition, indem sie sich auf bewährte Produkte, traditionelle Rohstoffe und überlieferte Produktionstechniken stützen.

Was allen diesen Unternehmen gleich ist, ist das Festhalten an erfolgreichen Produkten und Leistungen, die für eine Region typisch und manchmal auch einzigartig sind. Dennoch kommen auch solche Traditionsunternehmen an modernen Entwicklungen nicht vorbei. Ob es dabei um das Marketing, neuartige Produktionsmethoden oder um den Einsatz verbesserter Technik geht, bleibt immer im Ermessen der Betriebe selbst und wird vom Markt reflektiert.

Ein Silicon Valley in der Schweiz

Auf der anderen Seite ist die Schweiz natürlich auch ein durchweg moderner Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Hier wird geforscht, neue Produkte werden entwickelt und auch in Bezug auf die Produktionsverfahren kommt aus der Schweiz immer wieder ein frischer Wind. Dabei werden die Forderungen nach einem Silicon Valley in der Schweiz nicht leiser. Viele Experten sehen gerade die Schweiz als einen hervorragenden Standort für die Entwicklung revolutionärer Produkte und Leistungen.



Hier keimt der Wettstreit zwischen Tradition und Moderne so richtig auf. Dabei werden oftmals verbale und teils auch greifbare Auseinandersetzungen geführt, die nicht selten für Unruhe auch in der regionalen Bevölkerung sorgen.

Gewinner oder Verlierer – der Markt bestimmt

Wer in der Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne letztlich der Sieger bleiben wird, kann so nicht gesagt werden. Beide Ausrichtungen haben ihre Berechtigung und gehören untrennbar zum Wirtschaftssystem in der Schweiz. Hier kommt es immer darauf an, welche Bedürfnisse die Unternehmen wecken und befriedigen. Besonders auf althergebrachten Traditionen aufgesetzte Bedürfnisse müssen nicht neu entwickelt werden, sie sind tief in der Lebensweise verankert und müssen oftmals nur neu definiert werden.

Anders verhält es sich bei neuartigen Produkten und Leistungen. Hier ist ein viel grösserer Aufwand erforderlich, um Bedürfnisse zu entwickeln, zu wecken und letztlich Wege zur Befriedigung dieser Bedürfnisse zu schaffen. Im Vorfeld der Produktion und Vermarktung stehen umfangreiche Entwicklungsarbeiten, die nicht selten auch erst über Irrwege zum gewünschten Ergebnis führen. Immerhin soll hier ein noch nicht klar definierter Bedarf befriedigt werden. Diesen gilt es in der Wunschstruktur der potenziellen Kunden erst einmal zu schaffen. Ist der Bedarf dann einmal da, dreht sich alles um die Befriedigung der Interessen der potenziellen Kundschaft.

Beide Wege haben Grenzen



Wer einseitig auf Tradition setzt, engt sein Marktsegment genauso ein wie jene, die ganz auf Moderne bauen. Beide Ausrichtungen haben ihre Berechtigung, immer aber auch nur eine klar umrissene Zielgruppe. Schon hier ergeben sich erste Grenzziehungen in der wirtschaftlichen Potenz der betreffenden Unternehmen.



Eine weitere Grenze setzen die Produktionsmöglichkeiten selbst. So sind traditionelle Produkte und Leistungen immer auch auf überlieferte Rezepte, Rohstoffe und Erfahrungen angewiesen. Moderne Produkte bedienen meist einen schnelllebigen Markt, der nicht selten zügig wieder abebbt. Gerade hier ist eine ständige Weiterentwicklung und gegebenenfalls auch Neuausrichtung erforderlich.

Hier zeigt sich, dass beide Wege hervorragende Chancen, aber auch teils eng begrenzte Vermarktungsmöglichkeiten eröffnen. Dazu kommt, dass die meisten Menschen weder nur mit althergebrachten Produkten noch nur mit der modernsten Entwicklung konfrontiert werden wollen. Irgendwo schlummert in fast jedem die Sehnsucht nach vermeintlich sicherer Tradition und zugleich nach spannenden neuen Entwicklungen. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen.

Verbindungen schaffen

Gut fahren die Unternehmen, denen es gelingt, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Damit wird nicht nur der potenzielle Kundenkreis erweitert, auch Ressentiments gegenüber bewährten Produkten oder neuen Entwicklungen lassen sich so am besten abbauen. Viele Unternehmen haben die Chancen dieser Verbindung erkannt. So werden beispielsweise langjährig bewährte Produkte mit neuen Produktionsverfahren hergestellt oder traditionelle Vermarktungswege bringen neue Entwicklungen direkt zum Kunden.

Lohnend ist es allemal, Verbindungen zwischen Tradition und Moderne aufzuspüren. Immerhin sind Kunden letztlich Menschen, die nicht nur über einen eigenen Erfahrungshorizont verfügen, sondern auch von der elterlichen Erziehung bestimmte Traditionen und Verhaltensweisen gern mit in das eigene Leben übernehmen. Wer als Unternehmer diesen Fakt erkennt und für sich ausnutzt, stellt nicht die Frage nach dem Ergebnis der Auseinandersetzung Tradition vs. Moderne. Vielmehr wird er dann nach Gelegenheiten suchen, das eine mit dem anderen zu verbinden.




 

Oberstes Bild: © xtock – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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