Hochschulabsolventen: Minuspunkte, wenn die Praxis fehlt

18.04.2014 |  Von  |  Organisation
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Hochschulabsolventen: Minuspunkte, wenn die Praxis fehlt
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Die Grundlage für gute Karrierechancen wird während des Studiums gelegt – eine Binsenweisheit. Allerdings geht es dabei nicht nur um akademisches Wissen und die Theorie. Die Unternehmen wünschen sich Bewerber, die aus der Hochschule bereits mit Praxiserfahrung zu ihnen kommen.

Studierende, die sich nicht um anspruchsvolle Praktika bemühen, sind bei der Jobsuche später klar im Nachteil. Die Firmen selbst wissen am besten, welche Bewerber sie sich wünschen, und haben verschiedene Programme aufgelegt, um Studierenden ein „Training on the job“ zu bieten.



Die Firmen gehen davon aus, dass sich Kandidaten mit Arbeitserfahrung viel schneller in die internen Arbeitsabläufe integrieren und leichter in neue Prozesse und Themen einarbeiten. Auch für Studierende bieten Praxiserfahrungen – idealerweise in verschiedenen Branchen und Unternehmen – eine wichtige Entscheidungsgrundlage dafür, in welchem Berufsfeld und Wirtschaftszweig sie sich perspektivisch wirklich sehen.

70 % des Lernens erfolgen in der Praxis

Trotzdem haben Praktika für viele Studierende allenfalls nachrangige Priorität. Viel wichtiger ist ihnen, das Studium so schnell wie möglich abzuschliessen und ihren Berufseinstieg erst danach zu planen. An den Wünschen der Unternehmen geht die Idee des „schnellen Studiums“ jedoch vorbei. Für die Personalverantwortlichen sind erste praktische Erfahrungen jedoch oft ein entscheidendes Kriterium, um einen Bewerber einzustellen.

Die Wissenschaftler Michael M. Lombardo und Robert W. Eichinger vom US-amerikanischen Center für Creative Leadership bestätigen diese Sicht. Ihre 70-20-10-Regel besagt, dass 70 % des Lernens in einem Praxis-Kontext respektive „on the job“ erfolgten. Der Austausch mit anderen Personen – beispielsweise durch Mentoring oder Coaching – stehe für weitere 20 % des Transfers von Wissen, aus formalem Lernen resultierten dagegen nur 10 %.



Universitäten und Fachhochschulen – Fokus auf formalem Lernen

Universitäten und Fachhochschulen fokussieren sich dagegen auf den formalen Part und stossen oft schon beim Lernen durch interpersonellen Austausch an ihre Grenzen. Der Wissenstransfer durch Mentoring und Coaching findet in grösserem Umfang nur an kleineren Bildungseinrichtungen mit einer geringen Anzahl von Studierenden statt. Der Grad des Praxisbezuges unterscheidet sich auch je nach Fachbereich. In Fächern wie Finanzen und Betriebswirtschaft wird das Sammeln praktischer Erfahrung schwierig – auch deshalb, weil die Anzahl der Studierenden hier sehr gross ist und Möglichkeiten für praktische Übungen in den Seminaren nur begrenzt gegeben sind.

Praktika – gut für Arbeitserfahrungen, Karriereplanung und Mentorship-Kontakte

Um durch Arbeitserfahrungen ein komplexes Berufs- und Wissensprofil auszuprägen, müssen sich Studierende daher um weitere Lernorte neben den Bildungseinrichtungen bemühen. Der klassische Weg dafür sind Praktika, die meist zwischen vier und sechs Monate dauern. Sie bieten einen ersten Einblick in die Strukturen und Arbeitsbereiche eines Unternehmens. Von der Beschäftigung von Praktikanten profitieren im Übrigen auch die Firmen – viele Studierende bringen aktuelle Wissensstandards mit und sorgen für grössere Nähe zum akademischen Bereich.

Für die Studierenden sind mehrere Praktika in unterschiedlichen Unternehmen empfehlenswert. Hierdurch haben sie die Chance, das für sie infrage kommende Angebot an potenziellen Arbeitgebern auszutesten und sich zu überlegen, in welche Richtung ihre Berufswahl und Karriereplanung gehen soll. Falls sie später von einer der Praktikums-Firmen übernommen werden, wird ihnen die Einarbeitungsphase deutlich leichter fallen. Zudem fliessen die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis oft auch in die Bachelor- oder Masterarbeit ein.



Zum Teil entwickeln sich in diesem Kontext auch echte Mentorship-Beziehungen zu einem oder mehreren Experten in der Firma. Zudem ist die Umwandlung des Praktikums in ein Arbeitsverhältnis als Werkstudent in vielen Fällen möglich.

Expertenworkshops – an den Hochschulen oder direkt in den Unternehmen

Zum Teil bietet die Wirtschaft Studierenden auch Workshops an, die meist einen halben oder ganzen Tag umfassen. Produktiv sind die Veranstaltungen vor allem dann, wenn sie sich auf Fallbeispiele aus der Praxis fokussieren. Die Studierenden erhalten dabei einen Einblick in Herausforderungen, die ihnen später im Beruf begegnen werden. Zum Teil finden solche Workshops sowie Vorlesungsreihen und Seminare mit Experten aus der Praxis an den Universitäten und Fachhochschulen statt, zum Teil werden sie auch direkt in die Unternehmen ausgelagert.



Optimal ist, wenn solche Angebote nicht punktuell erfolgen, sondern als regulärer Ausbildungsbestandteil in das Studium integriert sind. Auch für die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und den Anforderungen der Unternehmen sind solche Kooperationen interessant.

Praxisfälle – für Studierende die wertvollste Erfahrung

Die Einbindung von Studierenden in die Erarbeitung echter Praxisfälle ist seitens der Unternehmen bisher noch nicht sehr weitverbreitet – für die Studierenden bietet dieser Ansatz vermutlich die wertvollste Erfahrung. Entsprechende Angebote gibt es vor allem von Grosskonzernen sowie renommierten Unternehmensberatungen, die angesichts ihres permanenten Bedarfs an jungen High Potentials auch infrage kommende Kandidaten für offene Stellen testen wollen. Studierende, die sich dabei durch Wissen, Kreativität sowie Persönlichkeit behaupten, können für ihren Einstieg in die Arbeitswelt sehr oft mit lukrativen Angeboten rechnen.

KPMG International Case Competition – Premium-Event für angehende Berater 

Die Unternehmensberatung KPMG veranstaltet beispielsweise einmal jährlich ein internationales Event, bei dem Studierende zusammen mit erfahrenen Beratern Lösungsansätze für praktische Fragestellungen entwickeln und danach vor einem Experten-Gremium präsentieren. Die Aufgaben entsprechen realen Geschäftsfällen aus der Beratungstätigkeit. Die Beratungsfirma möchte dabei auch wissen, wie die potenziellen Junior-Berater im Team agieren und ob sie fähig sind, anspruchsvolle Aufgaben auch unter grossem Druck zu lösen. Die Sieger der nationalen Wettbewerbe reisen schliesslich zu einem grossen internationalen Finale.

In diesem Jahr findet das Finale der KPMG International Case Competition (KICC) in São Paulo/Brasilien statt. Teilnehmen werden 25 nationale Teams, darunter natürlich auch eine Schweizer Gruppe. Das KICC-Bewerbungsverfahren für das nächste Jahr startet im vierten Quartal. Bewerben können sich jeweils Vierer-Teams, deren Mitglieder an einer Schweizer Hochschule immatrikuliert sein müssen. Durch die Teilnahme erweitern die Studierenden ihren Erfahrungsschatz sowie ihr professionelles Netzwerk. Sie machen sich mit der KPMG-Unternehmenskultur vertraut und fügen ihrem Lebenslauf einen wichtigen Differenzierungsfaktor hinzu. KPMG übernimmt dafür die kompletten Reisekosten.



 

Oberstes Bild: © hxdbzxy – Shutterstock.com


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