Boreout – Wenn Unterforderung krank macht

11.04.2014 |  Von  |  Selbstmanagement
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Boreout – Wenn Unterforderung krank macht
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Unerledigte Aufgaben stapeln sich, das Telefon klingelt ständig und der Chef drängelt. Stressige Situationen kennen wir aus dem Arbeitsalltag zur Genüge. Doch was tun, wenn der Arbeitstag sich gähnend in die Länge zieht und wir uns wegen Unterforderung langweilen? Wenn ständiges Nichtstun krank macht, sprechen Experten von einem Boreout.

Unterforderung führt zu Interessenlosigkeit



Burnout ist in aller Munde: Dauerstress und Überarbeitung führen auf Dauer zu gesundheitlichen Schäden. Der Boreout ist das Gegenteil der ständigen Überforderung, hier fühlen Mitarbeiter sich auf Dauer unterfordert, langweilen sich im Job und verlieren das Interesse an ihrer Arbeit. Die Unzufriedenheit steigt stetig an. Ähnlich wie beim Burnout können beim Boreout Depressionen, psychosomatische Erkrankungen, Schlafstörungen und andere gesundheitliche Probleme auftreten.

Erstmals beschrieben die Schweizer Autoren Phillippe Rothlin und Peter R. Werder in ihrem Buch 2007 erschienen Buch „Diagnose Boreout“ die Folgen der Unzufriedenheit und Unterforderung im Job. Von ihnen stammt auch die Bezeichnung Boreout. 

Verschiedene Gründe können zu einem Boreout führen:

  • Der Arbeitnehmer ist unterfordert.
  • Der Arbeitnehmer ist desinteressiert, seine Aufgaben sind ihm gleichgültig.
  • Der Arbeitnehmer hat nichts zu tun und ist gelangweilt.

Strategien, um beschäftigt zu wirken



Wer erste Anzeichen entdeckt und in seinem Job nur sinnlos Papier von A nach B sortiert, sollte sich dringend neu orientieren. Viele Arbeitnehmer gehen bei wenig Arbeit dazu über, Arbeit vorzutäuschen. Sie überlegen sich Strategien, um ausgelastet zu wirken und stets genug zu tun zu haben. Freie Zeit überbrücken die Mitarbeiter mit privaten Beschäftigungen: Sie surfen ziellos durchs Internet, schreiben private Mails oder erledigen andere private Aufgaben. Wer auf Dauer nicht ausgelastet ist, wird jedoch immer unzufriedener und verliert seine Lebensfreude.

Die Schweizer Autoren beschreiben diese Strategie als paradox: Der Arbeitnehmer hat nicht viel zu tun, ist unzufrieden mit der Situation, täuscht aber dennoch vor, ausreichend zu arbeiten. Dauert die Situation über einen längeren Zeitraum an, schafft der Mitarbeiter es nicht, sich daraus zu befreien – eine Art Teufelskreis beginnt. Fehlende Erfolgsergebnisse führen zu weiterer Frustration des Mitarbeiters.

Wer über einen langen Zeitraum seine Arbeit vor sich herschiebt und eine Aufgabe möglichst lange und intensiv bearbeitet, gewöhnt sich möglicherweise an das langsame Arbeitstempo. Kommt es zu einer Stresssituation, ist der Mitarbeiter nicht mehr in der Lage, angemessen schnell zu arbeiten. 



Die meisten Arbeitnehmer schweigen, denn wer gibt in einer Leistungsgesellschaft schon gern zu, dass er sich dauerhaft unterfordert fühlt? Experten raten vor allem Vorgesetzten, Mitarbeiter genau zu beobachten: nicht nur im Hinblick auf eine Überarbeitung und einen möglichen Burnout, sondern auch mit Blick auf eine ständige Unterforderung. Vor allem auffälliges Verhalten wie Desinteresse, Müdigkeit oder eine dauerhafte schlechte Stimmung können Alarmzeichen sein.

Bürojobs und Dienstleistungsbranche besonders betroffen 

Insbesondere bei Bürojobs besteht die Gefahr des Boreouts. Aktuellen Berichten zufolge sind vor allem Mitarbeiter in Verwaltungen und im Dienstleistungssektor betroffen. Ein Handwerker hat kaum die Möglichkeit, Beschäftigung vorzutäuschen, denn am Ende des Arbeitstages steht hier ein sichtbares Ergebnis: Hat der Dachdecker seine Arbeit nicht erledigt, ist das Dach bis zum Feierabend nicht gedeckt. 

Frühzeitig gegensteuern

Experten raten Betroffenen, frühzeitig gegenzusteuern, wenn sie bemerken, dass sie in ihrem Job unterfordert sind. Wer an chronischer Unterforderung leidet, sollte sich möglichst eine Woche lang alle anfallenden Arbeiten und deren Dauer notieren. Erster Ansprechpartner sollte der Chef sein, vielleicht lässt sich die Situation auf diese Weise schnell ändern. Eine betriebsinterne Versetzung oder die Übernahme weiterer Aufgaben können schnell Abhilfe schaffen. Eventuell ist eine Teilzeitstelle die Lösung: Der Mitarbeiter muss keine Zeit mehr im Betrieb „totschlagen“ und hat mehr freie Zeit für sich. Auf der anderen Seite verdient er natürlich auch weniger Geld.

Lässt sich die Situation nicht lösen, sollte der Betroffene sich Rat bei einem Facharzt suchen. Durch eine Weiterbildung erwirbt der Mitarbeiter Kenntnisse, die er bei neuen Aufgaben im Betrieb umsetzen kann. Helfen alle Massnahmen nicht, ist ein Jobwechsel in einigen Fällen der einzige Ausweg aus der Misere.

Zusätzliches Problem für die Betroffenen kann die angespannte Arbeitsmarktsituation in einigen Branchen sein: Überall werden Mitarbeiter wegrationalisiert – wer mag da schon zugeben, dass er nicht genug zu tun hat? Experten berichten, dass betroffene Mitarbeiter trotz ihrer Langeweile sogar noch Überstunden machen! 





Boreout bedeutet nicht faul! (Bild: Brian A Jackson / Shutterstock.com)

Boreout bedeutet nicht faul! (Bild: Brian A Jackson / Shutterstock.com)

Boreout bedeutet nicht faul!

Insbesondere für die Betroffenen ist es wichtig zu wissen, dass sie keinesfalls faul sind! Jeder Mitarbeiter kann von einem Boreout betroffen sein. Experten gehen davon aus, dass gerade leistungsbereite Angestellte unter dem Nichtstun leiden. Die Buchautoren Rothlin und Werder raten allen Mitarbeitern zu hinterfragen, warum sie in genau diesem Unternehmen arbeiten. Wer sich nicht mehr mit seinem Betrieb identifizieren kann und sich dauerhaft unglücklich fühlt, sollte über einen Jobwechsel nachdenken.

Wichtig ist es, die perfekte Balance zu finden: Um etwas zu erreichen, ist es entscheidend, sich realistische Ziele zu setzen. Wer sich in seinem Job unterfordert fühlt, sollte sich möglichst jeden Tag ein bestimmtes Ziel setzen: Welche Aufgabe erledige ich heute? Ziel des Tages sollte nicht sein, den Arbeitstag möglichst so zu verbringen, dass Kollegen und Vorgesetzte denken, man habe viel zu tun!



 

Oberstes Bild: © ollyy – Shutterstock.com

Über Andrea Hauser

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen zählen noch immer zu meinen Steckenpferden. Angetrieben durch die Lust, Neues zu entdecken, arbeite ich mich gern in unbekannte Themengebiete ein und lasse mich schnell begeistern.

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen zählen noch immer zu meinen Steckenpferden. Angetrieben durch die Lust, Neues zu entdecken, arbeite ich mich gern in unbekannte Themengebiete ein und lasse mich schnell begeistern.



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