Die gefährlichen Anleihen im Mittelstand

31.03.2014 |  Von  |  Finanzen
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Die gefährlichen Anleihen im Mittelstand
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Banken haben ihr Vertrauen nach der Wirtschaftskrise auch für Sie zunächst verspielt? Dann locken Unternehmen aus dem Mittelstand mit scheinbar lukrativen Anleihen. Hohe Zinssätze werden hier ebenso versprochen wie eine angebliche Sicherheit.

Dass es damit nicht weit her sein muss, wissen wir seit 2008. Warum der Handel mit den Mittelstandsanleihen trotzdem brummt – und warum Sie dennoch nicht einsteigen sollten – zeigt dieser Artikel.



Was sind Mittelstandsanleihen?

Hinter dem Begriff verbergen sich kleinere Unternehmen, welche hohe Zinsen für alle Geldanlagen versprechen. Der Grund dahinter ist eindeutig: Wenn sich diese Unternehmen auf herkömmlichem Wege über Kreditinstitute kein Geld beschaffen können, sollen es eben die privaten Anleger richten. Derzeit funktioniert dieses Rezept ganz gut: Die sehr schwachen Zinssätze, die von den meisten Banken angeboten werden, locken die potenziellen Anleger kaum. Wenn dann ein Angebot im hohen einstelligen Bereich auf dem Schreibtisch liegt, sehen einige Anleger bereits das grosse Geld vor Augen.

Einige Zahlen liegen dafür etwa aus Deutschland vor: Dort scheffelten 150 Unternehmen innerhalb von vier Jahren sechs Milliarden Euro. In der Schweiz wird ebenfalls gerne investiert – wenn auch im kleineren Massstab. Blind sollte allerdings niemand sein Geld in diese Unternehmen „versenken“, denn Pleiten gehören nicht nur bei den grossen Konzernen dieser Welt zum Tagesgeschäft.

Warum das Geld schnell verschwinden kann



Insolvenzen, drastische Kursrückgänge und unter Umständen auch externe Bedrohungen, gegen welche ein Unternehmen manchmal einfach machtlos ist, können den Traum vom ebenso sicheren wie schnellen Geld schnell wieder zerstören. Eigentlich ist das in der derzeitigen Wirtschaftslage paradox: Viele Unternehmen haben sich nach der Wirtschaftskrise wieder erholt, die Umsätze brummen, die Zinsen hängen für Geldanleihen recht niedrig.

Liquide Unternehmen sollten keine grossen Probleme haben, an Geld zu gelangen, wenn sie entsprechende Sicherheiten vorweisen können – und genau das ist das Problem: Viele Unternehmen wirtschaften einfach schlecht. Während die Experten von Banken dies genau beurteilen können, herrscht bei den Privatanlegern in der Regel weniger Fachwissen und Weitsicht. Neue Anleihen aus dem Mittelstand sind daher in der Regel sehr schnell wieder vergriffen. Vorrangig liegt das an folgenden Punkten:

„Banken sind böse!“

So oder so ähnlich argumentieren viele Unternehmen aus dem Mittelstand. Man wolle sich unabhängig von den angeblich undurchsichtigen Geschäften bewegen, sich von den dubiosen Machenschaften der Banker distanzieren. Andere Betriebe argumentieren, dass es derzeit schwierig wäre, Geld von Banken zu erhalten – was allerdings überhaupt nicht der Wahrheit entspricht. Es ist derzeit sehr einfach, an Geld zu gelangen, wenn hinter dem Unternehmen ein gewinnbringendes Konzept steckt. Wenn ein Unternehmen also berichtet, dass die Beschaffung neuer Gelder schwierig sei, lässt das viel eher Rückschlüsse auf die Firma selbst zu – und nicht die angeblich schwierigen Banken.



Die Sicherheit des Mittelstands

Banken handeln mit Geld, der Mittelstand verkauft „echte“ Produkte und ist daher für den durchschnittlichen Anleger greifbarer. Oft sind die Produkte aus Film, Fernsehen oder anderen Medien bekannt. Was der Anleger kennt, erweckt automatisch Vertrauen – denn wie kann ein Unternehmen Konkurs anmelden müssen, wenn es doch täglich in der Werbung zu sehen ist? Dieser Gedankengang ist natürlich falsch, denn im schlimmsten Fall – also einer drohenden Insolvenz – kann natürlich auch ein noch so schöner Name niemanden vor dem Untergang retten. Trotzdem ist es diese eingebildete Sicherheit, welche Anleger immer wieder zu Mittelstandsanleihen verführt.

Der Mittelstand ist nicht raffgierig…



… die Banken aber schon. Auch so lautet ein Urteil vieler Anleger. Da mittelständische Unternehmen viel Verantwortung übernehmen, geniesst das Wort Mittelstand an sich bereits einen sehr positiven Klang. Banken hingegen wirft man vor, die schnelle Rendite zu wollen und dabei – auf Kosten der Anleger natürlich – hohe Risiken einzugehen. Der Mittelstand ist also eher der nette Nachbar und nicht der sture Vermieter. Natürlich hat auch dieses Vorurteil nicht viel mit der Realität gemeinsam: Auch Banken sind selbstverständlich an einer langfristigen Arbeit in der Gewinnzone interessiert.

Schulden bekämpfen Schulden

Seriöse Unternehmen mit klaren Zielen nutzen Kapital von staatlichen oder auch privaten Anlegern in der Regel, um zu wachsen oder sinnvolle Investitionen zu tätigen, welche langfristig gewinnbringend eingesetzt werden können. Viele schlecht operierende Unternehmen aus dem Mittelstand nutzen neue Geldspritzen hingegen vor allem, um ältere Schulden zu bezahlen – ein System, das auf lange Sicht offensichtlich nicht funktionieren kann. Es kann daher nicht schaden, in Erfahrung zu bringen, wofür die zugesicherten Gelder überhaupt genutzt werden sollen. Wer an dieser Stelle bereits auf Erklärungsnöte seines Gegenübers stösst, sollte aufpassen.

Hohe Zinsen als temporäre Erscheinung. (Bild: StockThings / Shutterstock.com)

Hohe Zinsen als temporäre Erscheinung. (Bild: StockThings / Shutterstock.com)

Hohe Zinsen als temporäre Erscheinung

Momentan mögen sich beispielsweise 9 % Zinsen sehr gut anhören – aber vor gerade einmal fünf Jahren gab es auch grosse Banken, welche 6 bis 7 % angeboten haben. Erst die Folgen der Weltwirtschaftskrise sind also dafür verantwortlich, dass uns die jetzigen Zinsversprechen aus dem Mittelstand so beeindrucken – und entsprechend vorsichtig sollten sie bewertet werden.

All diese Fakten sollen natürlich nicht heissen, dass Mittelstandsanleihen generell eine schlechte Idee sind. Nur gilt es – wie bei allen Anlagen mit hoher Rendite – Vorsicht walten zu lassen, um nicht in längst insolvente Unternehmen einen hoffnungslos verlorenen Franken nach dem anderen zu investieren.



 

Oberstes Bild: © Vectomart – Shutterstock.com


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