Trendwende im Konsumerdenken – Eine Chance für mittelständische Unternehmen

31.12.2013 |  Von  |  Allgemein, Kommunikation

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Wer sich heute als kleines oder mittelständisches Unternehmen auf dem Markt behaupten möchte, muss gnadenlos wirtschaftlich denken. Der Preiskampf macht Arbeitnehmerzufriedenheit, Ehrlichkeit oder teure Qualitätsproduktion zu untragbaren Luxusgütern – könnte man meinen.

Der Unternehmensberater Oliver Marquardt zeigt eine überraschend andere Perspektive auf. Nach einer groben Bestandsaufnahme der Marktsituation lassen wir ihn im folgenden Artikel zu Wort kommen.



„Silent enim leges inter arma“ sagte der römische Politiker und Anwalt Cicero, als er 52 v.Chr. seinen wegen Mordes angeklagten Mandanten Titus Annios Milo verteidigte. Die Worte bedeuten in etwa „Unter den Waffen schweigen die Gesetze“ oder etwas salopp gesagt „Im Krieg ist alles erlaubt.“ Reflektiert man einige Ereignisse der letzten Zeit, drängt sich der Gedanke auf, dass es in der Geschäftswelt ähnlich zugeht. Es ist ein Kampf um Marktanteile und Gewinnmaximierung ausgebrochen in dem mittlerweile fast alles erlaubt zu sein scheint.

Preiskampf, Leistungsdruck und Konsumgesellschaft

Markante Beispiele aus der heutigen Zeit sind z.B. die wiederholten Berichte über schockierende Tierquälereien beim grössten deutschen Geflügellieferanten Wiesenhof oder Meldungen über Lohndumping, übertriebene Mitarbeiterkontrollen und permanenten Leistungsdruck bei den Discountern Lidl und Aldi sowie dem Versandriesen Amazon. Dokumentationen über Monopolbildungen bei genverändertem Saatgut, die kleinere Agrarunternehmen regelrecht im Würgegriff halten oder über den Verkauf von Pestiziden ins Ausland, die in Westeuropa keine Zulassung erhalten, verstärken diesen Eindruck noch. Dageben wirken andere bedenkliche Entwicklungen beinahe harmlos, wie die immer häufiger werdende Verlagerung von Geschäftsbereichen ins Ausland, um dort günstigere Löhne zahlen zu können oder die immer seltener werdenden unbefristeten Arbeitsverträge. Deutschland ist innerhalb der letzten Jahre in einigen Bereichen mehr und mehr zur „to-go und Wegwerfgesellschaft“ geworden – von Nachhaltigkeit, so scheint es, möchte man heute nur wenig wissen.

Perspektive der kleinen und mittelständische Unternehmen

Der Unternehmensberater Oliver Marquardt fasst die Situation aus der Perspektive von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in einem Artikel auf unternehmer.de wie folgt zusammen: „Durch die Entstehung von Oligopolen in wirtschaftlich gesättigten Bereichen wie beispielsweise der Automobil- oder Mineralölindustrie haben aufstrebende KMU kaum noch eine Chance, wenn es um Preisbildung und den Erwerb von Marktanteilen geht.“ Wie Marquardt weiter feststellt, herrscht in Wirtschaftszweigen ein “Verdrängungswettbewerb großer Konzerne“, der sich auf immer mehr Bereiche ausbreite mit der Folge, dass vor allem mittelständisch Unternehmen dem ungehemmten Bestreben nach Kapitalmaximierung zum Opfer fallen würden, „entweder im Zuge einer Übernahme oder durch schlichte Wettbewerbsunfähigkeit“.

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Werteorientierung: Nicht trotzdem sondern gerade deshalb

In einer solchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage erscheint es als mutiges Unterfangen, als Unternehmen neben der Wirtschaftlichkeit noch andere, werteorientierte Maxime zu verfolgen. Aber gerade darin bestehe die Chance für den Mittelstand, schreibt Marquardt: „In Zeiten (ökonomischer) Übersättigung bleibt letztlich nur, sich vom Angebot der breiten Massenproduktion abzuheben. Anders zu sein. Sei es durch die Produkte selber, gelebte ethische Werte oder eben beides.“

Und er sieht durchaus Anzeichen dafür, dass die Gesellschaft bereit ist, ethische Werte oder nachhaltige Geschäftskonzepte durch das Zahlen höherer Preise zu unterstützen. Beispielhaft nennt er das „expandierende Angebot nachhaltiger Energiekonzepte“ oder den relativ hohen „Anteil von Bio-Produkten in den Supermärkten“. Eine veränderte Gesinnung, weg von Grossprojekten und hin zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit sei auch die „grosse Bereitschaft der Bürger, gegen undurchsichtige Projekte wie Stuttgart 21 oder jüngst die Absage an Olympia 2022 per Volksentscheid aufgrund umweltpolitischer Bedenken.“

Trend zu mehr Nachhaltigkeit

Der obige Imagefilm von al Dente Entertainment und SIGMA für einen Obst- und Gemüsestand ist zwar eher als Werbung für al Dente und SIGMA gedacht, trifft aber den Zeitgeist recht gut. Konsumenten kaufen zunehmend bewusster und interessieren sich dafür, wie die Unternehmen, bei denen sie kaufen, mit ihren Angestellten umgehen und legen Wert auf persönliche und vertrauensvolle Beziehungen. Diesen Trend kann der Mittelstand für sich nutzen und durch eine werteorientierte Frimenphilosophie Vertrauen und langfristige Kundenbeziehungen aufbauen. „Die Philosophie eines Unternehmens [sollte] ganz klar auf eine ökologische und sozialverträgliche Produktion und Vermarktung sowie auf nachhaltige Qualität gelegt werden“, rät Marquardt. Auf diese Art und Weise könne man sich auch von der breiten Masse abheben – was in der heutigen Zeit der medialen Konsumentenüberfrachtung ein wichtiger Punkt ist, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus ist eine Trendwende im Denken der Konsumenten vor allem für kleine Unternehmen eine Chance, denn sie können ihre Firmenphilosophie weitaus schnell verändern als die grossen Konkurrenten mit ihren zahlreichen Entscheidungsträgern.



 

Oberstes Bild: © mibPhoto – Fotolia.com


1 Kommentar


  1. Oliver Marquardt

    Hallo Herr Haller.

    Vielen Dank für das Zitat! Hab das erst heute entdeckt. Schön, dass Sie sich dieses wichtigen Themas “Wirtschaftsethik” angenommen haben.

    Beste Grüße,
    Oliver Marquardt

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