Wenn Schweizer Wirte Sepp Blatter, die Fifa und die Uefa in die Knie zwingen

28.03.2014 |  Von  |  News
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Wenn Schweizer Wirte Sepp Blatter, die Fifa und die Uefa in die Knie zwingen
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Der Fussball ist in vielen Ländern Europas Volkssport Nummer eins. Da ist es nur natürlich, dass eine nicht unerhebliche Zahl an Personen oder Organisationen an den Events und Grossveranstaltungen wie Europa- oder Weltmeisterschaften verdienen will. Allen voran dabei die Uefa und die Fifa, die ihren Sitz in der Schweiz haben.

Doch dieses Bestimmen und „Abkassieren“ gefiel den Schweizern nicht – ganz besonders der Verband der Gastwirte, die GastroSuisse, war mit den nehmenden Händen der Verbandsgiganten im Fussball nicht einverstanden – und man zog nach der EURO 2008 vor Gericht. Und das mit durchschlagendem Erfolg: Schweizer Gastronomen haben die Fifa und die Uefa in die Knie gezwungen.



Freies Public Viewing in der Schweiz – die Schweizer Gastronomen freut es

Gehen wir in der Zeit zurück. Sommer 2008: Die Schweiz und Österreich teilen sich die Ausrichtung der Europameisterschaft, der EURO 2008. Alle Räume, auf denen öffentlich am Spielgeschehen per Public Viewing teilgenommen werden konnte, wurden zum „Staatsgebiet“ der Uefa. Wo eigentlich die Fans regieren sollten, regierten die Sponsoren des Events. So sorgten Sicherheitsfirmen dafür, dass die Fans, die guten Fussball sehen wollten, wie beim Betreten eines Flugzeugs durchsucht wurden. Essen und Getränke waren nicht autorisierte Waren. Selbst Radioanstalten, die mit mobilen Studios vor Ort waren – zum Beispiel am Zürcher Bellevue – wurden gezwungen auf Marken zu verzichten, die nicht als Partner der Uefa auftraten.

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Public Viewing in der Schweiz. (Bild: Augusto Cabral / Shutterstock.com)

Überall offene und fordernde Hände der Uefa



Nichts, was nicht von der Uefa lizenziert war und an dem die Uefa nicht mitverdiente, war gestattet. Der Veranstalter wollte volle finanzielle Teilhabe und Mitspracherechte. Damit war verbunden, dass die Veranstalter der sehr beliebten Public Viewings, wo Fans mit Fans feiern, Lizenzgebühren an die Uefa entrichten sollten. Das missfiel dem Verband der Gastwirte, der GastroSuisse, die nicht nur um ihre Autonomie bangte, sondern sich auch um Einnahmen geprellt sah. Ihr blieb nach der EURO 2008 somit nur noch der Gang vor die Gerichte – und der wurde nun, nach knapp sechs Jahren, gewonnen.

Uefa und Fifa haben kein Interesse an einem Bekanntwerden der Niederlage

Der Präsident der GastroSuisse, Klaus Künzli, jubelte in der Schweizer Presse folgerichtig: „Wunderbar. Uefa und Fifa dürfen jetzt keine Vorschriften in Richtung der Gastronomiebetriebe machen!“ Die Gerichte der Schweiz hatten diese Entscheidung bereits zum Jahresende 2013 gefällt – und das Ganze ohne grosses Aufsehen. Eine Ruhe, die der Uefa und im Jahr 2014 mit der kommenden Weltmeisterschaft in Brasilien ganz besonders der Fifa gefallen haben wird. So ein Urteil im WM-Jahr könnte – und wird wohl auch – Nachahmer-Nationen finden.

Natürlich spielt es ebenso eine Rolle, dass die beiden Verbände ihren Sitz wie die GastroSuisse in der Schweiz haben und es dadurch natürlich gleich doppelt wiegt, wenn man als Fussballgigant von den Schweizer Wirten in die Knie gezwungen wird. Somit sieht man zu, dass dieses Urteil quasi unter den Tisch gefegt wird – zumindest was die Lautstärke bei der Verbreitung angeht.



Der Erfolg der regionalen Anbieter in der Schweiz



Reto Preisig, Verantwortlicher der Brauerei Schützengarten aus St. Gallen, der nicht nur ein Schweizer Traditionsunternehmen leitet, sondern auch einer der primären Partner der Gastronomiebetriebe ist, freute sich. „Wir begrüssen diesen Entscheid ausdrücklich – gerade weil wir ein wesentlicher Partner der Gastronomen und der Organisatoren des Public Viewing sind. Es sprach auch bisher einfach nichts dafür, dass man den Gastronomen die Produktwahl vorgibt oder die mit Vorschriften hinsichtlich der Werbung gängelt. Ihren Betrag haben sie ja schon über die Gebühren, die an die Suisa abzuführen sind, geleistet.“

Erfolg mit leichten Wermutstropfen

Freut man sich in Winterthur und Zürich schon jetzt auf die Grossveranstaltungen, die von grossen Public Viewings begleitet werden, gibt es natürlich auch den einen oder anderen Wermutstropfen. So wurde diese Entscheidung, die gegen die Fifa und gegen die Uefa gefallen ist, im grossen Rahmen erst spät bekannt gemacht. Darum sind für einige Veranstalter die Eingabefristen fürs Public Viewing – in Zürich beispielsweise der 28. Februar 2014 – schon abgelaufen. Für Nachzügler, die auch noch von der Freigabe profitieren wollen, ist der Zug demnach abgefahren.

Und doch dürfen die Fussballfans der Schweiz sich freuen, denn umtriebige Unternehmen wie Rolf Hiltl haben rechtzeitig die Weichen gestellt. Bis zu 5’000 Schweizer Fussballenthusiasten können im Maag-Areal die WM 2014 in Brasilien geniessen – vorschriftsfrei seitens Fifa. „Wir hatten schon vor geraumer Zeit den Kontakt zur Fifa und dabei war für mich deutlich zu spüren, man würde mit den Public Viewings lockerer als bisher umgehen. Darum haben wir unsere Events im Maag-Areal frei geplant und das Hiltl Public Viewing wird ein grosses Fest.“

Auch Winterthur rüstet sich für die WM 2014 und das Public Viewing ohne Fifa-Mitsprache

In Winterthur wurde die Gerichtsentscheidung ebenso mit grosser Begeisterung aufgenommen. Die Winti-Arena jedenfalls bereitet sich gezielt auf ein grosses Happening vor, nachdem die privaten Veranstalter so gestützt und geschützt wurden. Gerade weil die privaten Veranstalter des Public Viewing nur von der reinen WM, aber eben nicht von den Sponsoren der WM profitieren, sehen sie den Einnahmen mit grosser Freude entgegen. Ohne eine allmächtige Fifa – und für spätere Events auch ohne die Allmacht der Uefa – lässt es sich weit besser planen. Und es wird lukrativer für die Veranstalter, die nun Geld verdienen, anstatt es zu verschenken.

Nun sind die Behörden sind in Alarmbereitschaft. Gerade nach Bekanntwerden des Gerichtsentscheids wird damit gerechnet, dass dort, wo die Anmeldefristen noch nicht abgelaufen sind, eine Vielzahl von Gesuchen fürs Public Viewing eingehen werden. Damit ist die lizenzlose Fussballfreude in der Schweiz gesichert – und wenn die Gerüchte stimmen, werden sich Gastronomen aus Österreich ein Beispiel an den wehrhaften Schweizer Wirten nehmen.



 

Oberstes Bild: © kojoku / Shutterstock.com


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