Verrechnet, verzockt, verplant – pleite!

22.03.2014 |  Von  |  Finanzen, Organisation

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In der Schweiz gab es im Jahre 2013 über 4500 Firmenpleiten. Und auch der Januar 2014 macht mit 468 Konkursverfahren die Situation nicht besser. Hoffnung bietet da der Anstieg der Firmenneugründungen, die im Jahr 2013 um drei Prozent höher ausfielen als 2012.

Betroffen von der Zahlungsunfähigkeit sind oftmals kleinere Unternehmen mit wenig Kunden und immer wieder auch Neugründungen. Die Ursachen für die Pleiten sind vielfältig, folgen aber oftmals dem gleichen Schema. Gerade Existenzgründer verrechnen sich oft bei den tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben, grössere Unternehmen verzocken sich bei den Prognosen und so mancher Unternehmer plant mit Zahlen, die es so gar nicht gibt.



Rechnungen, die nicht aufgehen

Viele Schweizer gehen den Schritt in die Selbständigkeit, weil sie einer drohenden Arbeitslosigkeit und dem Abrutschen in die Abhängigkeit von den Sozialwerken aus dem Weg gehen wollen. Andere erkennen ihre fachlichen Kompetenzen, aus denen sie jetzt endlich selbst Kapital schlagen wollen, wieder andere tun sich mit Gleichgesinnten zusammen, um neue Ideen zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu bringen.

Die Beweggründe für den Schritt in die Unternehmensgründung sind vielseitig. Ist die Idee einmal geboren, wird oftmals hastig an der Umsetzung gearbeitet. Businesspläne werden geschrieben, Finanziers gesucht, Grundstücke gekauft und Gebäude errichtet. Bei Einzelunternehmern wird auch mal schnell die Wohnung zum Geschäftsraum umfunktioniert. Allen Gründern gemeinsam sind ein ungebremster Tatendrang, ein eher niedrig ausgeprägtes Risikobewusstsein und der Drang nach dem schnellen Erfolg. Dabei werden oftmals schnelle Rechnungen aufgestellt, die mittel- oder langfristig so nicht funktionieren.

Besonders Existenzgründer, die selbst von wirtschaftlicher Not bedroht sind, rechnen bei der Kalkulation von Einnahmen und Ausgaben in erster Linie mit ihren eigenen Bedürftigkeiten. Ganz oben an steht dabei die Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes und die Versorgung der Familie. Auf diese Eckzahlen hin werden Kalkulationen für Leistungen und Produkte aufgestellt, die andere wichtige Parameter nur wenig berücksichtigen.



Auch eventuelle Ausfälle durch fehlende oder zu wenig Aufträge, das Ausbleiben von Zahlungen durch Kunden oder das Risiko der eigenen Krankheit werden gern ausgeblendet. So werden dann zwar oftmals Einnahmen generiert, die den eigenen Lebensunterhalt sichern könnten, wenn da nicht noch Steuern und Abgaben, Mieten, Materialeinkäufe, Versicherungen, Kreditzinsen und -tilgungen, eventuelle Mitarbeiterkosten und Zahlungsausfälle wären.

Wer die Rechnung von Beginn an auf sichere Füsse stellen will, plant nicht nur für sich selbst. Alle finanziellen Umgebungsvariablen einer wirtschaftlichen Unternehmensführung zuzüglich erforderlicher Rücklagen müssen schon frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Dann können Preise kalkuliert werden, die nicht nur die einfachen Einnahmen sichern, sondern auch die notwendigen Ausgaben für die Betriebsführung abdecken können. Es gilt also, schon in der Vorplanung an alle finanziellen Verpflichtungen zu denken, die mit einer Unternehmensführung einhergehen und dabei natürlich auch den bescheidenen eigenen Bedarf nicht zu vergessen. Wenn das Unternehmen dann mehr Gewinn abwirft als erwartet, kann das nur gut sein.

Verzockt und in den Konkurs gegangen

Nicht selten gehen Unternehmen sehenden Auges in den Konkurs. Besonders dann, wenn Auftragslage, Umsatz und Gewinn stimmen, neigen viele Unternehmen zum Zocken. Da wird eingekauft, was das Zeug hält, Prämien werden gezahlt, Preisvorteile vergeben und oftmals auch Anlagegeschäfte mit vermeintlich guten Optionen getätigt. Kurzfristig werden auch schon einmal Gelder umgelenkt, die eigentlich für Steuern oder andere Verpflichtungen bereitzuhalten wären.

Das Erwachen aus dem Traum vom ewigen Reichtum kommt dann schnell. Nämlich spätestens dann, wenn unvermittelt Aufträge oder Zahlungen ausbleiben und wichtige Verpflichtungen plötzlich nicht mehr bedient werden können. Dann rutschen einst erfolgreiche Unternehmen schnell in die Zahlungsunfähigkeit, da sich scheinbar plötzlich Mengen an Verbindlichkeiten auftürmen, die nicht mehr bedient werden können.

Wichtig bleibt es immer, Rücklagen zu bilden, die ausschliesslich für betriebliche Belange, dabei aber nicht für vermeintliche attraktive Zockergeschäfte eingesetzt werden. Mit solchen sicheren Rücklagen bleibt auch finanzieller Spielraum für weniger gute Zeiten.





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Ein weiterer Grund für viele Konkurse sind auch strategische Fehlplanungen. (Bild: jesadaphorn / Shutterstock.com)

Verplant – Wenn nichts so kommt, wie erwartet



Ein weiterer Grund für viele Konkurse sind auch strategische Fehlplanungen. So wird oftmals mit Planungskennziffern gearbeitet, die sich letztlich als nicht umsetzbar erwiesen. Besonders häufig wird mit einer künftig besseren Auftragslage gerechnet, die sich dann aber nicht einstellt. Damit werden die Kassen klammer, bereits getätigte Investitionen führen nicht zum erwarteten wirtschaftlichen Ergebnis und letztlich stimmt das gesamte Planungswerk des Unternehmens nicht mehr. Das führt zu einer wirtschaftlichen Schieflage, die sich nur schwer oder unter ungünstigen Umständen gar nicht mehr korrigieren lässt. Planungen in die Zukunft sollten daher immer eher zurückhaltend ausgestaltet werden. Kommt die Entwicklung dann besser als erwartet, kann das nur gut für das Unternehmen sein.

Besonders schwierig kann es werden, wenn Umstellungen auf neue Produkte oder Leistungen erfolgen. Noch ist nicht klar, ob diese Produkte und Leistungen am Markt auch wunschgemäss nachgefragt werden und ob diese Nachfrage auch von Dauer ist. Selbst umfangreiche Markterhebungen können von falschen Voraussetzungen ausgehen und dann ins Fiasko führen. Sinnvoll ist es, nach Möglichkeit neue Produkte und Leistungen immer begleitend zum Angebot bewährter Produkte und Leistungen einzuführen. Das macht den gesamten Vorgang berechenbarer.

Existenzgründern sei übrigens auch empfohlen, ihr Leistungsportfolio immer auf mindestens zwei voneinander abweichende Leistungen abzustellen. Funktioniert die eine Idee nicht so wirklich, kann unter Umständen die andere Idee der Volltreffer sein. Damit bleibt Raum, Zeit und finanzielle Luft, um eventuell auch die andere Leistung in Ruhe am Markt zu etablieren.



 

Oberstes Bild: © Jinga – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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