Nachhaltigkeit – die Kunst des Weiterlebens

19.02.2014 |  Von  |  Allgemein

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Schnelllebige Zeiten erfordern nicht nur einen schnelleren Takt im Leben von Unternehmen. Sie erfordern insbesondere Innovationen, die heute schon auf das Morgen vorbereitet und auch übermorgen noch gefragt sind. Die Rede ist letztlich von Nachhaltigkeit in der Entwicklungs- und Produktphilosophie. Eine solche Nachhaltigkeit spart nicht nur Kosten, sondern bleibt auch für künftige Entwicklungen offen.

Keiner muss das Rad neu erfinden, aber vielleicht die Achse



Das Rad wurde vermutlich um 3500 v. Chr. erfunden. Seit dem ist es idealerweise kreisrund und dient als bewegliches Teil an Fahrzeugen der Fortbewegung und dem Kraftschluss zum Untergrund. In Maschinen spielt das drehende Rad vor allem in der Kraftübertragung eine wichtige Rolle. Im Wesentlichen ist das Rad also seit über 5000 Jahren das geblieben, was es schon immer war, also rund. Erfinden muss das Rad keiner neu.

Interessanter wäre da vielleicht die Achse. So ist das Rad letztlich eine der nachhaltigsten Erfindungen der Menschheit, die bis heute vielfach im Einsatz ist. Achsen hingegen ändern sich ständig. Je nach Verwendungszweck sind Achsen aus unterschiedlichen Materialien, unterschiedlich geformt und oftmals auch weniger langlebig als Räder. Was heissen soll – auch eng miteinander zusammenhängende Dinge können von völlig unterschiedlicher Nachhaltigkeit sein. Das macht einen Grossteil der Entwicklungsarbeit in Unternehmen aus, die das Rad nicht neu erfinden aber vielleicht neu einsetzen wollen.

Den Blick schweifen lassen

Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sind auf eine gewisse Nachhaltigkeit ihrer Entwicklungen, Erfindungen und Patente angewiesen. Während sich international agierende Grossunternehmen oftmals riesige Entwicklungsabteilungen leisten können, sind es in den kleinen und mittelständischen Betrieben meist nur kleine Abteilungen, die für die Innovationen von morgen sorgen müssen. Das funktioniert nur dann, wenn kleine Unternehmen so arbeiten, dass jede ihrer Entwicklungen nachhaltig auch anderweitig als zuvor geplant und vor allem vielseitiger einsetzbar ist. Grossunternehmen entwickeln und verwerfen Produkte in einer Schnelligkeit, die oftmals einen Jahreszyklus nicht überlebt. Das können sich kleine und mittlere Unternehmen nicht leisten. Hier heisst Nachhaltigkeit vor allem Qualität.



Qualität, die beim Kunden ankommt

Der Markt wird überschwemmt von Produkten, die vor allem für eher kurze Lebenszyklen gedacht sind. Das geht Verbrauchern zunehmend gegen den Strich. Gute Voraussetzungen für Unternehmen, die in allererster Linie auf Qualität setzen. Qualität bedeutet für die Verbraucher auch eine gute Haltbarkeit und eine angemessene Lebensdauer von Produkten, die sich nicht an Garantielaufzeiten orientiert. Hier entsteht für kleine und mittlere Unternehmen eine Marktlücke, die schnell produzierende Unternehmen nicht abdecken wollen. Nachhaltigkeit zeigt sich hier nicht nur in einer besseren Qualität, sondern auch in der Wiederverwertbarkeit von Baugruppen, einzelnen Teilen oder Materialien. Auf diese Weise bedeutet Nachhaltigkeit auch ressourcenschonenden Einsatz von Material und Arbeit. Auch das kommt beim Endverbraucher in der Regel gut an.

Wie erreiche ich eine gewisse Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit erfordert von den Unternehmen eine fantasievolle Weitsicht, zu der immer auch ein Stück Mut gehört. Oftmals muss nichts neu erfunden werden, sondern nur neu interpretiert werden. Daraus lassen sich dann nachhaltige Entwicklungen anstossen, die auch in künftigen Produktlinien immer wieder neu kombiniert anwendbar sind. Ein prima Beispiel für Nachhaltigkeit sind die klassischen Legosteine. Aus prinzipiell gleichartig aufgebauten Einzelteilen lassen sich beliebig viele “Bauwerke” zusammensetzen. Dabei sind auch die Einzelteile in der Struktur so veränderbar, dass sie trotz des gleichen Wirkprinzips anders eingesetzt werden können. Daraus entsteht sowohl Faszination als auch Kreation, die nun schon seit Jahrzehnten Generationen von Menschen begleitet. Nachhaltigkeit lässt sich also dadurch erreichen, dass einfach zu beherrschende Prinzipien in abwandelbaren Formen zu vielseitigen Endprodukten kombiniert werden können. Dabei lässt sich durchaus davon profitieren, dass bestimmte modische Erscheinungen in veränderter Funktionalität in regelmässigen Rhythmen wieder neu aufgelegt werden.



Ein Beispiel: das Handy. Leider ein Produkt, dass meist nur wenig nachhaltig ist und dennoch interessante Entwicklungszyklen aufweist. Zu Beginn seiner Entwicklung war das Mobiltelefon ein grosser, schwerer Kasten mit Handgriff, Hörer und überdimensionaler Antenne. Daraus entstand das handliche Handy. Dann begann ein regelrechter Wettkampf um das kleinste Handy. Mit dem Smartphone kehrte sich die Entwicklung um, jetzt geht es um grosse Bildschirme. Und im gleichen Atemzug wird schon wieder darüber nachgedacht, wie das Smartphone kleiner wird, das Bilderlebnis aber bleiben kann. Stichwort Bildintegration in Brillen usw. Hier zeigen sich Entwicklungszyklen in einer ebenso interessanten Form wie in der Mode.





Rad_lars-heims_pixelio.de

Keiner muss das Rad neu erfinden. (Bild: lars heims / pixelio.de)

Was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun?

Die Idee ist hier, dass Produkte auch dann nachhaltig sein können, wenn sie in ihren zu erwartenden Entwicklungszyklen wieder einsetzbar sind. Vielleicht durch veränderte Innenkonstruktionen mit mehr Funktionalität aber einem schon bewährtem Aussenleben. Das lässt sich zumindest in den Entwicklungsabteilungen durchspielen und spart Zeit und Aufwand bei der Neuentwicklung von Produkten, die so oder so ähnlich schon einmal am Markt gewesen sind. Also nicht nur das Rad muss nicht mehr neu erfunden werden.

Im Prinzip kommt es bei unternehmerischer Nachhaltigkeit darauf an, produktspezifische und produktunabhängige Strategien zu entwickeln, die auch in der Folge aktueller Entwicklungen beliebig oft wiederholbar sind. Je öfter etwas wiederholt werden kann, desto seltener muss es “neu erfunden” werden. Damit sparen Unternehmen in der Entwicklung, Produktion und Vermarktung nicht nur Zeit, sondern auch wertvolle Ressourcen.



 

Oberstes Bild: © Anett Bakos – Fotolia.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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