Intuition und Bauchgefühl in einer datengetriebenen Wirtschaft

11.11.2013 |  Von  |  Allgemein, Selbstmanagement
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Intuition und Bauchgefühl in einer datengetriebenen Wirtschaft
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Was ist wichtiger: Intuition oder rationale Analyse? Der Streit ist so alt wie die Menschheit selbst, bislang ohne klaren Sieger. In einer Wirtschaft, der immer mehr Daten als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stehen, scheint das Pendel jedoch Richtung Ratio auszuschlagen. Doch Vorsicht ist geboten, sagen auch Experten.

Unternehmer und Manager treffen Entscheidungen immer noch oft „aus dem Bauch heraus“ – und können dabei irren. Wird die menschliche Intuition nun bald von kühlen, unfehlbaren Computer-Analysen verdrängt werden?



Bauchgefühl und Erfahrung beruhen auch auf Daten

Wer würde heute noch ernsthaft Kunst gegen Wissenschaft auszuspielen versuchen? Beide gehören zum menschlichen Naturell, und Entscheidungen treffen wir aufgrund einer individuellen Matrix, zu der Gefühl, Verstand, Erfahrung und Informationen integral gehören. Keine dieser Fähigkeiten schliesst eine andere aus, sie bedingen im Gegenteil sogar einander.

Der Grund hierfür erschliesst sich leicht, wenn man die Basis für intuitive Entscheidungen betrachtet. Sie besteht nämlich aus nichts anderem als Daten, aus Erfahrungswerten, die im Laufe der Zeit gesammelt wurden. Damit stehen sie auf derselben Grundlage wie Studien oder Forschungsarbeiten.

Die neue Datenflut darf nicht ignoriert werden

Auch wenn die Grundlage die gleiche ist, haben gross angelegte Analysen einige Vorteile gegenüber der persönlichen Erfahrung.



Zum einen sind sie statistisch relevanter. Die eigene Erfahrung ist zeitlich und räumlich beschränkt, wohingegen Datenkollektoren eine ungleich grössere Menge an Informationen aufnehmen und verarbeiten können. So mag man der Meinung sein, dass gerade viel nach einem Suchbegriff im Internet gesucht wird; Google Analytics weiss es sicher besser.

Zum anderen können Daten althergebrachten Denkweisen und Praktiken widersprechen. Neue und komplexe Informationen können unbemerkte Muster aufdecken, Fragen beantworten und sogar Voraussagen treffen. Leitungspersonen können es sich daher nicht leisten, gegenüber neuen Erkenntnissen Scheuklappen aufzusetzen und eine Haltung nach dem „Pippi-Langstrumpf-Prinzip“ einzunehmen. Eine solche Einstellung hat schon in vielen Fällen zu zum Teil massiven Fehleinschätzungen geführt.



Hat das Bauchgefühl ausgedient?

Doch nicht alle Entscheidungen sind gleich, und benötigen dementsprechend auch nicht immer den gleichen Anteil an digitalen Daten. Obwohl sich durch nüchterne Analyse der Marktentwicklung viele Innovationen voraussagen lassen (zum Beispiel dass in einigen Jahren die ersten Graphen-Displays erscheinen könnten), gibt es doch eine Sorte von Neuerungen, die aus dem Rahmen fallen: die sogenannten disruptiven Innovationen. Das sind Erfindungen, die gleichsam einen „Quantensprung“ in der Entwicklung darstellen oder aber völlig unerwartet erscheinen.

Professor Clayton Christensen von der Harvard Business School teilt deshalb Innovationen in drei Kategorien ein: disruptive Schlüsselinnovationen (disruptive empowering innovations), erhaltende Innovationen (sustaining innovations) und Effizienz-Innovationen (efficiency innovations). Die letzten beiden Typen lassen sich durch Datenauswertung gut entwickeln, weil sie sich auf bereits vorhandenen Technologielevels bewegen und als eine Art „Feintuning“ diese immer mehr in Richtung Kundenwünsche verfeinern oder aber Produktions- oder Serviceprozesse effizienter machen. Disruptive Schlüsselinnovationen hingegen brauchen divergierendes Denken und einen gewissen Instinkt sowie Bauchgefühl.

Was Führungspersönlichkeiten jetzt brauchen

Innovationen bergen immer Risiken in sich. Manche davon kann man quantifizieren, andere nicht, und wieder andere kann man sich schon mit dem gesunden Menschenverstand ausmalen. Daten helfen wirtschaftlichen Führungspersönlichkeiten, solide Entscheidungen zu treffen. Sie helfen Managern, die Optionen mit der grössten Erfolgswahrscheinlichkeit rasch in die Tat umzusetzen. Allerdings sind die Daten nicht alles. Denn auch die ausgefeilteste Studie kann nicht alle Parameter erfassen. Und manchmal wird man auch gegen die wissenschaftlichen Daten entscheiden wollen – nicht aus Sturheit, sondern weil man eben das Bauchgefühl hat, es sei anders besser. Denn am Ende beruht auch jedes Empfinden auf Daten, nur sind wir uns dessen nicht bewusst.

Das Fazit lautet also: Prüfen Sie die Daten, und ignorieren Sie Ihr Bauchgefühl nicht!



 

Oberstes Bild: © SP-PIC – Fotolia.com


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