Studie zeigt: Schon zwei Kilometer Unterschied kosten beim Gebrauchtwagen bis zu 170 Dollar
von belmedia Redaktion ➔ business24.ch Allgemein Alltag Auto Business businessaktuell.ch Forschung Handel Lifestyle Magazine Marketing Mobilität motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Themen Tipps Wirtschaft Ⳇ Verbreitung
Auch in der Schweiz ist der Markt für Gebrauchtwagen stark umkämpft. Neben Zustand, Marke und Ausstattung spielt die Laufleistung eine zentrale Rolle beim Preis. Eine Studie aus den USA zeigt nun, dass bereits minimale Unterschiede im Kilometerstand erhebliche Auswirkungen auf den Verkaufspreis haben können.
Wer seinen Gebrauchtwagen verkaufen will, sollte aufpassen, dass der Kilometerstand leicht unter der Zehntausendermarke bleibt. Bleibt dieser leicht darüber, schlägt dies unverhältnismässig negativ zu Buche. Der erzielbare Preis bei beispielsweise 29.999 Kilometern liegt weitaus höher als der bei 30.001 Kilometern. Forscher der University of Texas haben in einer Untersuchung festgestellt, dass es in diesem Fall um rund 170 Dollar gehen kann.
Ähnlich wie im Supermarkt
Schuld daran ist der „Left-Digit-Bias“, ein psychologisches Phänomen, das darauf basiert, dass der Betrachter der Ziffer ganz links zu viel und den übrigen Ziffern zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Aus diesem Grund enden die Preise im Supermarkt auch meist auf der Ziffer „9“.
Raghunath Rao von der University of Texas bezeichnet die Differenz bei den Gebrauchtwagenpreisen als „mentale Steuer“ dafür, dass Käufer sich die Kilometerstände nicht genau genug ansehen. Private Verkäufer nutzten das vielleicht nicht aus, versierte Händler jedoch schon, meint der Marketing-Experte mit Blick auf den „Linksziffern-Effekt“. „Autohäuser profitieren von dieser Vorliebe, die allein in den Köpfen der Verbraucher existiert“, sagt Rao.
Objektiv gesehen sollten zwei Autos mit nahezu identischer Laufleistung etwa denselben Wert haben. Aber so sehen es die Verbraucher nicht, meint Rao. Wegen der Vorliebe für die linke Ziffer seien sie bereit, etwas mehr für ein Auto zu zahlen, dessen Kilometerstand knapp unter einer runden Zahl wie 20.000, 50.000 oder 100.000 liege. Autos knapp unterhalb der Schwellenwerte verkauften sich sechs Prozent schneller als Autos knapp darüber. Am stärksten war dieser Effekt bei einem Tachostand von knapp unter und knapp über 100.000.
Alle Ziffern sind bedeutsam
Raos wichtigste Erkenntnis richtet sich nicht an Verkäufer, sondern an Verbraucher: „Seien Sie sich unbewusster Vorurteile bewusst und versuchen Sie, diese bei grösseren Anschaffungen – nicht nur beim Autokauf – auszugleichen. Wenn Sie das nächste Mal auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen sind, achten Sie nicht nur auf die Ziffer ganz links. Achten Sie auf alle Ziffern und passen Sie ihre Preisvorstellungen entsprechend an“, rät der Wissenschaftler abschliessend.
Quelle: pressetext.redaktion/Wolfgang Kempkens
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