Geldpolitik der SNB: Wie Zinsen und Wechselkurse zusammenwirken
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Die Schweizerische Nationalbank beeinflusst mit ihren Zinsentscheiden die Finanzierungskosten und den Franken. Gleichzeitig wirkt der Wechselkurs auf Importpreise, Exporterlöse und die Inflation zurück. Deshalb lässt sich die Geldpolitik der SNB nur verstehen, wenn Zinsen und Wechselkurse gemeinsam betrachtet werden.
Eine Zinssenkung kann den Franken schwächen, muss aber nicht unmittelbar zu einem tieferen Kurs führen. Entscheidend sind unter anderem die Erwartungen vor dem Beschluss, die Geldpolitik im Ausland und die internationale Risikolage. Aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren ergeben sich die monetären Bedingungen, unter denen Haushalte sparen und Unternehmen investieren.
Preisstabilität bestimmt den geldpolitischen Auftrag
Die SNB soll die Preisstabilität gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung tragen. Sie versteht darunter einen jährlichen Anstieg des Landesindexes der Konsumentenpreise von weniger als zwei Prozent. Auch Deflation, also ein anhaltender Rückgang des allgemeinen Preisniveaus, verletzt die Preisstabilität. Einzelne billigere Produkte sind damit nicht gleichzusetzen.
Dieser Auftrag erklärt, weshalb die Nationalbank sowohl eine übermässige Aufwertung als auch eine starke Abwertung des Frankens beachten muss. Beide können den Inflationsausblick verändern. Ein möglichst schwacher Franken ist deshalb ebenso wenig ein eigenständiges Ziel wie ein möglichst hoher Zins. Massgebend bleibt die Wirkung auf Preise und Wirtschaftsentwicklung.
Der Leitzins wirkt zunächst am Geldmarkt
Mit dem SNB-Leitzins gibt die Nationalbank die Richtung für die kurzfristigen Zinsen in Franken vor. Sie strebt an, die kurzfristigen besicherten Geldmarktzinsen nahe an diesem Satz zu halten. Dazu nutzt sie insbesondere die Verzinsung von Sichtguthaben der Banken und Geschäfte zur Steuerung der Liquidität. Ein wichtiger Referenzzins ist der SARON.
Über den Geldmarkt erreicht die Wirkung weitere Finanzierungsbedingungen. Kredite, Sparguthaben und längerfristige Anlagen reagieren jedoch unterschiedlich. Laufzeit, Kreditrisiko, Wettbewerb und Erwartungen beeinflussen die jeweiligen Konditionen zusätzlich. Ein Zinsschritt der SNB bedeutet deshalb nicht, dass sämtliche Bankzinsen am nächsten Tag um denselben Betrag angepasst werden.
Für den Franken zählt der Zinsunterschied zum Ausland
Eine Anlage in Franken wird auch mit Anlagen in Euro, US-Dollar oder anderen Währungen verglichen. Sinken die Schweizer Zinsen, während die ausländischen unverändert bleiben, nimmt die relative Verzinsung von Frankenanlagen ab. Unter sonst gleichen Bedingungen kann dadurch die Nachfrage nach Franken sinken. Die Währung wertet dann tendenziell ab.
Umgekehrt kann ein höherer Schweizer Zins den Franken stützen. Entscheidend ist jedoch die Veränderung der relativen Bedingungen. Bleibt der SNB-Leitzins konstant, während die Europäische Zentralbank ihre Zinsen verändert, kann sich die Zinsdifferenz ebenfalls verschieben. Der schweizerische Zinsentscheid allein beschreibt das internationale Umfeld daher unvollständig.
Ein höherer Auslandszins ist allerdings kein risikoloser Mehrertrag für einen Anleger mit Rechnungswährung Franken. Wechselkursbewegungen können einen Zinsvorteil aufheben. Bei abgesicherten Anlagen kommen die Kosten beziehungsweise Konditionen der Währungsabsicherung hinzu. Der einfache Vergleich zweier Zinssätze erklärt deshalb nur einen Teil der Kapitalbewegungen.
Erwartungen können dem Beschluss vorauslaufen
Finanzmärkte reagieren auf neue Informationen. Wird eine Zinssenkung bereits weitgehend erwartet, kann sie vor dem Sitzungstag in Zinsen und Wechselkursen berücksichtigt sein. Der tatsächliche Beschluss bringt dann möglicherweise wenig Überraschung. Eine unveränderte Entscheidung kann umgekehrt eine deutliche Reaktion auslösen, wenn zuvor mit einer Senkung gerechnet wurde.
Zusätzlich zählt, welche Hinweise die SNB zur weiteren Entwicklung gibt. Ihre Einschätzung von Inflation, Konjunktur und Franken kann den erwarteten Zinspfad verändern. Der Beitrag „Zinsentscheide der Notenbanken: Erwartungen und Marktreaktionen verstehen“ auf businessaktuell.ch vertieft diese Unterscheidung zwischen Beschluss und Erwartung.
Auch die wirtschaftliche Begründung wird bewertet. Eine Lockerung wegen sinkender Inflation vermittelt eine andere Lageeinschätzung als eine Lockerung wegen eines schweren Nachfrageeinbruchs. Deshalb lässt sich eine Marktbewegung nicht zuverlässig allein aus dem Vorzeichen eines Zinsschritts ableiten. Die gesamte Mitteilung gehört zur Einordnung.
Die Nachfrage nach Sicherheit kann den Zinseffekt überlagern
Der Franken wird in Phasen erhöhter Unsicherheit häufig als sicherer Hafen nachgefragt. Solche Kapitalbewegungen können einen Zinsnachteil zeitweise überwiegen. Der Franken kann deshalb aufwerten, obwohl die Schweizer Zinsen tiefer liegen als im Ausland. Politische Risiken und Veränderungen der Risikobereitschaft gehören zur Erklärung dazu.
Daraus folgt keine Garantie für eine Aufwertung in jeder Krise. Währungen werden immer gegeneinander bewertet, und auch die Nachfrage nach anderen sicheren Anlagen verändert sich. Ein einzelner Handelstag erlaubt daher keinen eindeutigen Schluss über die Wirkung einer Zinssenkung. Ohne weitere Einflüsse wäre der Frankenkurs möglicherweise noch stärker gestiegen.
Über Importpreise gelangt der Wechselkurs zur Inflation
Ein stärkerer Franken macht ausländische Waren bei unverändertem Fremdwährungspreis rechnerisch günstiger. Das betrifft Konsumgüter ebenso wie Energie, Rohstoffe und Vorleistungen. Niedrigere Importkosten können den Preisdruck in der Schweiz dämpfen. Eine Frankenabwertung wirkt tendenziell in die entgegengesetzte Richtung.
Die Weitergabe an die Verkaufspreise erfolgt jedoch nicht vollständig oder sofort. Verträge, Lagerbestände, Absicherungsgeschäfte, Transportkosten und Handelsmargen beeinflussen den Verlauf. Ein günstigerer Einkaufspreis muss deshalb nicht im selben Monat im Laden sichtbar werden. Zudem besteht ein grosser Teil der Schweizer Konsumausgaben aus inländischen Leistungen.
Auch der Ausgangspreis im Ausland kann sich verändern. Steigt beispielsweise der in Dollar berechnete Energiepreis, während der Franken gegenüber dem Dollar stärker wird, wirken zwei Kräfte gegeneinander. Entscheidend ist ihre gemeinsame Wirkung auf den Preis in Franken. Die isolierte Wechselkursbewegung reicht zur Beurteilung nicht aus.
Exporteure spüren die Umrechnung ihrer Einnahmen
Für einen Betrieb mit Einnahmen in Euro und Kosten in Franken kann eine Frankenaufwertung die Marge belasten. Ein reines Rechenbeispiel verdeutlicht dies: 1’000 Euro ergeben bei 0,95 Franken je Euro 950 Franken, bei 0,90 dagegen 900 Franken. Der Verkaufspreis in Euro ist dabei unverändert geblieben. Die Zahlen sind keine aktuellen Marktkurse.
Die tatsächliche Betroffenheit hängt von der Kostenstruktur ab. Ein Unternehmen mit Einkäufen in derselben Fremdwährung hat einen teilweisen natürlichen Ausgleich. Auch Preisgestaltung, Produktionsstandorte und Absicherungen spielen eine Rolle. Eine Aufwertung trifft deshalb nicht jeden Exportbetrieb im gleichen Ausmass, während Importeure gleichzeitig entlastet werden können.
Nominale und reale Aufwertung unterscheiden
Der sichtbare Wechselkurs zeigt das nominale Austauschverhältnis zweier Währungen. Für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zählt zusätzlich, wie sich die Preise im In- und Ausland entwickeln. Der reale Wechselkurs berücksichtigt diese Unterschiede. Eine nominale Frankenaufwertung kann dadurch real weniger stark ausfallen, wenn die Preise im Ausland schneller steigen.
Ausserdem genügt der Vergleich mit dem Euro allein nicht für jede Fragestellung. Ein handelsgewichteter Wechselkurs berücksichtigt mehrere Währungen entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Die SNB betrachtet deshalb verschiedene Wechselkursmasse. Ein stärkerer Franken gegenüber einer einzelnen Währung beschreibt noch nicht die gesamte aussenwirtschaftliche Lage.
Devisengeschäfte ergänzen die Zinspolitik
Bei Bedarf kann die SNB Fremdwährungen kaufen oder verkaufen. Kauft sie Fremdwährungen gegen Franken, kann dies den Aufwertungsdruck auf den Franken dämpfen. Verkauft sie Fremdwährungen gegen Franken, wirkt das tendenziell in Richtung einer stärkeren Schweizer Währung. Die Richtung richtet sich nach der geldpolitischen Lage.
Solche Eingriffe ergänzen die Zinspolitik und verändern die Bilanz der Nationalbank. Sie sind keine automatische Zusage für einen bestimmten Eurokurs. Internationale Kapitalbewegungen und Erwartungen wirken weiterhin auf den Markt. Eine erklärte Bereitschaft zu Devisengeschäften ist zudem von einem tatsächlich vorgenommenen Eingriff zu unterscheiden.
Weitere Instrumente und ihre Grenzen erläutert der Beitrag „Geldpolitik der SNB: Welche Handlungsoptionen der Nationalbank bleiben“ auf business24.ch. Für die gemeinsame Einordnung von Zins- und Devisenpolitik zählt deren Wirkung auf die monetären Bedingungen insgesamt.
Die Inflationsprognose verbindet die Übertragungskanäle
Die SNB richtet ihre Politik vorausschauend aus, weil geldpolitische Änderungen erst mit Verzögerung auf Nachfrage und Preise wirken. Dabei berücksichtigt sie unter anderem Zinsen, Wechselkurse, die Weltwirtschaft und die inländische Konjunktur. Die bedingte Inflationsprognose ist ein zentraler Bestandteil dieser Beurteilung.
„Bedingt“ bedeutet, dass die Prognose auf einer bestimmten Zinsannahme beruht. Sie ist damit keine Zusage, den Leitzins bis zum Ende des Prognosezeitraums unverändert zu lassen. Neue Daten können eine andere Politik erforderlich machen. Aus der Prognosekurve allein ergibt sich deshalb kein verbindlicher Kalender kommender Zinsschritte.
Null Prozent bedeuten keinen geldpolitischen Stillstand
Stand 4. November 2026 beträgt der SNB-Leitzins null Prozent. Die Nationalbank bestätigte diesen Satz an ihrer Lagebeurteilung vom 24. September 2026 und erklärte ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu sein. Damit bleiben Zinsniveau und Wechselkurs gemeinsam Teil der geldpolitischen Umsetzung.
In ihrer September-Beurteilung verwies die SNB auf gestiegene Energiepreise und einen mittelfristig nur leicht höheren Inflationsdruck. Ihre damalige bedingte Prognose beruhte auf einem über den gesamten Prognosezeitraum konstanten Leitzins von null Prozent. Diese Annahme beschreibt das verwendete Szenario, nicht eine garantierte künftige Entscheidung.
Ob null Prozent stützend oder bremsend wirken, lässt sich nicht allein am nominalen Wert ablesen. Inflationserwartungen, Kreditbedingungen und Wechselkurs gehören zur Beurteilung dazu. Auch bei unverändertem Leitzins können sich die monetären Bedingungen verändern, etwa durch einen stärkeren Franken oder steigende längerfristige Marktzinsen.
Näherungsweise wird der Realzins berechnet, indem die erwartete Inflation vom nominalen Zins abgezogen wird. Bei unverändertem Nominalzins kann eine tiefere Inflationserwartung den Realzins erhöhen und die Bedingungen damit straffer machen. Umgekehrt senkt eine höhere Inflationserwartung den Realzins. Auch dieser Zusammenhang erklärt, weshalb dieselbe Leitzinshöhe in unterschiedlichen Phasen verschieden wirkt.
Die Kursnotierung entscheidet über die Leserichtung
Bei einer Notierung in Franken je Euro bedeutet ein sinkender Wert eine Frankenaufwertung: Für einen Euro werden weniger Franken benötigt. Eine steigende Zahl bedeutet entsprechend eine Frankenabwertung gegenüber dem Euro. Die umgekehrte Notierung in Euro je Franken hat die entgegengesetzte Leserichtung.
Zudem unterscheiden sich Interbankenkurse von den Konditionen eines Bargeldwechsels. Gebühren und Ankaufs- beziehungsweise Verkaufsspannen können den tatsächlich erhaltenen Betrag beeinflussen. Eine Wechseltafel beschreibt deshalb nicht unmittelbar die geldpolitischen Bedingungen. Für Vergleiche müssen Währungspaar, Notierungsweise und Zeitpunkt übereinstimmen.
Geldmarkt und Realwirtschaft reagieren unterschiedlich schnell
Wechselkurse und handelbare Zinssätze können neue Informationen sehr rasch verarbeiten. Kreditverträge, Investitionspläne und Verkaufspreise passen sich langsamer an. Bei bestehenden Finanzierungen hängt die Wirkung etwa davon ab, wann eine Zinsbindung endet oder eine vertragliche Anpassung erfolgt. Unterschiedliche Reaktionsgeschwindigkeiten sind deshalb zu erwarten.
Eine momentane Frankenbewegung zeigt nicht bereits die vollständige Wirkung auf die Inflation. Ebenso belegt ein unveränderter Konsumentenpreis kurz nach dem Beschluss keine Wirkungslosigkeit. Hinzu kommen bereits beschlossene Ausgaben und bestehende Verträge, die zunächst weiterlaufen. Unternehmen passen Investitionsbudgets und Produktionspläne häufig erst nach einer erneuten Beurteilung an. Die geldpolitische Übertragung verläuft über mehrere Schritte und unter wechselnden Bedingungen. Eine feste Frist für ihre gesamte Wirkung lässt sich daraus nicht ableiten.
Entscheide im Zusammenhang lesen
Für die Einordnung einer SNB-Mitteilung sind mehrere Fragen hilfreich: Was wurde beschlossen, was war erwartet und wie verändert sich der Ausblick? Dazu kommen die Zinsaussichten im Ausland und die Ursache der jüngsten Frankenbewegung. Eine risikogetriebene Aufwertung verlangt eine andere Analyse als eine Veränderung wegen neuer Inflationsdaten.
Zinsen und Wechselkurse bilden dabei eine Rückkopplung. Die SNB beeinflusst den Franken, und der Franken verändert wiederum die Bedingungen für ihren nächsten Entscheid. Erst dieser Zusammenhang erklärt, weshalb derselbe Zinsschritt in unterschiedlichen Wirtschaftslagen verschieden aufgenommen werden kann.
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