Cloud-Speicher sicher auswählen: Datenschutz, Backups und Kosten im Vergleich

Fotos, Dokumente und Backups: Kaum jemand kommt heute noch ganz ohne Cloud-Speicher aus. Die Auswahl an Diensten ist jedoch gross. Die Unterschiede reichen weit über den verfügbaren Speicherplatz hinaus, von der Verschlüsselung über den Serverstandort bis zur Wiederherstellung versehentlich gelöschter Dateien.

Ein Cloud-Speicher funktioniert im Grunde wie eine virtuelle Festplatte. Die Dateien liegen auf Servern eines Dienstleisters und lassen sich über das Internet von mehreren Geräten aus abrufen. Wer die wichtigsten Kriterien kennt, kann Komfort, Datenschutz und Kosten gezielt gegeneinander abwägen.

Verschlüsselung: Der entscheidende Unterschied

Fast alle seriösen Cloud-Dienste verschlüsseln Daten während der Übertragung und auf ihren Servern. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ausschliesslich die Nutzerin oder der Nutzer auf die Inhalte zugreifen kann.

Bei der üblichen serverseitigen Verschlüsselung verwaltet der Anbieter die entscheidenden Schlüssel. Dadurch kann er grundsätzlich in der Lage sein, Dateien zu entschlüsseln, etwa für bestimmte Funktionen, zur Missbrauchskontrolle oder aufgrund einer rechtsgültigen behördlichen Anordnung.

Bei einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung werden Dateien dagegen bereits auf dem eigenen Gerät verschlüsselt. Erst auf einem berechtigten Endgerät werden sie wieder lesbar. Der Anbieter besitzt im Idealfall keinen passenden Schlüssel. Häufig ist in diesem Zusammenhang auch von «Zero Knowledge» oder «Zero Access» die Rede.

Diese Begriffe werden allerdings nicht von allen Unternehmen exakt gleich verwendet. Vor dem Abschluss eines Abonnements lohnt sich deshalb ein Blick in die technische Dokumentation: Werden nur die Dateiinhalte verschlüsselt oder auch Dateinamen, Ordnerstrukturen und Freigabelinks? Wer verwaltet die Schlüssel? Und gilt der Schutz für den gesamten Speicher oder lediglich für einen besonderen Ordner?

Datenschutz und Serverstandort: Die Jurisdiktion zählt mit

Der physische Standort der Server ist wichtig, aber nicht allein entscheidend. Ebenso relevant sind der Unternehmenssitz des Anbieters, die beteiligten Unterauftragnehmer, das anwendbare Recht und die vertraglichen Regelungen. Auch ein Server in der Schweiz bietet keine vollständige Garantie, wenn der Dienst von einem ausländischen Konzern kontrolliert wird oder weitere Unternehmen an der Verarbeitung beteiligt sind.

Bei einem Anbieter aus den USA kann unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen eine Herausgabe von Daten verlangt werden. Das bedeutet nicht, dass US-Behörden beliebig oder automatisch auf sämtliche Cloud-Inhalte zugreifen können. Es zeigt aber, weshalb neben dem Speicherort auch die Unternehmensstruktur betrachtet werden sollte.

Für Privatpersonen geht es vor allem um das gewünschte Schutzniveau. Unternehmen müssen genauer hinsehen. Wer Personendaten, Kundendossiers oder vertrauliche Geschäftsunterlagen in der Cloud verarbeitet, sollte unter anderem Auftragsbearbeitungsverträge, Unterauftragnehmer, Zugriffsrechte, Löschkonzepte und grenzüberschreitende Datenübermittlungen prüfen.


Cloud-Speicher wirkt im Alltag unsichtbar, beruht aber auf einer umfangreichen physischen Infrastruktur. Neben dem Standort der Server sind auch der Unternehmenssitz des Anbieters, beteiligte Unterauftragnehmer und die Kontrolle über die Verschlüsselungsschlüssel für den Datenschutz relevant.

Das Benutzerkonto muss ebenfalls geschützt sein

Die beste Verschlüsselung hilft wenig, wenn Unbefugte über ein gestohlenes Passwort in das Benutzerkonto gelangen. Für den Cloud-Zugang sollte deshalb ein langes, einzigartiges Passwort verwendet werden, das bei keinem anderen Dienst zum Einsatz kommt. Ein Passwort-Manager erleichtert die sichere Verwaltung.

Zusätzlich sollte die Zwei-Faktor-Authentisierung aktiviert werden. Neben dem Passwort wird dann ein zweiter Nachweis verlangt, beispielsweise ein Code aus einer Authenticator-App oder ein physischer Sicherheitsschlüssel. Besonders wichtig ist dieser Schutz für Konten, in denen persönliche Dokumente, Familienfotos oder geschäftliche Dateien gespeichert werden.

Auch die angemeldeten Geräte verdienen Aufmerksamkeit. Viele Anbieter zeigen in den Kontoeinstellungen, welche Computer und Mobiltelefone zuletzt auf den Speicher zugegriffen haben. Nicht mehr verwendete Geräte sollten entfernt und verlorene Geräte möglichst umgehend abgemeldet werden.

Funktionsumfang: Mehr als nur Speicherplatz

Im Alltag entscheidet häufig nicht die grösste Speichermenge, sondern die Qualität der Funktionen. Eine zuverlässige Synchronisierung sorgt dafür, dass Änderungen auf mehreren Geräten korrekt übernommen werden. Dabei sollte der Dienst Konflikte nachvollziehbar behandeln, falls dieselbe Datei gleichzeitig an verschiedenen Orten bearbeitet wird.

Hilfreich ist eine Versionierung. Sie bewahrt ältere Fassungen einer Datei für einen bestimmten Zeitraum. Wird ein Dokument versehentlich überschrieben oder durch Schadsoftware verändert, lässt sich möglicherweise eine frühere Version wiederherstellen. Auch ein Papierkorb mit ausreichend langer Aufbewahrungsfrist ist wichtig.

Wer Dateien mit anderen Personen teilt, sollte Freigaben zeitlich begrenzen und bei Bedarf mit einem Passwort schützen können. Für Unternehmen kommen Rollen, Gruppenrechte, Protokolle und zentrale Verwaltungsfunktionen hinzu. Ein guter Überblick über die grundlegende Cybersecurity im KMU hilft dabei, den Cloud-Speicher in ein umfassenderes Sicherheitskonzept einzubetten.

Schweizer Anbieter im Überblick

Mehrere Anbieter mit Sitz oder Infrastruktur in der Schweiz setzen gezielt auf Datenschutz. Ihre Sicherheitsmodelle unterscheiden sich allerdings deutlich.

  • Infomaniak kDrive: Der Schweizer Anbieter betreibt seine Rechenzentren in der Schweiz. Die kostenlose Variante umfasst derzeit 15 GB. kDrive legt den Schwerpunkt auf Synchronisierung, Zusammenarbeit und die Integration in eine umfassendere Büroplattform. Eine klassische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für sämtliche Dateien gehört jedoch nicht zum allgemeinen Grundprinzip des Dienstes.
  • Proton Drive: Der Dienst des Genfer Unternehmens Proton verschlüsselt Dateien, Ordnernamen und weitere Metadaten bereits auf dem Endgerät. Proton kann die gespeicherten Inhalte nach eigenen Angaben nicht lesen. Die Infrastruktur befindet sich in der Schweiz und in Deutschland.
  • Tresorit: Der Schweizer Anbieter richtet sich stark an Unternehmen, Teams und Personen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen. Dateien werden vor dem Hochladen Ende-zu-Ende verschlüsselt. Hinzu kommen Funktionen für kontrollierte Freigaben, Zugriffsrechte und die Wahl bestimmter Datenregionen.
  • pCloud: Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Schweiz und lässt die Datenregion bei der Kontoeröffnung wählen. Zur Verfügung stehen eine europäische und eine US-amerikanische Region. Die clientseitige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung «pCloud Encryption» ist eine zusätzliche Funktion für einen speziell geschützten Crypto-Ordner und nicht automatisch auf alle gespeicherten Dateien anwendbar.

Tarife, Speichergrössen und Zusatzfunktionen können sich ändern. Vor dem Abschluss eines kostenpflichtigen Abonnements sollten deshalb immer die aktuellen Konditionen des jeweiligen Anbieters geprüft werden.

Internationale Dienste: Bequem, aber anders aufgebaut

Google Drive, Microsoft OneDrive, Apple iCloud und Dropbox sind weit verbreitet. Sie punkten vor allem durch die enge Verbindung mit Betriebssystemen, Büroprogrammen, Smartphones und Werkzeugen zur gemeinsamen Bearbeitung.

Die Dateien werden zwar beim Transport und auf den Servern geschützt. Eine konsequente Zero-Knowledge-Verschlüsselung für den gesamten Cloud-Speicher gehört bei diesen Diensten aber gewöhnlich nicht zum Standard. Je nach Angebot existieren zusätzliche Schutzfunktionen für einzelne Datenarten oder Gerätebackups. Diese sind nicht mit einer vollständig clientseitig verschlüsselten Dateiablage gleichzusetzen.

Für gewöhnliche Alltagsdateien können solche Dienste durchaus praktisch sein. Die Entscheidung sollte trotzdem zum Inhalt passen. Steuerunterlagen, Ausweiskopien, medizinische Dokumente oder vertrauliche Geschäftsunterlagen verdienen ein höheres Schutzniveau als eine Sammlung bereits veröffentlichter Broschüren.

Preis, Export und Vertragsbedingungen

Ein sinnvoller Preisvergleich berücksichtigt mehr als die Kosten pro Gigabyte. Manche Dienste verlangen zusätzliche Gebühren für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, längere Versionsverläufe, erweiterte Freigaben oder weitere Benutzerkonten.

Wichtig ist ausserdem der spätere Ausstieg. Lassen sich alle Dateien und Ordnerstrukturen unkompliziert herunterladen? Bleiben die ursprünglichen Dateiformate erhalten? Was passiert nach einer Kündigung oder einer fehlgeschlagenen Zahlung? Und wie lange gewährt der Anbieter Zeit, bevor Daten gelöscht werden?

Bei vermeintlich günstigen lebenslangen Angeboten ist zusätzliche Vorsicht angebracht. «Lebenslang» bezieht sich normalerweise auf die Lebensdauer des angebotenen Dienstes oder Produkts, nicht zwingend auf die Lebenszeit der Kundschaft. Eine Garantie, dass das Unternehmen Jahrzehnte bestehen bleibt, ist damit nicht verbunden.

Cloud-Synchronisierung ist nicht automatisch ein Backup

Ein synchronisierter Cloud-Ordner hält Dateien auf mehreren Geräten auf demselben Stand. Genau das kann im Schadenfall zum Problem werden: Wird eine Datei versehentlich gelöscht oder durch Schadsoftware verschlüsselt, kann diese Änderung ebenfalls auf die Cloud und die verbundenen Geräte übertragen werden.

Ein Cloud-Speicher kann Teil eines Backup-Konzepts sein, wenn er Versionen aufbewahrt und eine unabhängige Wiederherstellung ermöglicht. Eine gewöhnliche Synchronisierung allein genügt dafür jedoch nicht.

Für wichtige Daten ist eine zusätzliche Kopie auf einer externen Festplatte oder einem zweiten, unabhängigen Speicherdienst sinnvoll. Die externe Festplatte sollte nach dem Backup vom Computer getrennt werden. So bleibt sie besser vor Schadsoftware, Überspannung und versehentlichem Löschen geschützt.

Gerade bei sorgfältig aufgenommenen Sommerfotos mit dem Smartphone wäre es ärgerlich, wenn ein defektes Gerät oder ein gesperrtes Konto die einzige vorhandene Kopie unzugänglich macht.


Eine externe Festplatte schafft eine unabhängige zweite Kopie wichtiger Dateien. Nach der Sicherung sollte sie vom Computer getrennt werden, damit Schadsoftware, versehentliches Löschen oder technische Defekte nicht gleichzeitig das Original und das Backup treffen.

Vor dem Hochladen besonders sensibler Dokumente

Wer einem Cloud-Anbieter nicht vollständig vertrauen möchte, kann sensible Dateien vor dem Hochladen zusätzlich mit einer geeigneten Software verschlüsseln. Dabei bleibt der Schlüssel ausschliesslich bei der Nutzerin oder dem Nutzer.

Diese Lösung erhöht den Schutz, bringt aber mehr Eigenverantwortung mit sich. Geht das Passwort beziehungsweise der Wiederherstellungsschlüssel verloren, kann häufig auch der Anbieter nicht mehr helfen. Der Schlüssel sollte deshalb sicher und getrennt von den verschlüsselten Daten aufbewahrt werden.

Für Unternehmen reicht eine zusätzliche Verschlüsselung allein nicht aus. Sie müssen weiterhin klären, ob die gewählte Verarbeitung, die Zugriffsregelung und die Zusammenarbeit mit dem Anbieter den gesetzlichen und internen Anforderungen entsprechen.

Checkliste: Worauf es bei der Wahl wirklich ankommt

  • Welche Daten sollen gespeichert werden, und wie sensibel sind sie?
  • Wer besitzt die Schlüssel und kann die Dateien technisch entschlüsseln?
  • Werden auch Dateinamen, Ordnerstrukturen und Freigaben geschützt?
  • Wo befinden sich Anbieter, Server und beteiligte Unterauftragnehmer?
  • Lässt sich die Zwei-Faktor-Authentisierung aktivieren?
  • Wie lange bleiben gelöschte Dateien und ältere Versionen erhalten?
  • Können Freigabelinks mit Passwort und Ablaufdatum versehen werden?
  • Lassen sich sämtliche Daten später einfach und vollständig exportieren?
  • Welche Funktionen sind im angegebenen Preis tatsächlich enthalten?
  • Existiert neben der Cloud eine unabhängige Sicherung wichtiger Dateien?

Video-Tipp: Die Cloud sicher nutzen

Welche Risiken Cloud-Dienste mitbringen und mit welchen Massnahmen sich Dateien besser schützen lassen, erklärt das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in diesem verständlichen Video.



Fazit

Den einen besten Cloud-Speicher für alle gibt es nicht. Wer vor allem unkompliziert Fotos zwischen Geräten synchronisieren möchte, setzt andere Prioritäten als ein Unternehmen, das vertrauliche Kundendossiers bearbeitet.

Entscheidend sind das Verschlüsselungsmodell, die Kontrolle über die Schlüssel, die beteiligten Rechtsräume, der Kontoschutz und eine zuverlässige Wiederherstellung. Wer zusätzlich eine unabhängige Sicherung anlegt, verhindert, dass ein technischer Fehler, ein Angriff oder eine Kontosperre zum vollständigen Datenverlust führt.

 

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