Finanzmärkte: Edelmetalle haben schon heller geglänzt

Die Musik an den Finanzmärkten spielt momentan bei den Aktien und bei den Zinsen. Sie beherrschen die Schlagzeilen und die Aufmerksamkeit der Anlegerinnen und Anleger. Die Edelmetalle halten sich im Hintergrund. Mit positiven Meldungen können sie auch nicht aufwarten. Der Goldpreis in US- Dollar ist seit Anfang Jahr trotz Inflation und Ukraine-Krieg um 10% gefallen. Im Vergleich zum Höchststand vom März sind es gar 20%. Die Entwicklung beim Platin sieht ähnlich aus.

Der Jahresverlust beim Silber beträgt gar 20%. Einzig Palladium hält sich auf dem Wert von Anfang Jahr. Gegenüber dem Höchst vom März ist der Preis aber 35% tiefer. Allen ist gemeinsam, dass in Franken gerechnet die Verluste geringer sind oder gar ganz wegfallen, da der US-Dollar zum Franken 10% gewonnen hat.

Das Palladium hat die grösste Achterbahnfahrt hinter sich. Im Februar und März ist der Preis in den Himmel geschossen, weil rund 40% des Palladiums aus Russland stammen. Das hat die Spekulation angeregt und zu einem Preisanstieg von über 60% geführt. Dieser hat sich mittlerweile wieder korrigiert. Das Angebot ist das eine, die Nachfrage das andere. Palladium wird praktisch zu 100% industriell verwendet, grossmehrheitlich für die Katalysatoren in der Autoindustrie. Die sich abschwächende Wirtschaft und die Umwälzungen bei den Autos vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroauto sprechen nicht dafür, dass die Nachfrage nach Palladium rasch ansteigt.

Beim Platin wird meistens auch die industrielle Verwendung hervorgehoben. Diese macht rund 60% der Nachfrage aus. Auf die Schmuckindustrie und Platin als Anlageprodukt fallen die restlichen 40%. Diese Mischung zeigt die Schwierigkeit bei der Einschätzung des Potenzials von Platin. Es ist weder stark konjunkturabhängig noch eine Sicherheitsanlage wie das Gold. Entsprechend schwierig ist es auch, das Potenzial und die Eignung von Platin einzuschätzen. Daher überrascht es nicht, dass Platin bei den Edelmetallen ein Nebenschauplatz ist.

Beim Gold ist die industrielle Verwendung unbedeutend. Die Nachfrage nach Schmuck und vor allem die Investitionen der Anlegerinnen und Anleger bestimmen den Preis. Diese fühlten sich in letzter Zeit trotz dem Mythos des Goldes als Inflationsschutz nicht vom Gold angezogen. Die Goldfonds verzeichneten deutliche Abflüsse. Es gibt auch keinen ökonomischen Grund, warum das Gold gegen die Inflation schützen soll. Vielmehr leidet das gelbe Metall unter den höheren Zinsen, welche die Alternativen zum ertragslosen Gold attraktiver machen. Zudem wirkt sich auch ein starker US-Dollar negativ auf das Gold aus. Da die Zinsen in den USA in den nächsten Monaten weiter steigen werden, wovon der US-Dollar profitiert, sehen die kurzfristigen Aussichten für das Gold nicht rosig aus. Dem Gold fehlt momentan trotz vielen potenziellen Brennpunkten die grosse Krise. Wenn auch der Mythos des Goldes als Inflationsschutz ein Phantom ist, so hat sich die Flucht ins Gold bei wirklich schwierigen Zeiten immer wieder bewiesen. Als Sicherheitsanlage ist Gold deshalb trotz dem momentan negativen Umfeld eine Möglichkeit.

Obschon für das Silber mehrheitlich die gleichen Argumente pro und contra wie beim Gold gelten, ist das Gold dem Silber vorzuziehen. Das Silber macht die gleichen Bewegungen im Preis mit, einfach nur stärker. Diese zusätzlichen Kursschwankungen machen nur dann Sinn, wenn man auf kurzfristige Preissteigerungen spekuliert. Dafür stimmt das Umfeld nicht.

 

Artikelbild: Symbolbild © Oselote – shutterstock.com

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Mehr zu Dr. Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

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