Zins- statt Währungspolitik – neues Regime der SNB

Am Donnerstag wird die SNB ihren Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben und damit die Zeit der Negativzinsen in der Schweiz in die Geschichtsbücher verbannen. Das ist gut so.

Die SNB ist im Juni bei der Umsetzung ihrer Geldpolitik wieder zur Steuerung der Zinsen übergegangen, nachdem sie während den letzten elf Jahren faktisch eine Währungspolitik betrieben hat.

Dabei war sie recht erfolgreich. Auch nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Anfang 2015 konnte sie den Franken in einem engen Band stabil halten. Die Kollateralschäden dieser Währungspolitik waren die Aufblähung der Bilanz auf eine Grösse, die das jährliche BIP der Schweiz übersteigt, und ein für den Zustand der Schweizer Wirtschaft viel zu tiefes Zinsniveau. Während die SNB ihre Bilanz nicht mehr auf ein vernünftiges Niveau verkleinern kann, können die Zinsen zukünftig wieder ihre notwendige Steuerungsfunktion für die Konjunktur ausüben.

Der Franken wird nun wieder stärker den Marktkräften überlassen. Die Inflation in der Schweiz wird wohl auch in den nächsten Jahren tiefer sein als in der Eurozone und in den USA. Der Kurs des Frankens wird deshalb wieder das Muster annehmen, das er vor der Finanzkrise zeigte. Er wird die Inflationsdifferenz zum Ausland ausgleichen und im Durchschnitt pro Jahr 1% bis 2% teurer werden.

Plus bei Zinsen – Minus bei Fremdwährungen

Der Devisenmarkt ist bekanntlich keine Einbahnstrasse. Kurzfristig spielen viele andere Faktoren als die Inflation eine wichtigere Rolle. Auch eine zwischenzeitliche Stärkephase des US-Dollars oder des Euro zum Franken ist daher möglich. Über eine längere Zeit dominiert aber die Kaufkraftparität. Dass nun eine starke Aufwertungsspekulation für den Franken einsetzt, ist aber nicht zu erwarten. Die SNB hat bewiesen, dass sie den Franken steuern kann, wenn sie will. Gegen die SNB zu spekulieren, ist keine erfolgsversprechende Strategie.

Für die Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz bedeutet das neue Regime der SNB neben höheren Zinsen und wieder einer positiven Rendite bei den Obligationen regelmässige Verluste auf den Fremdwährungen. Man wird sich wieder überlegen müssen, ob die Mehrrendite auf den Fremdwährungsobligationen das einzugehende Währungsrisiko wert ist. Das heisst nicht, dass nur noch in der Schweiz investiert werden soll. Das Universum an möglichen Emittenten ist im Ausland grösser und vielfältiger als in der Schweiz. Aber die Währung muss wieder in den Entscheidungsprozess einfliessen. Das gleiche gilt für Investitionen am Aktienmarkt.

Neue Bedeutung der Währungsabsicherungen

Für die Unternehmen ändert sich die Ausgangslage ebenfalls. Die Absicherung der Währungsrisiken wird nicht mehr von der SNB übernommen. Dem Währungsmanagement muss eine stärkere Beachtung geschenkt werden als bisher. Grosse Firmen können den währungsmässigen Ausgleich der Erträge  und Kosten besser steuern als kleinere Firmen oder Gewerbebetriebe. Letzteren steht nur die Absicherung der Währung über den Devisenterminmarkt zur Verfügung. Diese hilft aber nur bis zum nächsten Verfall der Termingeschäfte und bedingt stabile Prognosen über die in Euro oder einer anderen Währung anfallenden Erträge und Kosten. Die meisten Firmen werden sich deshalb wieder auf einen regelmässigen Gegenwind durch einen stärker werdenden Franken einstellen müssen.

 

Titelbild: YueStock – shutterstock.com

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Mehr zu Dr. Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kunden-mandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

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