Bargeld in Gold anlegen – ist das heute noch sinnvoll?

14.07.2020 |  Von  |  Finanzen, Handel

Gold wird unter Anlegern allgemein als „sicherer Hafen“ angesehen. Nicht umsonst schiessen in Wirtschafts- und Finanzkrisen die Goldpreise in die Höhe.

So stieg auch im Jahr 2020 der Goldpreis im Zuge der Corona-Krise auf teilweise über 1700 Dollar pro Feinunze (von ca. 1400). Viele Anleger befürchteten und befürchten einen massiven Wirtschaftseinbruch als Folge der Lockdown-Massnahmen. Kann Gold dieses Vertrauen rechtfertigen?

Im Folgenden sehen wir uns zuerst die Vorteile von Gold als Investment an, dann die Nachteile, und dann welche konkreten Anlageformen empfehlenswert sind.

Vorteile von Gold als Anlageform

Ein erster klarer Vorteil von Gold ist, dass es tatsächlich eine Wertbeständigkeit bietet, die über der der allermeisten Anlageformen inklusive Giralgeld und Aktien liegt. Gold wird immer einen Wert haben. In diesem Sinne kann man Gold getrost als „Währung der letzten Instanz“ bezeichnen: Wenn alle anderen Währungen zusammengebrochen sind, hat Gold immer noch einen hohen und universell anerkannten Wert. Gold ist also ein gutes Wertaufbewahrungsmittel. In Zeiten, in denen die Notenbanken weltweit das Finanz- und Wirtschaftssystem durch Erhöhung der Geldmenge in Gang halten wollen, ist Gold sicherlich ein sicherer Hafen, insbesondere vor dem Hintergrund dass die Massnahmen der Notenbanken einen baldigen Crash wahrscheinlich machen.



Bleiben wir beim Thema „Wertaufbewahrung“. Staatsanleihen, sonst eine sichere Anlageform, lohnen sich in der aktuellen Niedrigzinsphase kaum mehr. Dagegen ist der Goldpreis allein seit Oktober 2018 um 300 Dollar pro Feinunze (31,1 g) gestiegen. Natürlich gibt es auch beim Gold Kursschwankungen, aber langfristig betrachtet legt Gold laut Analysten der Credit Suisse um 0,7 Prozent pro Jahr zu. Eine Wertaufbewahrung also, die durchaus auch etwas von Wertsteigerung haben könnte.

Ein dritter grosser Vorteil ist, das man Gold physisch besitzen kann. Man kann sich Barren oder Münzen kaufen und sie einlagern. Entscheidet man sich für häusliche Aufbewahrung, ist man sogar komplett unabhängig von Banken bzw. emittierenden Institutionen. Das kann man bei anderen Anlageformen wie Derivaten oder Aktien nicht behaupten.

Nachteile von Gold als Anlageform

Zwei Nachteile gibt es zu vermerken. Erstens fehlt bei der Goldanlage jegliche Rendite in Form von Zinsen oder Dividenden. Aber das ist zu verschmerzen, wenn man Gold – wie es sich gehört – als Wertaufbewahrungs- und nicht als Wertsteigerungsmittel betrachtet.

Zweitens ist auch Gold Kursschwankungen unterworfen, die im ungünstigen Fall zu einem Wertverlust führen können. Allerdings muss man sich hier vor Augen halten, dass dann, wenn Gold wirklich als Tauschmittel eingesetzt werden würde, alle anderen Wertaufbewahrungsmittel noch viel mehr an Wert eingebüsst haben werden. Und ausserdem zeigt sich (siehe oben), dass der Goldpreis langfristig eher stabil bleibt oder leicht zunimmt.

Wie in Gold investieren?

Investieren Sie am besten in physisches Gold. Zertifikate und Derivate sind nicht mehr wert als die emittierenden Banken oder Emissionshäuser.

Damit folgt sofort die Frage nach der Aufbewahrung. Natürlich kann man sein Gold ganz klassisch im Banksafe aufbewahren, was vor allem bei grösseren Mengen auch sinnvoll ist. Allerdings ist das mit Gebühren verbunden, und wenn die Bank insgesamt auch nur vorübergehend ihre Pforten schliesst (wie z.B. in der zypriotischen Finanzkrise der Fall), dann kommt man eben auch nicht an sein Gold heran.

Also doch zuhause aufbewahren? Das ist weniger abwegig und naiv als es auf den ersten Blick erscheint. Immerhin hat man rund um die Uhr den vollen Zugriff auf sein Edelmetall. Natürlich besteht Diebstahlgefahr, aber dieser kann man durch Einlagerung in einen Safe entgegenwirken.

Als nächstes stellt sich die Frage nach der Handelsform. Generell gilt: je grösser eine Handelsform, desto kleiner der Spread (Differenz Goldwert-Einkaufswert). Grosse Barren (12,5 kg) sind trotz geringen Spreads allerdings teuer und nicht teilbar und deswegen unpraktisch. Am anderen Ende der Skala finden sich Miniplättchen und Münzen (ca. 1 g bis 20 g bzw. 1 Feinunze). Sie sind zwar sehr gut teil- und deswegen liquidierbar, haben aber einen hohen Spread. Einen guten Mittelweg stellen kleine Barren (1 kg) dar; mit ca. 40‘000 CHF sind sie erschwinglich, haben aber dennoch einen geringen Spread von unter einem Prozent. Ein Unternehmen, das sich auf den Handel mit solchen kleineren Barren spezialisiert hat, ist Karatbars International GmbH mit Sitz in Stuttgart. Karatbars handelt auf 130 Märkten und versendet Bestellungen in kleineren Mengen unter Videoüberwachung über Fedex.



Gibt es Möglichkeiten ganz jenseits des physischen Golds? Eine wäre Metallkonten. Man kauft virtuelles Gold, dessen Gegenwert auf ein Konto gebucht wird. Metallkonten zeichnen sich aus durch einen sehr geringen Spread (0,2 bis 0,3 %). Allerdings fallen Gebühren an beim Umtausch in physisches Gold. Ausserdem besteht Unsicherheit hinsichtlich der Einlagensicherung von CHF 100‘000 für Konten, da nicht klar ist, ob Metallkonten genauso behandelt werden wie Girokonten. Ein zweiter Weg sind Gold-ETFs (Exchange Trade Funds). Diese punkten mit geringen Gebühren und einem geringen Spread, sowie der Konkurssicherheit (bei Konkurs des emittierenden Unternehmens gehört das Geld aufgrund seiner Einstufung als Sondervermögen ganz den Anlegern). Ein dicker Minuspunkt ist aber, dass ETFs entweder direkt auf US-Dollar lauten oder aber der Dollar im Hintergrund die Leitwährung bleibt. Folgen sind entweder Wechselgebühren oder aber mindestens das Wechselkursrisiko, welches man zwar absichern kann, aber zu signifikanten Gebühren.

Fazit

Gold ist ein gutes, vielleicht sogar das beste, Wertaufbewahrungsmittel. Es sollte physisch in mittelgrossen Handelsformen erworben werden. Dies können Sie problemlos über einen seriösen Goldanlageverkäufer abwickeln. Die Aufbewahrung kann zuhause oder in einer Bank erfolgen.

 

Titelbild: Africa Studio / shutterstock
Artikelbilder: llstars / shutterstock; Bjoern Wylezich / shutterstock

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