Factoring – so bleiben Unternehmen flüssig

26.06.2020 |  Von  |  Allgemein, Finanzen

Die Arbeit ist erledigt, die Rechnung gestellt, doch die Bezahlung lässt leider auf sich warten. Fehlende Liquidität bringt Unternehmen schnell in finanzielle Bedrängnis. In vielen Fällen tragen offene und nicht fristgerecht bezahlte Rechnungen zur Notlage bei.

Factoring ist eine ausgezeichnete Alternative zur Ausnutzung des Kreditrahmens oder einer Kreditaufnahme. Offene Rechnungen werden dabei an einen professionellen Dienstleister verkauft.

Wie funktioniert Factoring?

Um sich schnell flüssige Mittel zu verschaffen, verkauft ein Unternehmen seine offenen Rechnungen an ein Drittunternehmen, auch Factor genannt. Der Factoring-Nehmer tritt die Forderungen an diesen Dienstleister ab und erhält im Gegenzug liquides Kapital. Dabei schreibt der Factor dem Kunden die Rechnungsbeträge abzüglich einer Factoring-Gebühr gut. Ein Sicherheitseinbehalt in Höhe von 10 bis 20 Prozent für etwaige Reklamationen oder Mängel, die Kunden des Factoring-Nehmers geltend machen könnten, ist gängig. Ob der Factor alle Rechnungen oder nur einen bestimmten Teil ankauft, regelt der Factoring-Vertrag. Üblicherweise schliesst der Vertrag alle Forderungen ab Vertragsabschluss ein, abweichende Regelungen sind möglich. Eine Laufzeit von mindestens zwei Jahren ist die Regel, möglich sind aber auch vier oder fünf Jahre.



Die Kosten im Überblick

Unternehmen, die Ihre offenen Forderungen an einen Facotring-Dienstleister verkaufen, müssen mit verschiedenen Kosten rechnen. Die Gebühren sind von Anbieter zu Anbieter sehr unterschiedlich, so dass ein genauer Vergleich zu empfehlen ist.

Die meisten Factoring-Unternehmen berechnen Gebühren zwischen 0,1 und 2 Prozent der Rechnungssumme als Gebühren. Damit sind Kosten wie Bearbeitungsgebühren, Bonitätsprüfungen der Schuldner oder Kosten für das Mahnwesen abgedeckt. Einige Dienstleister stellen die Kosten für die Bonitätsprüfungen der Schuldner separat über eine Pauschale in Rechnung, hier lohnt es sich, genau hinzuschauen.

Zusätzlich zu den Gebühren fallen Factoring-Zinsen an. Damit stellt der Factor dem Factoring-Nehmer die Zinsen in Rechnung, die zwischen der Bereitstellung der Liquidität und der tatsächlichen Bezahlung der Rechnung liegen. Die Zinssätze orientieren sich an den Zinsen für Kontokorrentkredite, sollten aber im Idealfall etwas geringer liegen.

Diese Arten von Factoring gibt es

Zu unterschieden sind zunächst echtes und unechtes Factoring. Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Risiko eines Ausfalls komplett, es handelt sich also um einen Delkredereschutz. Fällt die Forderung aus, weil der Schuldner nicht zahlt, geht der Verlust zu Lasten des Factors. Im Gegensatz dazu steht das unechte Factoring, bei dem der Factor das Recht auf eine Rückabwicklung hat, sofern die Forderung ausfällt. Empfehlenswert ist das unechte Factoring für Unternehmen, die das Forderungsmanagement in die Hände eines professionellen Dienstleisters legen wollen und nicht mit Zahlungsausfällen rechnen.

Darüber gibt es Unterschiede bei der Offenlegung des Factorings. Bei einem offenen Factoring wird der Schulder des Factoring-Nehmers über den Forderungsverkauf in Kenntnis gesetzt. Der Schulder zahlt die Rechnungssumme direkt an den Factor. Demgegenüber steht das stille Factoring, bei dem der Schuldner nichts von dem Forderungsverkauf erfährt. Der Schuldner zahlt wie gewohnt an den Factoring-Kunden. Aufgrund des höheren Risikos für den Factor ist das stille Factoring für den Factoring-Nehmer teurer.

Neben diesen Unterschieden unterscheidet das Factoring sich nach den Leistungen des Factoring-Dienstleisters. Beim Inhouse-Factoring, das auch als Bulk- oder Eigenservice-Factoring bezeichnet wird, nutzt der Factoring-Kunde den Forderungsverkauf zur Liquiditätsbeschaffung. Das weitere Forderungsmanagement wie das Mahnwesen und die Debitorenbuchhaltung verbleibt jedoch beim Kunden.

Diese Unternehmen profitieren vom Factoring

Der Ankauf von Forderungen ist nicht neu, war aber lange Zeit nur grossen Unternehmen vorbehalten. Inzwischen profitieren auch kleinere und mittelständische Unternehmen sowie Freiberufler und Selbstständige vom Factoring. Gerade für KMU gibt es spezielle Anbieter auf dem Markt.

Factoring ist für junge Unternehmen und Start-ups eine ausgezeichnete Lösung. Hier werden schnell finanzielle Mittel benötigt, um weiter zu investieren und das laufende Geschäft zu finanzieren. Banken sind aber in der ersten Phase der Unternehmensgründung oftmals zurückhaltend bei der Vergabe von Krediten. Das Factoring stellt auf die Bonität der Schulder ab und nicht auf die Kreditwürdigkeit des Factoring-Nehmers. Auch Sicherheiten müssen, anders als bei einem klassischen Bankkredit, nicht gestellt werden.

In vielen kleineren Unternehmen läuft das Forderungsmanagement nur nebenbei. Personelle Ressourcen und entsprechende IT stehen häufig nicht ausreichend zur Verfügung, oftmals fehlt schlicht die Zeit, säumige Zahler zu mahnen. Diese Betriebe profitieren von einem professionellen Forderungsmanagement der Factoring-Unternehmen und können sich so auf das Kerngeschäft konzentrieren. Im besten Fall können die Unternehmen komplett auf eine Debitorenbuchhaltung verzichten und dadurch deutliche Einsparungen erzielen.

Die Vorteile von Factoring im Überblick

Der Forderungsverkauf geht mit verschiedenen Vorteilen einher. Neben einer Vereinfachung des Debitorenmanagements ist der Factoring-Nehmer vor Zahlungsausfällen geschützt. Mit dem Factoring reduziert der Factoring-Nehmer also das Ausfallrisiko.

Durch die Beschaffung sofortiger Liquidität kann der Factoring-Nehmer eigene Verbindlichkeiten schneller begleichen und so seine Kreditwürdigkeit verbessern. Zudem wirkt sich das Factoring positiv auf die Bilanz aus: Dadurch, dass die Forderungen nicht mehr auf der Aktivseite erscheinen, wird die Bilanz verkürzt und die Eigenkapitalquote verbessert. Damit steigen Ratingquote und Bonität des Unternehmens, was sich gerade bei der Zusammenarbeit mit Banken sehr positiv auswirkt.

Durch den Verkauf der offenen Forderungen verbessert sich die Liquidität des Unternehmens direkt. Eigene Rechnungen können schneller bezahlt werden, Lieferantenkredite müssen nicht mehr in Anspruch genommen werden. Für das Unternehmen ergibt sich ein direkter Wettbewerbsvorteil.


Bilanzvorteile durch Factoring. (Bild: create jobs 51 – shutterstock)


Nachteile von Factoring

Nachteilig sind die Kosten des Forderungsverkaufs. Unternehmen sollten also genau kalkulieren, ob sich das Factoring tatsächlich lohnt, oder die Kosten im Verhältnis zum Nutzen zu hoch sind.

Nicht in jeder Branche lassen sich Forderungen leicht verkaufen. In der Industrie oder im Grosshandel ist das Factoring gängige Praxis. Schwieriger wird es für Unternehmen, die reine Dienstleistungen anbieten. Ob und zu welchen Konditionen Factoring-Anbieter in diesen Branchen Forderungen ankaufen, hängt von den einzelnen Anbietern ab. Oftmals kaufen die Dienstleister Forderungen nur an, wenn eine genaue Definition möglich ist.

Handelt es sich um offenes Factoring, bekommt der Kunde des Factoring-Nehmers Kenntnis von dem Forderungsverkauf. Das könnte der Kunde unter Umständen negativ bewerten und Zahlungsschwierigkeiten oder Liquiditätsengpässe vermuten. Im schlimmsten Fall hat das Factoring also Auswirkungen auf die weitere Zusammenarbeit.

 

Titelbild: Natee Meepian – shutterstock

Über Andrea Hauser

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen zählen noch immer zu meinen Steckenpferden. Angetrieben durch die Lust, Neues zu entdecken, arbeite ich mich gern in unbekannte Themengebiete ein und lasse mich schnell begeistern.

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen zählen noch immer zu meinen Steckenpferden. Angetrieben durch die Lust, Neues zu entdecken, arbeite ich mich gern in unbekannte Themengebiete ein und lasse mich schnell begeistern.


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