Die Börse hat geliefert – die Unternehmen müssen mit höheren Gewinnen nachziehen

06.01.2020 |  Von  |  Finanzen, News
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Die Börse hat geliefert – die Unternehmen müssen mit höheren Gewinnen nachziehen
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Rezessionen waren bis zur Finanzkrise 2008 ein normaler Bestandteil des Wirtschaftszyklus. Auf eine starke Konjunktur reagierten die Zentralbanken mit Zinserhöhungen, was früher oder später zu einer Abschwächung des BIP-Wachstums bis hin zu einer Schrumpfung der Wirtschaftstätigkeit geführt hat.

In der Folge wurden die Strukturen der Wirtschaft bereinigt und der Boden für neue Innovationen gelegt. Die Zentralbanken haben diese mit tieferen Zinsen unterstützt.

2019 war das beste Börsenjahr seit 2005. Viele Aktienindizes haben fast 30% zugelegt. Angetrieben wurde die gute Stimmung durch die Zinswende in den USA. Die drei Zinssenkungen der Fed nahmen den Anlegern die Angst vor einer Rezession, obschon die Industrie sowohl in den USA als auch in Europa unter den Strafzöllen und den fehlenden Investitionen litt. Während die Aktienkurse von Allzeithöchst zu Allzeithöchst stiegen, stagnierten die Gewinne der Unternehmen. Damit die hohen Aktienkurse gerechtfertigt sind, müssen die Firmen im 2020 mit höheren Gewinnen nachziehen.

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Steigende Unternehmensgewinne

Die Chancen dafür stehen nicht so schlecht, obschon die Mehrheit der Analysten auch für das neue Jahr mit stagnierenden oder im Falle Europas gar rückläufigen Gewinnen ausgeht. Einzig für die Schweizer Firmen werden höhere Gewinne als 2019 erwartet. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind besser als vor einem Jahr. Die konsumorientierte Wirtschaft in den USA profitiert vom weiterhin guten Arbeitsmarkt.

Steigende und vor allem sichere Einkommen lassen die Leute zugreifen. Die Zinssenkungen der Fed wirken sich ebenfalls positiv auf die Konjunktur aus, nicht zuletzt über ihre psychologische Wirkung als Förderer der Stimmung bei den Konsumenten und Unternehmen. Sollte der konjunkturelle Datenkranz schlechter werden, wird die Fed zudem nicht zögern, die Zinsen noch weiter zu senken. Die Firmen können notwendige Investitionen in einem unsicheren Umfeld zwar zurückstellen, aber nicht auf ewig. Ein Rebound der Konjunktur wird sich deshalb auch bei den Investitionen zeigen. Die Daten aus dem Industriesektor sind momentan noch nicht gut, deuten aber auf tiefem Niveau eine Trendwende nach oben an. Die anhaltende Konsumfreude der Amerikaner und ein besseres Investitionsklima werden auch positiv auf die Konjunktur in Europa abstrahlen.

Dividende +

Das neue Jahr wird an politischen Wirren nicht arm sein. Während sich die scheinbare endlose Brexit-Frage dem Ende zuneigt, steht uns der Präsidentschaftswahlkampf in den USA bevor. Wer am 3. November als Wahl- sieger gefeiert wird, ist offen. Sicher ist aber, dass der Wahlkampf hässlich wird. Sicher ist auch, dass Präsident Trump auf nichts Rücksicht nehmen wird, sollte er in Bedrängnis kommen. Da Strafzölle für ihn ein beliebtes Mittel sind, um seine Anhänger zu belohnen und seine Gegner zu bestrafen, wird in den nächsten Monaten diesbezüglich einiges auf die Finanzmärkte und die Firmen zukommen und immer wieder Unsicherheit schüren. Politische Risiken haben an den Finanz- märkten zum Glück eine kurze Halbwertszeit und beeinflussen in der Regel nur einzelne Firmen oder Sektoren. Wichtiger für den Gesamtmarkt ist die wirtschaftliche Entwicklung.

Wenn sich das Wachstum in der Wirtschaft belebt, wie ich es erwarte, werden die Unternehmen mit ihren Gewinnen die tiefen Erwartungen der Analysten mehrheitlich übertreffen. Das heisst nicht, dass die Aktienindizes erneut 20% zulegen werden. An den Börsen wird man jedoch zumindest die Dividenden verdienen können, im einen oder anderen Fall noch etwas mehr.

 

Titelbild: SmartPhotoLab – shutterstock.com

Über Dr. Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kunden-mandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.


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