Iran-Konflikt: Die Strasse von Hormuz hat ihre Drohkraft eingebüsst

20.05.2019 |  Von  |  Finanzen, News
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Iran-Konflikt: Die Strasse von Hormuz hat ihre Drohkraft eingebüsst
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Die USA und der Iran rasseln immer lauter mit ihren Säbeln. Die Iraner drohen mit der Schliessung der Strasse von Hormuz, dem engen Eingang in den Persischen Golf. Die Amerikaner ihrerseits schicken ihre medial stärkste Waffe, einen gigantischen Flugzeugträger, in den Persischen Golf. Vor zwanzig Jahren hätte das die Welt erzittern lassen. Der Ölpreis wäre in den Himmel gestiegen und die Aktienkurse im Boden versunken.

Und heute? Die Politiker zeigen sich besorgt, aber der Ölpreis bewegt sich nicht und die Aktienmärkte interessieren sich mehr dafür, was der US-Präsident über Twitter zu seiner „schönen Mauer“ und zu seinen „profitablen Strafzöllen“ zu sagen hat.

Sollte es effektiv zu einem militärischen Scharmützel an der Meerenge bei Hormuz kommen, die Iraner einen Tanker beschiessen und die Amerikaner mit der Zerstörung iranischer Stützpunkte antworten, werden die Märkte natürlich reagieren. Das Drehbuch dazu ist hinlänglich bekannt. Die Aktienmärkte verlieren ein paar Prozent, der Ölpreis steigt um ein paar Dollar, während die Flucht in die US-Treasuries und in den Schweizer Franken deren Kurse steigen lässt. Die Reaktion der Märkte wird aber nur von kurzer Dauer sein und sich rasch wieder korrigieren. Zum einen werden die Iraner nicht in der Lage sein, den Seeweg aus dem Persischen Golf über eine längere Zeit zu blockieren. Zum andern ist die Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom arabischen Öl nicht mehr so gross wie einst.

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Viele Alternativen zum arabischen Öl

Saudi-Arabien ist zwar einer der grössten und bezüglich der Veränderung der Förderkapazitäten flexibelsten Erdölproduzenten der Welt. Zusammen mit dem Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten fliesst immer noch sehr viel Öl durch die Strasse von Hormuz. Die Alternativen zum arabischen Öl sind jedoch grösser geworden. Russland hat Saudi-Arabien überholt und an der Spitze der Liste der grössten Erdölproduzenten stehen heute die USA selber. Seit Ende 2016 haben die Amerikaner ihren Erdölausstoss dank dem Fracking-Boom von 8.5 Mio. Fass auf über 12 Mio. Fass pro Tag erhöht.

Damit decken sie ihren eigenen Bedarf zu deutlich mehr als der Hälfte. Dazu kommt, dass die Erdöllager nach wie vor prall gefüllt sind. Die Lagerbestände in den USA betragen gut 450 Mio. Fass. Das sind 100 Mio. Fass mehr als in der Vergangenheit üblich war. Bei den anderen wichtigen Erdölnachfragern wie China oder Japan dürfte die Situation ähnlich sein. Eine Blockade der Strasse von Hormuz würde die Weltwirtschaft nicht stoppen.

Begrenzte Auswirkungen einer Krise auf die Weltwirtschaft

Die mittel- und langfristigen Auswirkungen einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran auf die Weltwirtschaft sind heute begrenzt. Deshalb würde ihr Einfluss auf die Finanzmärkte rasch abnehmen. Wie aus der Vergangenheit bei ähnlichen Vorfällen bekannt, wenden sich die Investoren rasch wieder anderen Ereignissen zu. Die plötzlichen Kursverluste bei den risikobehafteten Anlagen werden als Opportunitäten aufgefasst, wodurch der Preissturz der Aktien, aber auch der Anstieg des Frankens rasch korrigiert wird.

 

Titelbild: Manuel Neuhaus – shutterstock.com

Über Dr. Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kunden-mandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.


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