Zinspolitik der SNB – die Angst vor höheren Zinsen ist unbegründet

04.03.2019 |  Von  |  Finanzen, News
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Zinspolitik der SNB – die Angst vor höheren Zinsen ist unbegründet
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Die Nationalbank betont ununterbrochen, dass die negative Zinsdifferenz zum Euro notwendig ist, um eine Aufwertung des Frankens zu verhindern. Deshalb sei eine einseitige Anhebung der Zinsen in der Schweiz ohne einen Zinsschritt der EZB nicht möglich. Die Zinsdifferenz ist aber nur einer von vielen Faktoren, die die Entwicklung von Wechselkursen bestimmen.

Die Erfahrung mit dem Dollar und der Schwedischen Krone zeigt, dass der Effekt von einseitig höheren Zinsen schnell verpufft.

Als die Fed Ende 2015 erstmals ihre Zinsen anhob, sind die Prognosen für den Dollar in den Himmel geschossen. Ein Kurs von 1.20 zum Franken wurde als eine Frage der Zeit betitelt. Im Vorfeld der ersten Zinserhöhung hat der Dollar handels- gewichtet dann auch 4% zugelegt. Ein paar Monate später handelte er jedoch wieder auf dem Ausgangspunkt, nachdem sich die erste Zinserhöhung der Fed als Einzelereignis herausgestellt hatte.

Das gleiche passierte Ende 2016, als die Fed zu einem regelmässigen Zinserhöhungszyklus überging. Obschon die Zinsdifferenz zu den anderen Industrieländern immer grösser wurde, korrigierte der Dollar den Kursgewinn im Vorfeld und war Ende 2017 tiefer bewertet als ein Jahr zuvor. Nicht die höheren Zinsen der Amerikaner waren bei den Devisenhändlern das Thema, sondern die Euphorie für den Euro nach der Wahl Macrons zum französischen Präsidenten und die darauffolgende Aufbruch- stimmung in der Eurozone. Trotz deutlich höheren Zinsen hat sich der Dollar in den letzten Jahren insgesamt seitwärts bewegt.

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Beispiel Schweden

Eine ähnliche Entwicklung war zu beobachten, als die Schwedische Zentralbank im Dezember ihren Reposatz von -0.50% auf -0.25% erhöhte. Die Krone ist zum Euro knapp 2% teurer geworden. In der Zwischenzeit ist der Eurokurs aber höher als vor der Zinserhöhung. Dies obwohl in diesem Jahr weitere Zinserhöhungen in Schweden erwartet werden.

Jetzt kann man natürlich anmerken, dass der Dollar und die Schwedische Krone nicht mit dem Franken vergleichbar sind. Der Dollar ist zu gross für spekulative Attacken und die Schwedische Krone ist im Devisenmarkt ein Nebenschauplatz. Beim Franken ist das anders. Er findet internationale Beachtung und sein Handel ist für seine Bedeutung als sicherer Hafen zu klein. Deshalb ist der Franken ein ideales Ziel für Spekulanten.

Starker Franken – mit oder ohne Zinserhöhung

Deshalb wäre eine einseitige Zinserhöhung für die SNB eine heikle Aufgabe, die besonders im Vorfeld und bei der Ankündigung viel kommunikatives Feingefühl erfordert. Die erste Reaktion wäre auch klar: der Franken würde zum Euro zwei bis drei Rappen aufwerten. Der Devisenmarkt würde aber auch beim Franken rasch zur Normalität zurückkehren, da ein Zins von -0.50% oder später 0.00% die Carry-Traders nicht vom Hocker reisst. Die höheren Zinsen in der Schweiz würden rasch in der Flut der internationalen Finanzinformationen untergehen und vergessen. Eine dauerhafte und kontinuierliche Aufwertung des Frankens aufgrund der Zinsen ist unwahrscheinlich.

Der Franken hat seinen Mythos als sicherer Hafen nicht verloren. Die Gefahr einer starken Aufwertung kommt aber nicht von der Zinsseite her. Wichtiger ist das Ausbleiben grösserer Krisen, insbesondere in der Eurozone. Gegeben den stetigen Provokationen aus Italien, der politischen Instabilität in Frankreich und der anstehenden Nachfolgeregelung in Deutschland ist die Lage in der Eurozone alles andere als stabil. Die Gefahr einer starken Aufwertung des Frankens ist gegeben. Ob die Zinsen in der Schweiz auf dem heutigen Niveau oder höher sind, spielt dabei keine Rolle.

 

Titelbild: Pixeljoy – shutterstock.com

Über Dr. Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kunden-mandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.


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