Welche Faktoren führen zum Ende der Börsenhausse?

15.01.2018 |  Von  |  Finanzen, News
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Welche Faktoren führen zum Ende der Börsenhausse?
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Die aktuelle Börsenhausse dauert nun schon fast neun Jahre. Der S&P 500 ist in dieser Zeit um fast 300% gestiegen. Der Swiss Performance Index hat ebenfalls rund 200% zugelegt.

Ein Ende der Hausse ist nicht in Sicht, zumindest wenn man die Mehrheit der Prognosen und das aktuelle Verhalten der Anleger betrachtet. Der Bullenmarkt wird aber nicht ewig weitergehen. Was sind die möglichen Faktoren, die die Stimmung an den Börsen drehen können?

Die letzten Börsenkrisen wurden durch das Platzen von Blasen ausgelöst. 2000 waren es die Dot-Com-Aktien, 2008 die Produkte mit verbrieften Subprime-Hypotheken.

Ähnliche Bewertungsexzesse sind heute nicht zu erkennen, wenn man vom Hype um die Kryptowährungen absieht. Die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen ist mit 750 Mrd. Dollar jedoch zu klein, um bei einem massiven Kurseinbruch den gleichen Dominoeffekt auszulösen wie die Subprime-Hypotheken oder die Dot-Com-Aktien. Zudem platzen Blasen an den Börsen erst, wenn das wirtschaftliche Umfeld schlechter wird und die US-Wirtschaft in eine Rezession abdriftet.

Politische Risiken

Eine Alternative zum Platzen von Blasen ist die Eskalation von politischen Risiken. Das Feld möglicher Kandidaten ist gross und reicht von einer Konfrontation mit Nordkorea über protektionistische Strafzöllen bis zu einer Verfassungskrise in den USA, sollte der Sonderermittler Mueller den Präsidenten direkt anklagen. Politische Risiken haben das Potenzial, die Aktienkurse kurzfristig um bis zu 10% nach unten zu treiben. Damit sie die Stimmung an den Märkten aber langfristig drehen können, müssen sie die Weltwirtschaft nachhaltig negativ beeinflussen. Das haben die wenigsten politischen Ereignisse, wie das Beispiel des Brexit gezeigt hat.

US-Konjunktur

Der wahrscheinlichste Auslöser für das Ende der Börsenhausse ist der klassische Konjunkturzyklus. Die US-Wirtschaft ist den anderen Volkswirtschaften im Zyklus voraus und wird sich deshalb als erste dem zyklischen Boom nähern. Die Aktienkurse werden dann beginnen, den kommenden Abschwung und die damit verbundenen tieferen Unternehmensgewinne zu antizipieren. Sinkende Kurse trotz optisch guten Wirtschaftsdaten sind die Folge. Da die US-Wirtschaft für die Unternehmen weltweit ein zentraler Faktor ist, wird sich das Ende der Börsenhausse auch auf die Märkte in Europa und Asien übertragen.

„Boom-Risiko“

Wann dies der Fall sein wird, wissen wir heute nicht. Wir sehen jedoch, dass drei von vier von uns verfolgte Kriterien für einen Boom in den USA erfüllt sind. Die kurzfristigen Zinsen steigen und die Zinskurve hat sich deutlich verflacht. Der Arbeitsmarkt ist mit einer Arbeitslosenrate von 4.1% gesättigt, was sich auch bei der grossen Zahl von offenen Stellen zeigt. Die Rohwarenpreise steigen seit ein paar Monaten deutlich an, allen voran die Energiepreise.

Das fehlende Kriterium ist ein zunehmender Inflations-druck. Die Kernrate der persönlichen Konsumausgaben steigt mit 1.5% weniger stark als die von der Fed angepeilten 2%. Ein steigender Trend ist nicht zu erkennen. Als Anleger wird man in den nächsten Monaten die Inflationsentwicklung in den USA besonders genau verfolgen müssen. Nimmt der Inflationsdruck zu, wird die Fed stärkere Zinserhö-hungen beschliessen. Die Börsen werden darauf negativ reagieren und die gute Stimmung der Anleger wird der Angst vor einer Rezession weichen.

 

Artikelbild: seewhatmitchsee – shutterstock.com

Über Dr. Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kunden-mandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.



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