Wie gefährlich ist der Börsencrash in China?

13.07.2015 |  Von  |  Finanzen
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Wie gefährlich ist der Börsencrash in China?
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Der Börsencrash in China macht deutlich, wie fragil die wirtschaftlichen Grundlagen des Schwellenlandes sind. Offensichtlich ist, dass das chinesische Wachstumsmodell an seine Grenzen stösst. Für die Weltwirtschaft könnte das Debakel an den chinesischen Börsen fatale Folgen haben.

Über der Griechenland-Debatte und der wachsenden Wahrscheinlichkeit des „Grexits“ hat die Öffentlichkeit die Entwicklungen in China derzeit etwas aus dem Blick verloren. Dabei schwächelt die Konjunktur im „Reich der Mitte“ bereits seit dem Jahreswechsel, Marktbeobachter warnen seit Längerem vor massiv überbewerteten Aktien und einem Börsencrash. Zur Realität wurde dieser in der vergangenen Woche. Zwar konnten massive Interventionen der chinesischen Regierung den Verfall der Aktienindizes vorerst stoppen, das Worst-Case-Szenario ist damit möglicherweise jedoch noch lange nicht erreicht.

Rezession in China – mit unabsehbaren Folgen für die globale Konjunktur

Der Abwärtstrend an Chinas Börsen zeichnete sich bereits seit dem 12. Juni ab, der Kursverfall war seitdem nicht zu stoppen. An der Börse in Shanghai haben die Aktien chinesischer Unternehmen seitdem über 30 % an Wert verloren und am stärker technologieorientierten Handelsplatz Shenzhen sogar die 40-%-Marke überschritten. Die internationalen Märkte reagierten darauf bisher zwar nicht mit dramatischen Turbulenzen, zudem ist derzeit kaum auszumachen, ob das Tauziehen um Griechenland oder die Börsenentwicklung in China auf aktuelle Kursbewegungen den grösseren Einfluss haben.

Problematisch für die Weltwirtschaft wird es jedoch, wenn der aktuelle Börsentrend auf die chinesische Realwirtschaft in voller Härte durchschlägt – der Zeitpunkt dafür scheint sehr absehbar. In den vergangenen Jahren hat sich China zu einem ernst zu nehmenden Handelspartner für die europäische und auch die eidgenössische Exportwirtschaft entwickelt. Die Schweizer Wirtschaft hat bereits jetzt unter der schwachen chinesischen Konjunktur und einem entsprechend schrumpfenden Exportaufkommen zu leiden. Wenn China in die Rezession fällt, würde dies auch die globale Konjunktur empfindlich treffen.



Konjunkturpaket aus Peking im Wert von 39 Milliarden Franken

Seit Ende Juni hat die chinesische Regierung durch verschiedene Massnahmen versucht, die Panik an der Börse einzudämmen. Ihr bislang letzter Schritt in dieser Hinsicht bestand in der Verabschiedung eines Konjunkturpakets, das umgerechnet knapp 39 Milliarden Franken in die chinesische Wirtschaft pumpen soll. Das Geld soll in notleidende Wirtschaftsbereiche und vor allem in Infrastrukturprojekte fliessen. Peking reagierte damit am vergangenen Mittwoch auf einen weiteren massiven Kurssturz, der den Wert chinesischer Aktien nochmals um 8 % nach unten trieb. Einen weiteren Kursverfall konnte die Regierung hierdurch vorerst stoppen. Angenommen werden darf, dass sie sich auch bewusst ist, dass die aktuellen Probleme zu grossen Teilen hausgemacht sind.

Der Aktienmarkt in China – bisher eine staatlich kontrollierte Geldmaschine

Bisher betrachtete Peking den Börsenhandel nicht zuletzt als ein Instrument, um staatliche Unternehmen durch Neuemissionen mit frischen Kapital zu versorgen oder ihre Schuldenlast zu senken. Dass dieses Modell nicht ewig funktionieren kann, war den meisten Experten ebenso wie die manifeste Blasenbildung auch schon vor den Entwicklungen der letzten Wochen klar. Strittig war dagegen der Zeitpunkt, wann den chinesischen Börsen die Luft ausgehen würde.

Einige Prognosen gingen sogar davon aus, dass der Aktienboom in China noch bis zu zwei Jahren fortdauern könnte. Die Analysten offenbarten damit auch, dass sie den Glauben an die „Allmacht“ eines starken Staates mit der politischen Führung in Peking teilten – immerhin hatte diese seit Anfang 2014 an den chinesischen Börsen für einen permanenten Höhenflug gesorgt. Der Aktienmarkt in China galt bisher als eine staatlich kontrollierte Geldmaschine, von der sowohl die Unternehmen als auch Privatanleger profitierten.

Kreditfinanzierte Aktienkäufe – Ruin für viele private Kleinanleger

Dass die Aktienvermögen und die ihnen zugrunde liegende Wirtschaftsleistung zu grossen Teilen nur noch auf dem Papier existierten, war zumindest unter den institutionellen Investoren angesichts der schwächelnden Realwirtschaft ein offenes Geheimnis. Der Ausstieg einiger Grossinvestoren bewirkte Mitte Juni den Beginn der Baisse und in der Folge offene Panik, die auch immer mehr Privatanleger dazu brachte, ihre Papiere abzustossen.

Trotzdem trifft der Börsencrash die privaten Kleinanleger in besonders hohem Masse. Während des Booms hatte die Regierung ihre Bürger ermutigt, massenhaft Aktien zu kaufen. Viele von ihnen haben ihre Spekulationen an der Börse mit Krediten finanziert, die ihnen die Banken nur allzu grosszügig gewährten und stehen jetzt vor dem Ruin. Etwa ein Drittel der neuen Wertpapierbesitzer ist in seiner Bildung über die achtjährige Pflichtschule nicht hinausgekommen.

Das Vertrauen der Chinesen in ihr politisches System könnte der Börsencrash nachhaltiger erschüttern, als es die Finanz- und Wirtschaftskrise bei den Bürgern der westlichen Länder getan hat. Viele gebildete Chinesen reagieren derzeit zornig auf das Versagen der Regierung, deren Intervention schon vor Wochen gefragt gewesen war und fordern, dass die politisch Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden müssen.


Der Börsencrash in China macht deutlich, wie fragil die wirtschaftlichen Grundlagen des Schwellenlandes sind. (Bild: Rawpixel – shutterstock.com)

Der Börsencrash in China macht deutlich, wie fragil die wirtschaftlichen Grundlagen des Schwellenlandes sind. (Bild: Rawpixel – shutterstock.com)


Stösst der chinesische Staatskapitalismus an seine Grenzen?

Das wirtschaftspolitische Konzept der chinesischen Regierung ist seit dem Beginn der 1980er Jahre so wirkungsvoll wie simpel: Die politische Führung fördert so viel Kapitalismus wie nötig ist, um die Wirtschaftskraft des Landes zu entwickeln und die Herrschaft der Partei zu sichern. Die Öffnung der Märkte und die Flexibilisierung der ökonomischen Strukturen waren niemals Selbstzweck oder Ausdruck einer inneren Überzeugung, sondern ein Instrument zum Machterhalt der Funktionäre. Erfolgreich waren letztere mit dieser Politik über einen unerwartet langen Zeitraum: China ist längst nicht mehr in erster Linie die „Fabrik der Welt“, sondern mindestens eine wirtschaftliche Regionalmacht und in mehr als einer Branche ein relevanter Wettbewerber. Der chinesische Renminbi war zumindest bisher auf dem Weg, zu einer globalen Reservewährung aufzusteigen. Die Grenzen dieses Wachstumsmodells könnten jedoch jetzt erreicht sein.

Die gerade freigegebenen Milliarden zur Ankurbelung der Konjunktur widersprechen eigentlich dem aktuellen chinesischen Konzept, vor allem den Konsum zu fördern. Einerseits erwartet die neue chinesische Mittelschicht diese Form der Partizipation – und damit auch soziale Aufstiegsmöglichkeiten und die entsprechenden Gehälter. Andererseits haben sich die staatlichen Investitionsprogramme für die Wirtschaft bisher oft als wenig effektiv erwiesen – so stampften Staatsbetriebe auf Staatskosten neue Geisterstädte aus dem Boden.

Das neue Konjunkturprogramm könnte die gleichen Folgen nach sich ziehen. Der Trend an Chinas Börsen hat sich schon lange von der realen Wirtschaft abgekoppelt, da die grossen chinesischen Investoren nicht der Ratio des Marktes folgen, sondern den wirtschaftlichen Richtlinien der Partei vertrauen.



Kollision von Parteistaat und Marktdynamik – Ausgangspunkt für die nächste grosse Krise?

Trotzdem hat die chinesische Wirtschaft die Turbulenzen der vergangenen Jahre erstaunlich gut gemeistert, auch die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise überstand das Land ohne grössere Blessuren. Der Börsencrash der vergangenen Woche hat – möglicherweise – eine neue Qualität: Peking kann seine Börsen und als Konsequenz daraus seine Volkswirtschaft nicht mehr nach Belieben steuern. Kapitalismus bedeutet in letzter Konsequenz auch, dass die Marktkräfte obsiegen könnten.

Die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen eines solchen Kontrollverlustes der autoritären Führung sind heute allenfalls ansatzweise absehbar. Sandra Hepp vom Berliner China-Institut Merics formuliert es so, dass der Parteistaat dabei ist, gegen die Märkte zu verlieren. Auch die wirtschaftlichen Reformen in China sind durch den Börsencrash bedroht, beispielsweise dürften die Verluste der Kleinanleger die Kaufkraft auf dem Binnenmarkt beträchtlich schwächen.

Fakt ist, dass die chinesische Regierung bereits so gut wie alle Massnahmen zur Marktbeeinflussung unternommen hat, die ihr zur Verfügung stehen – Erfolge konnte sie damit allenfalls für begrenzte Zeit erzielen, in den vergangenen Wochen half dann gar nichts mehr. Wenn auch das Konjunkturprogramm wirkungslos verpufft, könnte in China die nächste grosse Wirtschaftskrise ihren Anfang nehmen.

 

Oberstes Bild: William Potter – shutterstock.com



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