Perfektion oder Innovation?

21.05.2015 |  Von  |  Allgemein
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Perfektion oder Innovation?
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Die meisten von uns sind professionelle Fehlerdetektive und Jäger der Perfektion. Perfekte Arbeit, ausgefeilte Reden und tadelloser Service lassen uns in positivem Licht erscheinen.

Ein Fehler, der ans Tageslicht kommt, ist ein schwarzer Fleck auf einer sonst so weissen Weste.

Natürlich ist Perfektion grossartig, aber dennoch nicht immer notwendig und manchmal sogar schädlich.

Vor einiger Zeit habe ich in einer Zeitung ein Interview gelesen, das mit einem Professor für Arbeitspsychologie geführt wurde. Er behauptet – nicht zu Unrecht wie wir gleich sehen – dass Fehler Geheimnisse bergen, die es zu entdecken gilt. Wir müssen also aus unseren Fehlern lernen.

Ja, das wussten Sie schon. Dennoch ist dieses Statement ein Grund, sich unsere Fehlerkultur etwas genauer anzusehen.

Taucht ein Fehler auf, tendieren wir dazu, einen Schuldigen zu finden, den Fehler einem Umstand zuzuschieben und dergleichen mehr. Sie wissen, was ich meine. Und es ist Ihnen auch klar, dass dieses Verhalten niemandem weiterhilft, uns aber daran hindert, aus den Fehlern auch wirklich zu lernen.

Das Allerwichtigste, was mir dieses Interview klar gemacht hat, ist, dass Fehler machen ein Teil der menschlichen Natur ist. Anders ausgedrückt ist Perfektion sozusagen widernatürlich. Wir können einzelne Fehler zwar korrigieren, aber nicht verhindern, dass wir neue machen.

Weiterhin hat nicht jeder Fehler ein Geheimnis, das wir lüften müssen. Manchmal erinnert er uns nur daran, uns besser zu konzentrieren.

Konsequenz gegen Fehler

Es gibt in der Tat Gebiete, in denen selbst der kleinste Fehler zu einer Katastrophe führen kann. Der Chirurg sollte eine ruhige Hand und das Skalpell im Griff haben und ein Pilot flugtauglich sein (was es bedeutet, wenn er es nicht ist, haben wir vor ein paar Wochen demonstriert bekommen).

Obwohl Irrtümer und Unfälle passieren – weil sie eben zur menschlichen Natur gehören – gibt es in einigen Industrien festgelegte Prozesse und Technologien, um möglichst vielen Fehlern vorzubeugen.

Vor dem Start eines Flugzeugs geht der Captain eine festgelegte Checkliste durch und nach der Landung hat die Crew ein sogenanntes Debriefing, in dessen Verlauf Unregelmässigkeiten aufgelistet werden und entschieden wird, welche davon der entsprechenden Behörde gemeldet werden muss. Einige Fehler müssen zwar nicht gemeldet werden, benötigen aber dennoch eine Korrektur.

Die Autoindustrie hat beispielsweise Technologien wie Airbags entwickelt.

Hilfreiche Fehler

Genauigkeit ist hilfreich, um gute Resultate zu erzielen, sprich Fehler zu verhindern. Allerdings ist sie für jede Innovation Gift. Wenn wir etwas Neues ausprobieren oder gar etwas erfinden, ist das Ergebnis niemals perfekt. Eine Erfindung benötigt vielleicht Hunderte von Iterationen und jeder Fehler ist ein Schritt zur Perfektion.

Edison hat es so ausgedrückt: „Ich habe nicht versagt, sondern nur 10’000 Wege gefunden, die nicht funktionierten.“

Wenn wir etwas Neues wollen, müssen wir den Mut zum Scheitern aufbringen.



Fazit

Falls es so aussieht, als ob ich Fehler heilig sprechen wollte, ist das auch ein Fehler. Das will ich wirklich nicht.

Allerdings bin ich zum Schluss gekommen, dass wir wählen müssen, wann und ob wir wirklich Perfektion brauchen und wann wir Fehler tolerieren wollen oder gar müssen.

Nur deshalb, weil wir Fehler machen, sind wir nicht defekt, sondern menschlich.

 

Oberstes Bild: © kkays2 – shutterstock.com

Über Brigitte Kobi

Ich bin die Inhaberin des Blogs «Leadership & Lipstick», dessen Thema stylishe Kommunikation ist, die sich an Unternehmer, KMU, Start-ups und Blogger richtet.


Wenn ich mich selbst in einem Satz beschreiben müsste, würde ich sagen: «Ich besitze ein sonniges Gemüt und einen schwarzen Humor. »


Menschen und Kommunikation sind mir fast so wichtig, wie die Luft, die ich atme. Ich liebe es, Neues zu entdecken, schreibe (und rede natürlich) mit Begeisterung. Vermutlich spreche ich deshalb fliessend Deutsch, Englisch und Französisch.


Ferner, bin ich fasziniert und ausgebildet in Philosophie, während die Hedonistin in mir eine Schwäche für Design, Mode, Kunst und italienische Oper hat.


Ach ja: Nebst meinem Blog bin ich auf Kommunikation, Turnaround-Management und Business Development spezialisiert.


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