Raus aus dem konventionellen Arbeitsleben! Interview mit der digitalen Nomadin Felicia Hargarten

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Raus aus dem konventionellen Arbeitsleben! Interview mit der digitalen Nomadin Felicia Hargarten
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Digitales Nomadentum hat für immer mehr Menschen einen besonderen Reiz. Was macht diesen Lebensstil, bei dem Arbeiten und Reisen miteinander verbunden werden, so attraktiv und wie lässt er sich konkret umsetzen?

Hierzu führten wir ein interessantes Interview mit Felicia Hargarten, die den Backpacking & Adventure Travel Blog Travelicia führt sowie zusammen mit ihrem Freund Marcus Meurer die DNX Berlin & DNX GLOBAL organisiert.

  1. Womit bestreitest du deinen Lebensunterhalt?

Ich verdiene mein Geld auf verschiedenen Wegen.

Als erste Dienstleistung haben mein Freund Marcus und ich als Team die Erstellung von Websites angeboten sowie Consulting im Online-Marketing. Wir haben beide jahrelange Erfahrungen aus der Festanstellung sowohl im Online- als auch Offline-Marketing von Internetunternehmen.

Wir ergänzen uns sehr gut. Ich übernehme dabei zum Beispiel die Kundenkommunikation, WordPress-Schulungen oder das Logo-Design etc. Marcus hat für den technischen Part den Hut auf. Nach und nach haben wir uns dann ein ortsunabhängiges Team aus Freelancern aufgebaut, das uns bei der Abwicklung von Aufträgen unterstützt.

Parallel dazu ist mein Backpacking- und Adventure-Travel-Blog Travelicia (www.travelicia.de) rasant gewachsen, so dass wir gute Umsätze mit Affiliate-Marketing und anderen Kooperationen mit Firmen machen. Momentan arbeite ich an einem eBook, das bald über den Blog verkauft wird. Im letzten Jahr habe ich auch Seminare zum Thema „Solo-Reisen“ gegeben, und wir werden immer wieder für bezahlte Vorträge oder TV Auftritte angefragt.

Dazu kommen unsere beiden DNX Events, die DNX Berlin (www.dnx-berlin.de) sowie unser englischsprachiges Event, die DNX GLOBAL (www.dnxglobal.com).

Mittlerweile wird es so viel, dass wir nicht mehr alle Kundenaufträge annehmen.

  1. Felicia, wann und wie hast du zum ersten Mal vom Begriff „digitaler Nomade“ gehört?

Wenn ich das noch genau wüsste. Innerhalb von nur ein paar Monaten passiert bei mir meist so viel, dass ich mich noch nicht mal mehr erinnern kann, was vor ein paar Wochen war. Ich bin eher versehentlich in das Thema „reingeschlittert“. Ich habe viele Jahre in Internet-Unternehmen im Bereich Marketing gearbeitet, bevor ich beschlossen habe, eine Auszeit zu nehmen. Eigentlich wollte ich danach einmal in meinem Leben auf einem Kreuzfahrtschiff im Bereich Landausflüge oder Events arbeiten und hatte dafür sogar schon einen Vertrag unterschrieben. Vor dem Start des Vertrages war ich allerdings noch in Südostasien unterwegs.

Dort bin ich, inspiriert von einem eBook, auf die Idee gekommen, dass ich mich mit meinem Knowhow auch selbständig machen könnte, um damit flexibler in Bezug auf den Arbeitsort und Arbeitszeiten zu werden. Mein grösstes Verlangen war nämlich nicht, gar nicht mehr zu arbeiten, sondern selbstbestimmter zu sein. Auf einem Kreuzfahrtschiff wäre ich zwar unterwegs, aber eher nicht selbstbestimmt gewesen.

Noch am Tag danach habe ich angefangen, mir Gedanken zu machen, womit ich mein Geld verdienen kann. Dazu habe ich mir die Fragen gestellt: Was kann ich gut? Was ist mein Background? Was mache ich gerne? Wofür gibt es eine Nachfrage?

Auf den Begriff des „digitalen Nomaden“ bin ich erst einige Zeit später gestossen, als ich mich mit anderen ortsunabhängigen Selbständigen vernetzt habe.

  1. Aus welchen Gründen hast du dich dafür entschieden, aus dem „normalen” Berufsleben auszusteigen?

Mein Job war abwechslungsreich, aber auch sehr stressig. Zu der Zeit, wo ich ausgestiegen bin, habe ich mich schon leicht ausgebrannt gefühlt. Ich habe zahlreiche Messen, Konferenzen und Events weltweit organisiert und war auch selbst vor Ort.

Zunächst habe ich erst an einen Jobwechsel gedacht. Dann ist das Ganze aber ungeplant in eine andere Richtung gelaufen.

  1. Hattest du keine Angst, aus dem „normalen” Berufsleben auszusteigen?

Oh doch. Ich bin sogar ein absoluter Sicherheitsdenker, auch wenn man es kaum glauben mag. Aus diesem Grunde habe ich mir einen finanziellen Puffer angespart und meine laufenden Kosten am Anfang extrem runtergeschraubt.

Ausserdem habe ich mir immer wieder den „worst case“ vor Augen gehalten: Was machst du, wenn es nicht klappt? Müsste ich dann unter der Brücke schlafen und verhungern?

Wohl eher nicht. Ich würde mir wieder einen Job suchen, und wenn es im Café wäre. Da ich immerhin drei Abschlüsse (Fremdsprachenassistentin, Veranstaltungskauffrau und Betriebswirtin) und knapp 7 Jahre Berufserfahrung habe, würde das wohl irgendwie gehen.

Angst hatte ich auch vor der Bürokratie: Gewerbe anmelden, welche Krankenkasse wähle ich, was ist mit Altersvorsorge usw. Da ich sehr perfektionistisch bin, habe ich angefangen, alle nur erdenklichen Szenarien zu vergleichen und auszurechnen.

Ich hatte lange Zeit auch Sorge, als Selbständige nicht genug Geld zu verdienen. Diese Sorgen haben sich aber zum Glück mit der Zeit erledigt, als ich gemerkt habe: Es klappt, und meine Einnahmen steigern sich sogar!

Dabei habe ich von vornherein sehr vorausschauend agiert. Die monatlichen Einnahmen in der Selbständigkeit schwanken. Wenn ich mehr verdiene, als ich brauche, lege ich es für schlechtere Monate zurück oder für Monate, in denen ich mal unterwegs bin und weniger arbeiten möchte.

  1. Wie hast du dich auf dein Nomadentum vorbereitet und was waren die grössten Anfangsschwierigkeiten? 

Ich habe einfach Step by Step die anfallenden Probleme oder Schwierigkeiten gelöst. Am Anfang habe ich mich viel zu viel mit unwichtigen Dingen beschäftigt wie der Bürokratie, Design, Visitenkarten usw., anstelle nach Kunden zu suchen und Geld zu verdienen.

Dann war ich geprägt durch meine Firmenlaufbahn – anfangs noch viel zu kompliziert. Professionell zu sein ist wichtig, allerdings kann einem das auch manchmal im Weg stehen. Lerne, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden! Keep it short and simpel!

  1. Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Mein Tag variiert ein wenig, je nachdem, ob ich in meiner „Homebase“ Berlin oder im Ausland unterwegs bin. Dennoch habe ich eine feste Morgenroutine.

Ich stehe gegen 8:00 Uhr auf und frühstücke jeden Morgen Müsli mit einem grünen Tee.
Dabei fülle ich mein „Daily Journal“ aus mit den Fragen:

  1. Wofür bist du dankbar?
  2. Was würde den Tag heute zu einem tollen Tag machen?
  3. Daily Affirmation: Worin bin ich gut? Ich bin ein/e gute/r XY.

Danach meditiere ich 10 Minuten mit der App Headspace. Bevor ich in meine E-Mails oder Social Media gehe, mache ich meinen MIT: die wichtigste Aufgabe des Tages (most important task of the day). Die habe ich schon am Vorabend festgelegt und in mein Notizbuch geschrieben.

Hin und wieder mache ich auch die 7-Minuten-Sport-App. Gerade in Berlin gehe ich aber auch abends zum Sport.

Alles nach dem MIT ist sehr unterschiedlich und tagesabhängig. Habe ich einen Skype-Termin oder ein Treffen mit jemanden? Scheint die Sonne und will ich draussen etwas erleben? Mache ich einen Ausflug oder nehme ich eine Kitesurfing-Stunde? Koche ich etwas?

Ich habe bemerkt, dass nach maximal 4 Stunden meine Konzentration nachlässt. Dann fokussiere mich also gerne auf etwas anderes und mache danach mit anfallenden Aufgaben weiter.

Meine Morgenroutine gilt übrigens nicht für Samstag und Sonntag. Insbesondere sonntags arbeite ich aber auch schon einmal gerne. Da kommen so wenige E-Mails rein und du hast deine Ruhe.


Mar­cus und Feli­cia auf ihrem DNX Event. (Bild: © Feli­cia Hargarten)

Mar­cus und Feli­cia auf ihrem DNX Event. (Bild: © Feli­cia Hargarten)


  1. Als digitale Nomadin bist du auf eine funktionierende Internetverbindung angewiesen. Wie sieht es damit in Ländern wie Belize, Honduras oder den Philippinen aus? 

Ganz klar gibt es Länder, in denen die Situation besser oder schlechter ist. Generell hole ich mir als Back-up immer auch noch eine lokale SIM-Karte mit Datentarif, um unabhängig vom WLAN zu sein.

Wenn du Kunden hast, musst du natürlich unbedingt auf eine gute Verbindung achten oder jemanden im Team haben, der im Notfall einspringen kann.

Gut ist auch, dass du im Zweifelsfall auch mal ohne Internet arbeiten kannst. Beispiele: ein eBook schreiben, eMailings vorformulieren oder E-Mails und Artikel lesen, die du vorher in der App „Pocket“ gespeichert hast, Blogartikel schreiben, am Business arbeiten statt im Business (Strategie planen) usw.

  1. Welche Aspekte schätzt du am meisten am Dasein als digitale Nomadin?

Ich schätze sehr, dass ich meine Reiseleidenschaft ausleben kann. Ausserdem sind alle digitale Nomaden, die ich bisher getroffen habe, voll auf meiner Wellenlänge. Ich habe sehr viele coole neue Kontakte und Freunde dadurch gewonnen.

Ich mag die vielen Herausforderungen und Möglichkeiten, die das digitale Nomadentum mit sich bringt. Außerdem inspiriert es mich immer wieder, an neuen Orten zu arbeiten.

Gut finde ich auch, dass man seine Interessen zu mehreren Themen ausleben kann. Das nächste Business, das ich starte, hat sicher irgendetwas mit Sport zu tun.

  1. Welche Tools und welche Hardware sind unerlässlich für deine Arbeit und deinen Lifestyle?

Was ich immer dabei habe, ist mein Mac Book Air 11’’ und mein iPhone. Zum Filmen habe ich ausserdem eine GoPro dabei mit Stab und Rotfilter für Unterwasseraufnahmen beim Tauchen. Zum Fotografieren habe ich die Canon Powershot dabei. Weiteres Equipment sind Kopfhörer, ein Weltadapter und ein Dreifachstecker.

Meine wichtigsten Tools:

  • Google Kalender
  • Wunderlist
  • Skype
  • Google Drive
  • WordPress
  • iMovie
  • Self Control
  • Pixl, Canva und Photo Bulk
  • Mailchimp
  • Dropbox
  1. An welchem Ort ausserhalb der Heimat kannst Du am produktivsten arbeiten?

Gott sei Dank bin ich da recht schmerzfrei. Ich kann an vielen Orten gut arbeiten. Auch an Flughäfen.

Ideal sind natürlich Co-Working Spaces, die es mittlerweile rund um die Welt gibt. Hier hast du eine funktionierende Internetverbindung und einen ordentlichen Schreibtisch.

In Cafés arbeite ich aber auch immer wieder mal gerne.

  1. Welche Tipps würdet ihr jemandem geben, der seinen 9-to-5-Job an den Nagel hängen will?

Wenn es irgendwie möglich ist, würde ich versuchen, erstmal eine Auszeit zu nehmen, zum Beispiel unbezahlten Urlaub oder ein Sabbattical. Manche Menschen müssen einfach mal raus, freuen sich danach dann aber auch wieder, wenn sie zuhause sind. Mit neuer Motivation lässt sich dann auch eine Veränderung viel einfacher umsetzen: zum Beispiel ein Jobwechsel.

Wenn du der Typ dafür bist, kannst du natürlich auch kündigen und ohne Plan losziehen. Dafür ist es auf jeden Fall gut, wenn du dir einen Geldpuffer ansparst.

Vertraue darauf, dass dir die richtige Idee unterwegs kommt, was du danach machst. Wenn du eine ganze Zeit lang einfach nur reist oder tust, was du willst, kommt nach meiner Erfahrung an einem Punkt dein innerer Antrieb zum Vorschein.

Worauf hast du richtig Bock? Daraus kannst du in der Regel viel machen.

  1. Lass uns abschliessend auf die Konferenz DNX eingehen. Welche Gründe haben euch bewogen, eine Veranstaltung für digitale Nomaden ins Leben zu rufen?

Eigentlich hat uns die „Nachfrage“ von aussen dazu bewogen, die DNX, die erste Konferenz zum Thema ortsunabhängiges Arbeiten, zu starten. Wir haben einfach gemerkt, wie sehr dieser Lebensstil andere Menschen interessiert und dass viele aus einem konventionellen Leben raus möchten.

Die Idee, ein Event zu machen, kam einmal daher, dass wir guten Zugang zur Szene haben. Sicherlich hat aber auch meine Vergangenheit eine Rolle gespielt. Wie schon erzählt, habe ich viele Jahre als Eventmanagerin gearbeitet. Ich weiss also nicht nur, wie man so eine Konferenz organisiert, sondern habe auch noch Spass daran.

Da wir viel Erfahrung im Online-Marketing haben, haben uns auch die Leute da draussen genervt, die anderen erzählen wollen, dass man im Internet über Nacht reich wird. Unser Anspruch ist es dagegen, allen da draussen ehrliche und authentische Informationen zu geben.

Reisen und Arbeiten zu verbinden, ist einfach nicht so „easy“, wie es sich die meisten erträumen. Trotzdem sind die Möglichkeiten, sich im Internet ein eigenes Business oder einen eigenen „Brand“ aufzubauen, besser als jemals zuvor.



Ob es dann jemand schafft, hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem aber auch vom Durchhaltevermögen.

 

Oberstes Bild: © Felicia Hargarten

Über Felicia Hargarten

Felicia Hargarten ist Bloggerin, Online Unternehmerin und Gründerin der DNX – Digitale Nomaden Konferenz. Ihre Reiseerlebnisse kannst du live auf ihrem Backpacking und Adventure Travel Blog Travelicia (www.travelicia.de) verfolgen. Ihr Motto ist: You only live once but if you do it right once is enough.



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