Aktienanlage wissenschaftlich – so funktioniert’s!

09.03.2015 |  Von  |  Finanzen
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Aktienanlage wissenschaftlich – so funktioniert’s!
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Angesichts von Zinsen nahe oder bei null Prozent sind Anlagealternativen zum herkömmlichen Sparkonto, Fest- oder Tagesgeld gefragt. Immer wieder wird dabei auf Aktien als rentable Möglichkeit hingewiesen.

Doch viele konservative Sparer scheuen das Risiko von Kursschwankungen und möglichen Verlusten. Viele Ängste in diesem Zusammenhang sind allerdings unbegründet, wenn Sie an der Börse nicht auf Spekulation, sondern auf langfristigen Vermögensaufbau setzen.

Denn auch auf lange Sicht bringen Aktien eindeutig bessere Renditen als andere Anlageformen. Das belegen statistische Untersuchungen immer wieder. Wenn man zum Beispiel Zeiträume von dreissig Jahren zugrunde legt, schneiden Aktieninvestments im Rückblick mit einer durchschnittlichen Rendite zwischen acht und elf Prozent pro Jahr ab – das ist mit verzinslichen Bankeinlagen nie zu erreichen gewesen.

Höhere Rendite für höheres Risiko

Dass Aktien perspektivisch rentabler sind als verzinsliche Anlagen, lässt sich wissenschaftlich begründen. Denn mit der höheren Rendite wird das durch die Kursvolatilität bedingte höhere Risiko abgegolten. Der Anleger erhält über den Markt quasi eine Prämie für das übernommene Risiko. Allerdings wird nur dasjenige Risiko entgolten, das sich nicht durch Streuung vermeiden lässt. In diesem Zusammenhang wird auch vom systematischen Risiko oder Marktrisiko gesprochen.

Unsystematische oder aktienspezifische Risiken werden dagegen nicht entschädigt.

Hinter dieser Erkenntnis steht die sogenannte Portfolio-Theorie, die in den 1950er Jahren von dem amerikanischen Ökonomen Harry Markowitz entwickelt wurde. Er konnte nachweisen, dass es für einen Investor immer suboptimal ist, auf Risikostreuung zu verzichten, weil er damit entweder bei gleichem Risiko eine schlechtere Rendite in Kauf nimmt oder bei gleicher Rendite ein höheres Risiko eingeht. Beide Zustände sind schlechter als das Ergebnis bei Risikostreuung. 

Grundlegend: das Capital Asset Pricing Model

Diese Portfolio-Theorie wurde später zu einem allgemeinen Marktmodell für die Bewertung von Wertpapieren – insbesondere Aktien – erweitert, dem sogenannten Capital Asset Pricing Modell oder kurz CAPM. Das CAPM hat die Finanztheorie revolutioniert und liegt heute den meisten wissenschaftlichen Überlegungen mit Bezug auf die Finanzmärkte zugrunde. Danach ergibt sich für die erwartete Rendite und damit auch den Wert einer Aktie folgende einfache Formel:

R = rf + β x (rm – rf)

R ist dabei die erwartete Rendite des Papiers, rf der Zinssatz für risikofreie Anlagen und rm die Marktrendite (zum Beispiel die durchschnittlich zu erwartende Aktienrendite). Das β (griech. Beta) misst das systematische Risiko – die Abhängigkeit der Rendite des Papiers von der Risikoprämie für das Marktrisiko.

Konsequenzen für Ihre Aktienstrategie 

Was bedeutet diese zunächst abstrakte Formel aber für konkrete Investment-Entscheidungen an den Aktienmärkten? Aus ihr sowie aus den dahinter stehenden portfoliotheoretischen Überlegungen lassen sich allgemeine Empfehlungen für Aktieninvestments ableiten. Sie können wie folgt zusammengefasst werden:


Aktien-Investment ist kein Glücksspiel (Bild: © Nonwarit - shutterstock.com)

Aktien-Investment ist kein Glücksspiel (Bild: © Nonwarit – shutterstock.com)


  1. Setzen Sie nie auf Einzelwerte, sondern betreiben Sie immer möglichst breite Risikostreuung oder anders ausgedrückt: kaufen Sie den Markt!

Bei Spekulationen auf Einzelwerte gehen Sie Risiken ein, für die Sie keine Risikoprämie erhalten. Die Hoffnung, mit dem Setzen auf „Geheimtipps“, die Ausnutzung vermeintlich günstiger Ein- oder Ausstiegszeitpunkte, die Analyse von Trends und Kurssignalen bessere Renditen als der Markt erzielen zu können, sind nach Überzeugung führender Finanzwissenschaftler auf Dauer illusorisch. Besonders gut lässt sich ein solches marktorientiertes Investment mit börsengehandelten Indexfonds – Exchange Traded Funds  oder kurz ETF genannt – umsetzen. Die Nachbildung eines Marktindexes gehört bei ihnen zum Prinzip. In den Fonds werden Aktien genau in der Zusammensetzung erworben, in der sie auch im jeweiligen Index erhalten sind. Eine besonders breite Streuung erzielen Sie zum Beispiel mit ETF, die sich auf den MSCI World Index beziehen. Der MSCI World zeichnet die Aktienentwicklung in 23 bedeutenden Industrieländern rund um den Globus nach. Es gibt natürlich auch ETF, die sich auf den Schweizer SMI oder den deutschen DAX beziehen. Sie setzen dann auf spezifische Aktienmärkte. ETF haben im Vergleich zu herkömmlichen Aktienfonds den zusätzlichen Vorteil, dass sie relativ kostengünstig sind.

  1. Investieren Sie nicht auf einmal einen grossen Betrag, sondern regelmässig kleinere Beträge!

Wenn Sie regelmässig in Aktien sparen, anstatt einmalig zu investieren, erzielen Sie eine positive Ausgleichswirkung. In Zeiten niedriger Kurse kaufen Sie bei gleichbleibenden Beträgen automatisch mehr Papiere als in Hochkursphasen. Dieser sogenannte Durchschnittskosten- oder Cost Average-Effekt wirkt sich langfristig günstig auf Ihre Performance aus. Denn Sie haben damit auf jeden Fall immer überproportional viele Papiere im Bestand, die Sie zu günstigen Preisen erworben haben. Das regelmässige Aktien-Sparen lässt sich zum Beispiel gut mit ETF-Sparplänen verwirklichen.

  1. Verhalten Sie sich passiv: halten Sie Ihr Investment durch und verzichten Sie auf häufige Umschichtungen!

Wenn Sie Ihr Aktieninvestment unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Vermögensbildung sehen, ist es am besten, einmal getätigte Anlagen durchzuhalten. Umschichtungen verursachen Kosten, ohne auf lange Sicht Erfolg zu versprechen. Sie sind allenfalls dann ratsam, wenn sich an der Marktzusammensetzung etwas ändert oder sich die Gewichtungen in Ihrem Portfolio verschoben haben. Ansonsten ist Abwarten die überlegene Strategie. Diese Vorgehensweise bietet Ihnen im Übrigen den grossen Vorteil, den Markt nicht ständig beobachten und mit Kursschwankungen rechnen zu müssen.

Die Verfeinerung : das Drei-Faktoren-Modell von Fama-French

Sie können aber auch aktivere Strategien betreiben, in dem Sie am Markt gezielt selektieren, ohne auf Streuung zu verzichten. Den theoretischen Erklärungsansatz hierfür bietet das sogenannte Drei- Faktoren-Modell von Eugene Fama und Kenneth French. Es stellt eine Verfeinerung des vorgestellten CAPM dar. Die CAPM-Formel wird danach wie folgt modifiziert:

R = rf + β3 x (rm – rf) + β1 x SMB + β2 x HML + α

SMB bedeutet dabei „small minus big“ und steht für geringe Marktkapitalisierung von Aktienwerten als Erklärungsfaktor für die Aktienrendite, HML bedeutet „high minus low“ und steht für einen hohen Buchwert im Verhältnis zum Marktwert von Aktien als Erklärungskomponente. β1 und β2 sind jeweils spezifische Risikomasse und α bezeichnet das unsystematische Risiko.

Mit dieser Formel lässt sich erklären, dass Strategien, die gezielt auf Small oder Mid Caps setzen, eine bessere „marktkonforme“ Rendite versprechen, als wenn Sie ausschliesslich in Blue Chips – also klassische Standardwerte – investieren. Denn Sie erhalten hier eine zusätzliche Risikoprämie für die höhere Kursvolatilität dieser Titel. Sie ist dadurch bedingt, dass der Markt für diese Aktien kleiner ist.

Ebenso können Sie mit dem Drei-Faktoren-Modell eine Value Strategie begründen, bei der Sie bevorzugt „unterbewertete“ Aktien kaufen – also Titel, bei denen der Marktwert im Verhältnis zum Buchwert überdurchschnittlich gering ist. Der erfolgreichste Protagonist des Value Investing ist der amerikanische Multimilliardär Warren Buffet, der dieses Investment-Modell zur Meisterschaft getrieben hat.



Aktien-Investment ist kein Glücksspiel

Sie sehen, Aktieninvestments lassen sich durchaus auf theoretischer Basis begründen und gestalten. Börsenengagements sind mehr als reine Kurswetten und Glücksspiele. Mit der richtigen Strategie haben Sie sehr gute Aussichten auf dauerhaften Erfolg. Sie müssen dabei nicht einmal ständig die Märkte verfolgen und hektisch agieren. In der Regel ist passives Verhalten und Abwarten die überlegene Vorgehensweise.

 

Oberstes Bild: © baranq – shutterstock.com



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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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