Sind Small Caps eine Anlagealternative?

23.02.2015 |  Von  |  Allgemein
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Sind Small Caps eine Anlagealternative?
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Eine Möglichkeit der Unterscheidung von Aktien besteht in der Einteilung nach der Marktkapitalisierung. Es wird nach Large Caps, Mid Caps und Small Caps unterschieden, wobei Cap als Abkürzung von „Capitalization“ (Kapitalisierung) steht.

Dabei ist die Zuordnung nicht festgelegt, sondern kann sich je nach geografischer Region, Indexzugehörigkeit oder auch persönlicher Einschätzung unterscheiden.

Im europäischen Raum werden Small Caps meist als Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung unter 500 Millionen Euro definiert. Teilweise werden Aktien auch den Small Caps zugeordnet, soweit sie nicht in den Large und Mid Caps Indizes (wie dem DAX und MDAX im deutschen Raum) gelistet sind.

Viele Privatanleger meiden Nebenwerte, da diese im Ruf stehen mit hohem Risiko behaftet und leicht manipulierbar zu sein.

Eine Überprüfung der Wertentwicklung von Aktien im Jahr 2014 scheint die Vermutung zu bestätigen. Von 393 Nebenwerten, die weder im DAX, MDAX, TecDAX oder SDAX gelistet sind, wiesen 32 (8,1%) einen Verlust von mehr auf 50% auf, 74 Aktien büssten mehr als 20% an Wert ein. Weder im DAX noch im MDAX fiel auch nur ein Kurs um über 50%. Drei Werte des DAX (10%) und 8 Werte 16%) des MDAX sanken um mehr als 20%.

Dass jede Medaille zwei Seiten hat, lässt sich bei den Gewinneraktien erkennen:

Fünf Nebenwerte (1,3%) stiegen um über 100%, 30 Aktien konnten über 50% Wertzuwachs verzeichnen (7,6%) und 81 Werte (20,6%) gewannen mehr als 20% hinzu.
Dagegen wies Merck mit einem Plus von 20,4% die grösste Steigerung im DAX ein. Nur zwei Werte insgesamt erzielten Zuwächse über 20%.

Jeremy Siegel, Professor an der Wharton School der University of Pennsylvania, führte eine Untersuchung der Renditen von Large Caps und Small Caps über den Zeitraum von 1963 bis 2000 durch. Er ermittelte eine jährliche Rendite von 12% bei den Large Caps gegenüber einer jährlichen Rendite von 14,8% der Small Caps.

Der Unterschied der jährlichen Renditen zwischen 12,0% und 14,8% mag relativ gering erscheinen, hat aber über den Beobachtungszeitraum hinweg gravierende Auswirkungen.
Aus 10.000 $ zu Beginn des Jahres 1963 wäre der stolze Betrag von 662.318 $ am Ende des Jahres 2000 geworden. Bei 14,8% wäre der glückliche Anleger Dollarmillionär, da sich der Einsatz auf 1.651.390 $ erhöht hätte (ohne Spread und Transaktionskosten).

Weitaus deutlicher fällt der Unterschied der Recherche bei Value Aktien aus. Large Cap Value Aktien erzielten über den gleichen Zeitraum eine jährliche Rendite von 13,6%. Um sage und schreibe jährlich 23,2% konnten Nebenwerte Value Aktien zulegen.

Unter Zugrundelegung des obigen Beispiels wären aus 10.000 $ durch den Einsatz von Small Cap Value Aktien stolze 22.521.441 $ geworden.

Selbstverständlich geben historische Renditen keine Garantie auf Gewinne in der Zukunft, zumal jüngere Überprüfungen darauf hinweisen, dass Gewinnzuwächse früherer Zeiten unter den aktuellen Randbedingungen nicht mehr erreicht werden können (z.Zt. sehr geringe Inflationsraten und minimale Renditen bei Zinsprodukten).

Auch Untersuchungen anderer Wissenschaftler weisen auf einen Renditevorteil der Nebenwerte hin.

Die Aussagen lösen beim Anleger zwei gegensätzliche Gefühle aus:

  • Auf der einen Seite steht ein hohes Risiko, welches ein Investor zu vermeiden versucht.
  • Auf der anderen Seite steht eine hohe Rendite, der Traum jedes Aktionärs.

Benjamin Graham definierte in seinem Buch „Security Analysis“, dass eine Anlage im Gegensatz zu einer Spekulation Sicherheit verspricht und eine angemessene Rendite zusichert.
Um Investitionen in Small Caps in den Status der Anlage zu erheben, muss folglich das Risiko vermindert werden. In Abhängigkeit vom Anlegertyp stehen dafür zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Der erfahrene Anleger, der bereit ist Zeit zu investieren, kann das Risiko verringern, indem er Einzelaktien aus dem Nebenwertesegment analysiert und nur erfolgsversprechende Aktien in sein Depot aufnimmt.
    Das unvermeidbar verbleibende Restrisiko muss durch Diversifikation abgesenkt werden, d.h. idealerweise sollte das Investitionsvolumen für die Small Caps auf nicht unter zehn Werten verteilt werden.
  • Dem weniger erfahrenen Anleger, bzw. dem Anleger, der nicht den erforderlichen Zeitaufwand erbringen kann oder will, stehen eine grössere Auswahl an ETFs und Fonds zur Verfügung, die eine individuelle Zusammenstellung ermöglichen.
    In einer von mir persönlich durchgeführten Recherche zwischen 2006 und 2014 erreichte der DAX eine Gesamtperformance von 81.3%. Die Rendite des General Standard Performance Index für kleine und mittlere Unternehmen erzielte im gleichen Zeitraum eine Rendite von 139,4%.
    Überraschender ist aber eher der Blick auf das Risiko in Form der monatlichen Volatilität: Der DAX weist mit 5,40% eine weitaus höhere Standardabweichung auf als der Small Cap Index mit 3,76%.


Fazit

Unter Berücksichtung der oben erwähnten Kriterien sind Small Caps eine Bereicherung des Portfolios. Speziell in der Mischung mit Large und Mid Caps sollten Nebenwerte positive Auswirkungen auf die Rendite des eigenen Depots haben, zumal dadurch die Diversifikation erhöht und der Grad der Korrelation innerhalb des Portfolios verringert wird.

 

Oberstes Bild: © sjgh – shutterstock.com

Über Mathias Maier

Ich bin Programmierer von SPS- und Visualisierungs-Anwendungen in der Maschinenbaubranche.


Seit ca. 20 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Aktien. Ein mehrjähriger Aufenthalt in nordamerikanischen Raum verhalf mein Wissen, dank guten Literaturangebots, zu vertiefen.


Website: aktien-mit-strategie.de



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