Kinderwunsch – vor oder nach der Karriere?

16.12.2014 |  Von  |  Allgemein
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Kinderwunsch – vor oder nach der Karriere?
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Die Devise lautet Social Egg Freezing: Junge Frauen lassen ihre Eizellen einfrieren, um den Zeitpunkt, eigene Kinder zu bekommen, selbst zu bestimmen. Die moderne Medizin macht es möglich, denn der Kinderwunsch lässt sich damit lange hinauszögern, was der Wirtschaft nutzen kann.

40 ist die neue 20 – das gilt heutzutage auch für die Familienplanung. So ist es gar nicht ungewöhnlich, wenn ältere Damen einen Kinderwagen vor sich herschieben. Häufig ist das nicht die Oma, die mit ihrem Enkel einen Spaziergang macht. Späte Jung-Mamas sind eine Zielgruppe, auf die es Medizin und Wirtschaft bereits lange abgesehen haben.



Kinderwunsch nach Karriere?

Die weibliche Fruchtbarkeit ist biologisch gesehen mit Ablaufdatum ausgestattet. Dass die Uhr tickt, ist den jungen Frauen wohl bewusst. Trotzdem wollen Sie verständlicherweise auf eine eigene Karriere nicht verzichten. Dennoch ist es oft so: Bei denjenigen, die noch keinen Nachwuchs wollen, passiert es bei der ersten Verhütungspanne. Anderen wiederum macht plötzlich die Natur einen Strich durch die Rechnung. Bei Frauen in den 30ern ist das Kinderzeugen oft schon keine romantische Begegnung mit dem Partner mehr, es wird zum flotten Dreier mit einem In-vitro-Spezialisten. Und diese Stelldichein dauert auch länger als eine angenehme halbe Stunde. Der ersehnte Babywunsch erfüllt sich sehr häufig erst nach Monaten oder Jahren technischer Anstrengungen. So schwinden die Chancen, mit 35 und älter auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen, mit jedem Jahr schneller.

Späte Erstgebärende

Das Alter der Erstgebärenden in der Schweiz klettert permanent nach oben. Laut Bundesamt für Statistik ist eine Schweizerin durchschnittlich knapp 32 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind zur Welt bringt. Je besser ihre Ausbildung ist, desto weiter wird die Familiengründung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. So wird das Fachwissen direkt für die Wirtschaft angewandt und versickert nicht in Zeit und Raum. Manchmal ist es biologisch aber fast schon zu spät. Und dabei wünschen sich die Frauen nicht nur ein, sondern sogar zwei bis drei Kinder. Ein Grund für den Aufschub ist auch der, dass nicht so leicht der passende Partner gefunden wird.



Der Kinderwunsch wird sprichwörtlich auf Eis gelegt

Findige Reproduktionsmediziner entdecken in diesen gesellschaftlichen Veränderungen einen lukrativen Markt. Dank der modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse kann das biologische Ablaufdatum der Fertilität verlängert werden. Dabei wird wie bei vielen Lebensmitteln die konservierende Fähigkeit von Kälte ausgenutzt. So werden die jungen Eizellen von Frauen in jüngerem Alter eingefroren, um sie für später zur Verfügung zu haben. Die US-Unternehmen Facebook und Apple bieten neuerdings ihren Mitarbeiterinnen sogar an, die hohen Kosten für solche Massnahmen zu übernehmen. Ein lukrativer Schachzug. Damit schieben sie den Kinderwunsch ihrer Top-Kräfte hinaus – eine umstrittene Vorgehensweise, die verständlicherweise für Aufregung sorgt.

Die höchste Wahrscheinlichkeit für die natürliche Befruchtung besteht zwischen dem 18. und 33. Lebensjahr. In dieser Phase liegen Ausbildungszeiten und der Einstieg in den Beruf. Eine Karriere mit Kind ist aber im Alltag ziemlich schwer zu verwirklichen, wobei auch nicht unmöglich. Das Kinderbetreuungsangebot verbessert sich zunehmend, jedoch bleibt die Doppelbelastung in den Familien trotzdem eine gewaltige Herausforderung – sowohl für die Mutter als auch für den Vater. Worin besteht die Alternative?

Social Egg Freezing – junge Frauen lassen ihre Eizellen einfrieren, um den Zeitpunkt des Kinderkriegens selbst zu bestimmen. (Bild: Alex011973 / Shutterstock.com)

Social Egg Freezing – junge Frauen lassen ihre Eizellen einfrieren, um den Zeitpunkt des Kinderkriegens selbst zu bestimmen. (Bild: Alex011973 / Shutterstock.com)

Das Einfrieren von Eizellen

Das Social Egg Freezing in jungen Jahren scheint für manche Leute eine attraktive Lösung zu sein. Sie stellen sich vor, ihr Baby dann in den späten 30ern oder frühen 40ern zu bekommen. Garantiert werden kann das späte Glück allerdings keineswegs. Obwohl die Aussichten auf eine erfolgreiche Befruchtung recht gut sind, gibt es bei späteren Schwangerschaften – dazu zählen diese ab dem 35. Lebensjahr – immer einige Risiken.

Kein Massenphänomen



Eine Frau kann sich also mittels einer solchen Methode etwas Zeit verschaffen, in der sie ihre eigene Karriere vorantreiben kann. Ein Massen-Trend wird dieses Phänomen allerdings nicht werden. Dafür sorgen enorme Kosten: Für die Entnahme und das Einfrieren betragen sie etwa 3000 Franken, für die Lagerung fallen zusätzlich 300 Franken im Jahr an. Dazu kommen dann noch die Kosten für das Auftauen, die Befruchtung und das Einpflanzen des Embryos, das sind um die 4500 Franken.

Die Risiken

Vor allem die fehlenden Erfahrungswerte geben so manchem Experten zu denken. Es ist ja heute noch nicht bekannt, ob eingefrorene Eizellen über mehrere Jahre hinweg tatsächlich stabil bleiben. Skeptiker verweisen darauf, dass die beigefügte Frostschutzlösung möglicherweise auskristallisieren und die Zellstruktur zerstören könnte.



Kritiker äussern zudem klare ethische Bedenken gegen diese Entwicklung. Einerseits ist es zwar gut vorstellbar, dass ältere und gut situierte Eltern ihren Kindern ein sorgenfreies Aufwachsen ermöglichen können, andererseits sorgen Extremfälle immer wieder für Aufsehen hinsichtlich der gängigen Praxis. Ein Beispiel: Die Spanierin María Carmen Bousada, die im unglaublichen Alter von 67 Jahren Zwillinge gebar, starb nur zwei Jahre später an einer Krebserkrankung. Hier drängt sich also unmittelbar die Frage auf: Was geschieht mit den Kindern, wenn den Eltern etwas passiert?

Utopia jetzt?

Für krebskranke Frauen, bei denen infolge der Chemotherapie die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein könnte, ist das Einfrieren ihrer eigenen Eizellen die einzige Chance, ihren Kinderwunsch aufrechtzuerhalten. Inwieweit Frauen in den Zwanzigern ihre persönliche Karriere- und Lebensplanung mit Social Egg Freezing beeinflussen können und sollten, bleibt unbedingt fragwürdig. Ebenso die Tatsache, dass immer mehr Unternehmen mit der Torschlusspanik der Frauen ein sattes Geschäft machen.




 

Oberstes Bild: © KK-Foto – Shutterstock.com

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1 Kommentar


  1. Toller Artikel. Die Lösung des Problems nicht ganz einfach. Statt Social Freezing zu fördern, sollten Unternehmen vielleicht besser Möglichkeiten anbieten, Familie und Job stressfrei zu vereinen.

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