Kein Strom aus der Sahara – das Projekt Desertec wird beendet

16.10.2014 |  Von  |  Energieversorgung, News
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Kein Strom aus der Sahara – das Projekt Desertec wird beendet
Jetzt bewerten!

Keine einzige Wolke am Himmel, stattdessen den ganz Tag Sonnenschein – das sind ideale Voraussetzungen, für die Gewinnung von Solarenergie. Die Idee von Desertec hatte einiges für sich, wollte das Unternehmen doch Strom vor allem in der Sahara und anderen Wüsten erzeugen und von dort nach Europa importieren. Insgesamt sollten ab dem Jahr 2050 etwa 15 Prozent des europäischen Strombedarfs damit gedeckt werden. Nachdem sich in der Vergangenheit schon mehrere grosse Unternehmen zurückgezogen hatten, ist das Projekt aber nach fünf Jahren Mitte Oktober 2014 endgültig gescheitert.

Das Desertec-Konsortium bestand zuletzt aus 20 Gesellschaftern, 17 sind jetzt ausgestiegen, darunter die Münchner Rück, die Deutsche Bank und die Schweizer ABB. Übrig bleibt die Beratungs- und Dienstleistungsfirma Desertec Industrial Initiative (DII), der noch folgende Unternehmen angehören: die Energieversorger RWE (Deutschland), Acwa Power (Saudi-Arabien) und SGCC (China).

Die Idee für das Projekt wurde unter Mitgliedern des Club of Rome geboren und stiess anfangs auf grosse Begeisterung. Viele Konzerne beteiligten sich an der Entwicklung eines der ehrgeizigsten Vorhaben im Segment der Erneuerbaren Energien. Neben den schon erwähnten Firmen waren auch Siemens, Bosch, E.on, Bilfinger und die HSH Nordbank beteiligt. Für die neuen Kraftwerke und die Hochspannungstrassen wurde ein Investitionsvolumen von 400 bis 500 Milliarden Euro veranschlagt.

Die Finanzierung war allerdings bis zuletzt offen. Hinzu kamen mit dem arabischen Frühling die einschneidenden politischen Umbrüche und die Bürgerkriege in der Wüstenregion. Eine nicht unerhebliche Rolle spielte auch der stark forcierte Ausbau von Solar- und Windenergie in Deutschland, das nach der Katastrophe von Fukushima den Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen hatte.

Ganz erfolglos war die Arbeit von Desertec und DII aber nicht. DII-Chef Paul van Son betont, dass seine Gesellschaft etwa 70 andere Projekte zur Energiegewinnung angeschoben hat, deren derzeitiges Volumen bei drei Gigawatt liegt und bis 2020 auf 35 Gigawatt ausgebaut wird. Diese Projekte dienen der Energiegewinnung in der Region vom Maghreb bis hin zur Levante.

 

Oberstes Bild: © DESERTEC Foundation – wikimedia.org

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



Ihr Kommentar zu:

Kein Strom aus der Sahara – das Projekt Desertec wird beendet

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.