„Ich wollte doch immer nur der Beste sein!“

03.10.2014 |  Von  |  Allgemein
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„Ich wollte doch immer nur der Beste sein!“
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Oliver H. aus Solothurn (Name und Wohnort geändert; die Redaktion) war über viele Jahre hinweg einer der Besten in seinem Unternehmen. Schritt für Schritt, Stufe für Stufe kämpfte er sich scheinbar mühelos voran, erklomm die Karriereleiter in fast schon beängstigender Geschwindigkeit und findet sich jetzt ganz unten wieder.

Der Prozess wegen illegalen Drogenbesitzes und Drogenmissbrauchs hat ein Bild des 37-jährigen Finanzexperten offenbart, das ebenso widersprüchlich wie typisch für eine Leistungsgesellschaft erscheint, die nicht selten ohne Rücksicht auf Verluste immer stärker nach Leistungsbereitschaft, zählbaren Ergebnissen und echten Karrieristen hungert.



Makelloser Weg in den Beruf

Als Kind wuchs Oliver H. in behüteten und sorgsamen Verhältnissen auf. Als jüngstes von vier Geschwistern lernte der Bube recht schnell, wie man sich auch gegenüber vermeintlich Stärkeren durchsetzen kann, ohne dabei unfair zu werden. In der Schule gehörte der stets gepflegt und mit intelligentem Charme auftretende Junge zu den Besten und auch bei den Mädchen galt er wegen seines offenen und zielstrebigen Wesens als echter Schwarm. Daran änderten auch die Pubertät und die Scheidung der Eltern nichts.

Im Gegenteil. Mit dem Fortgehen des Vaters aus der Familie übernahm Oliver für sich und die drei Schwestern gern ein neues Mass an Verantwortung, ohne dass er daran zerbrochen wäre. Die Entscheidung für die Ausbildung zum Bankkaufmann fiel schnell und deutlich aus. Auch hier glänzte der junge, aufstrebende Oliver H. mit überdurchschnittlichen Ergebnissen, die ihm letztlich zu einer Anstellung im Controlling-Bereich eines grossen Pharmaunternehmens verhalfen.

Privat wie beruflich alles in bester Ordnung



Bereits mit 27 Jahren heiratete der smarte Manager aus der mittleren Führungsebene seine Jugendliebe, zu diesem Zeitpunkt hatte das Paar bereits zwei Kinder. Der Erfolg im Beruf ermöglichte es der Partnerin, ganz für die Familie und die Kinder da zu sein und auf eine eigene Erwerbstätigkeit zu verzichten. Gemeinsame Ferienreisen in die Südsee gehörten genauso zum Standard wie ein eigenes Haus und eine entsprechend aufwendige Lebensführung.

Ermöglicht wurde der hohe Lebensstandard durch den regelmässigen beruflichen Aufstieg, entsprechende Gehaltserhöhungen und satte Boni. Die hatte sich der aufstrebende Finanzexperte auch durchaus verdient.

Mit der Wirtschaftskrise begann der Leistungsdruck und das Arbeitspensum stieg. (Bild: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Mit der Wirtschaftskrise begann der Leistungsdruck und das Arbeitspensum stieg. (Bild: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Mit der Krise begann der Wandel



Noch zu Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise schien sich Oliver H. unbeeindruckt seiner Kenntnisse und Erfahrungen bedienen zu können und half dabei, das Unternehmen sicher auch durch schwierige Fahrwasser zu führen. In dieser Zeit erntete der erfolgreiche Manager höchstes Lob. Das allerdings flachte ab, als die Herausforderungen geringer zu werden schienen.

Als Weg zu wieder mehr Anerkennung und der ungebremsten Fortsetzung der Karriere ganz nach oben sah Oliver H. jetzt nur noch das Mittel der Mehrarbeit und des verstärkten Einsatzes. Letztlich wollte er „doch immer nur der Beste sein“.



Dieses Streben nach Höher, Weiter, Schneller forderte bald schon seinen Tribut. Das Arbeitspensum stieg, die Freizeit wurde knapper und der Erfolgsdruck nahm zu. Irgendwann glaubte Oliver H. diesem Druck nur noch gewachsen zu sein, wenn er sich „kleiner Helfer“ bedienen würde.

Medikamente waren der Einstieg in den Drogenkonsum

Begonnen hatte alles mit ein paar harmlos scheinenden Koffeinpräparaten. Der „Ersatzkaffee“ sorgte dafür, dass über längere Zeit hinweg mehr Leistungen abgefordert werden konnten. Nach etwa zwei Wochen war Oliver H. so übermüdet, dass er erst einmal zwei Tage durchschlief. Aber der Erfolg gab ihm und den Präparaten immerhin Recht.

Als die Koffeintabletten keine Leistungssteigerung mehr versprachen, kamen „richtige Medikamente“ ins Spiel. Ritalin von einem Bekannten und ein Mittel gegen die Schlafkrankheit ermöglichten zumindest immer wieder einmal kurzfristig höhere Arbeitsbereitschaft und mehr Konzentration.

Aus Neugier landete Oliver H. dann vor einigen Monaten bei Crystal Meth, einer überaus gefährlichen Droge, die durchaus auch zu echten Persönlichkeitsveränderungen führen kann. Nach den ersten zaghaften Versuchen deckte sich der erfolgsverwöhnte Manager mit einer schier unglaublichen Menge von einem ganzen Kilogramm Crystal Meth ein. Die Drogenkarriere nahm ihren Anfang und wurde jäh durch einen kleinen Parkrempler beendet. Bei der Unfallaufnahme stellten die Beamten das veränderte Verhalten von Oliver H. fest, ein Drogentest erbrachte das befürchtete Ergebnis und bei der anschliessenden Kontrolle des Wagens wurden 100 Gramm Crystal Meth beschlagnahmt. Der Rest fand sich dann bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Verdächtigen.

Kündigung, Gerichtsprozess und alles auf null

In der Folge der Verdächtigungen und letztlich wegen des anstehenden Gerichtsprozesses kündigte die Pharmafirma dem bislang so erfolgreichen Manager den Job in Form einer Verdachtskündigung. Es folgten der Prozess und eine empfindliche Strafe. Jetzt steht Oliver H. mit einer Vorstrafe und ohne Job vor den Trümmern seiner Existenz und darf wahrscheinlich noch einmal ganz von vorn beginnen. Das alles, weil er doch immer nur der Beste sein wollte.

Kein Einzelproblem

Der Missbrauch leistungssteigernder Substanzen, Medikamentenabhängigkeit und letztlich auch Drogenkonsum sind in den Chefetagen der grossen und kleinen Unternehmen längst kein Einzelfall mehr. Nur auf diesem Wege glauben viele Manager, dem wachsenden Druck standhalten zu können. Was mit beruhigenden Psychopharmaka vor dem Meeting beginnt, endet nicht selten in der Drogenabhängigkeit mit all ihren gravierenden Folgen.




 

Oberstes Bild: © rangizzz – Shutterstock.com



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Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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