Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?

24.09.2014 |  Von  |  Organisation
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Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?
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Eine durchaus spannende Frage, auf die es sicherlich jede Menge interessanter Antworten gibt. Entscheidend dabei ist nicht unbedingt, wie sich der Einzelne die Arbeitswelt von morgen vorstellt, sondern vielmehr, wie sich die Masse der Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf Veränderungen in der Arbeitswelt einstellen kann. Dabei bleibt immer noch unklar, wie diese Veränderungen tatsächlich aussehen, auch wenn es heute dazu schon Verlautbarungen für einzelne Bereiche gibt.

In der Grundfrage sind sich sowohl Politiker als auch Wissenschaftler, Arbeitgeber und Arbeitnehmer darüber einig, dass sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren stärker als in den vergangenen Jahrzehnten verändern wird. Dabei werden aber in erster Linie Versuchsballons gestartet, die schon einen Blick darauf erlauben, wie die Arbeit in den kommenden Jahrzehnten aussehen könnte.

Mehr Flexibilität auf Kosten der individuellen Planbarkeit?

Auch hier habe ich eine Feststellung als Frage formuliert. Ganz einfach aus dem Grund, weil hier offenbleibt, von welcher Seite die gewünschte Flexibilisierung abverlangt und letztlich auch umgesetzt werden wird.




Was haben wir überhaupt unter der Flexibilisierung der Arbeit zu verstehen? In erster Linie dürfte es hier gar nicht um Arbeitszeiten gehen. Vielmehr ist zu erwarten, dass Arbeitnehmer in den kommenden Jahrzehnten innerhalb eines Unternehmens und darüber hinaus viel wechselnder eingesetzt werden. Das bedeutet, dass von den Arbeitnehmern letztlich nicht nur ein höheres Mass an Spezialwissen, sondern auch die Fähigkeit zum Umlernen abverlangt werden wird. Waren unsere Eltern von der Lehre bis zur Pension meist in einem Beruf und oftmals sogar im selben Unternehmen beschäftigt, so dürfte sich das für unsere Kinder ganz anders gestalten.




Immer mehr Arbeitnehmer werden Projektarbeiten innerhalb eines festgesetzten Zeit- und Leistungsrahmens erfüllen und sich anschliessend wieder neu bewerben müssen. Dazu bedarf es eines breit gestreuten Allgemeinwissens genauso wie vertiefter Spezialkenntnisse aus vielen Bereichen. Der Allrounder hätte hier also die besten Chancen, sofern es heute überhaupt noch echte Allrounder gibt. Flexibilisierung der Arbeit bedeutet für die Arbeitnehmer also nicht zuletzt die Fähigkeit und Bereitschaft, sich bei unterschiedlichen Arbeitgebern immer wieder unterschiedlichen Anforderungen zu stellen. Die Zeit der klassisch starren Berufsprägung scheint also auszulaufen.




Für die Arbeitgeber bedeutet eine zunehmende Flexibilisierung auch die Konzentration auf neue Ausschreibungs- und Auswahlprozedere. Hier müssen immer wieder neu genau die Spezialisten gefunden werden, die ein anstehendes Projekt am besten bewältigen können. Monotone Produktionsarbeit schlechthin wird eine Sache für Maschinen, Anlagen, Roboter und Computer, Menschen erarbeiten Programme und setzen Visionen um.

Damit geht die Flexibilisierung wahrscheinlich zulasten der individuellen Planung der einzelnen Lebensabschnitte. Wer heute noch angestrengt viele Stunden an einem Projekt arbeitet, kann morgen schon vorübergehend ohne Arbeit sein, um übermorgen schon wieder an einem langfristigen Projekt mitzuarbeiten. Interessant und schwierig wird dieser Wandel nicht nur für die Arbeitnehmer selbst, sondern auch für alle Systeme, die bislang mit festen und sicheren Gehältern und entsprechenden Prämien arbeiten. Krankenversicherer müssen hier genauso umdenken wie Pensionsfonds, selbst Vermieter müssten überlegen, ob sie Wohnraummieten noch monatlich einziehen können oder vielleicht doch ein flexibles Jahresmodell nutzen sollten.

Der Mensch muss in der Lage sein, Arbeit als Selbstzweck zur Weiterentwicklung der produktiven und gesellschaftlichen Prozesse zu leisten. (Bild: Sailom / Shutterstock.com)

Der Mensch muss in der Lage sein, Arbeit als Selbstzweck zur Weiterentwicklung der produktiven und gesellschaftlichen Prozesse zu leisten. (Bild: Sailom / Shutterstock.com)

Arbeit als Selbstzweck

Schaut man noch weiter in die Zukunft der Arbeit, dann dürfte auch klar sein, dass einfache produktive Prozesse der Warenproduktion zur Befriedigung von Lebensbedürfnissen kaum noch von Menschen bewerkstelligt werden. Diese arbeiten dann mehr an Verbesserungen, Neuentwicklungen und Veränderungen. Das bedeutet, dass kaum noch Arbeit geleistet wird, deren Ergebnisse in Form echter Produkte sofort greifbar sind.




Vielmehr muss der Mensch in der Lage sein, Arbeit als Selbstzweck zur Weiterentwicklung der produktiven und gesellschaftlichen Prozesse zu leisten. Das bedeutet, dass nicht mehr nach Stückzahlen, Arbeitszeitmodellen oder in Schichten oder Teilzeit gearbeitet werden wird. Der Mensch muss selbst erkennen , welche Arbeit er zu leisten hat, um am gesellschaftlichen Wertschöpfungsprozess teilzunehmen. In einer gewissen Weise werden zunehmend mehr kleine Selbstständige und Freiberufler das Arbeitsleben dominieren und dort eben auch als Selbstständige agieren. Die abhängige Beschäftigung wird zunehmend in den Hintergrund gedrängt werden.

Daraus resultiert, dass die Eigenverantwortung der Leistungsträger steigt, die Arbeitsmobilität in der Gesellschaft ebenfalls neue Ausmasse erreicht und die Managementebenen in einzelnen Unternehmen zunehmend kleiner und flacher werden. Auch wenn davon derzeit noch nicht allzu viel zu sehen ist, bleibt eine solche Entwicklung durchaus prognostizierbar. Arbeit wird nur noch bezüglich der zum Leben erforderlichen und gewünschten Einnahmen zum zwangsläufigen Erfordernis, in vielerlei anderer Hinsicht muss sie als Selbstzweck verstanden werden.




Wie können sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf solche Veränderungen einstellen?

Es wäre gewagt, hier zu sagen, auf welche Veränderungen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber konkret einstellen müssen. Das wird zunächst in jedem Einzelfall anders sein. Arbeitnehmern und künftigen Arbeitnehmern ist in jedem Fall zu empfehlen, eine breit gefächerte Ausbildung aufzunehmen und sich vielseitig zu interessieren. Besonders weitreichende Spezialkenntnisse in unterschiedlichen Bereichen können hier nur hilfreich sein. Das ist eine Herausforderung an das lebenslange Lernen, die besondere Anforderungen an den Einzelnen, aber auch an die Schule und Berufsausbildung stellt.

Jungen Unternehmern und bestehenden Unternehmen sei empfohlen, schon jetzt verkrustete Strukturen in den Betrieben aufzuweichen und eine höhere Durchlässigkeit innerhalb unternehmerischer Hierarchien zu ermöglichen. Das könnte ein erster Schritt zu umfänglichen Änderungen im Arbeitsleben der Zukunft sein.

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Oberstes Bild: © Sfio Cracho – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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