Der Wechsel in die Freiberuflichkeit (Teil 1): Risikomanagement und finanzielle Sicherheit

24.04.2014 |  Von  |  Kommunikation, Organisation, Web
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Der Wechsel in die Freiberuflichkeit (Teil 1): Risikomanagement und finanzielle Sicherheit
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Wer sich aus einem festen Job heraus selbstständig machen möchte, erntet oft Kopfschütteln. Das ist verständlich: Schliesslich geben Sie damit ein geregeltes Einkommen auf und wagen sich auf komplett neues Terrain. Für Mitmenschen mit hohem Sicherheits- und Strukturbedürfnis ist dies oft ein unbegreifliches Vorhaben – für Sie hingegen wahrscheinlich der einzig logische Schritt, um endlich den gestalterischen Freiraum zu haben, Ihre Talente gänzlich ausleben zu können.

Es gibt jedoch für die Planungs-, Übergangs- und Markteintrittsperiode Ihrer Selbstständigkeit eine ganze Reihe von Schritten, die Risiken minimieren helfen und die finanzielle Belastung in Grenzen halten. In den beiden Teilen dieses Beitrags haben wir die zehn hilfreichsten für Sie zusammengestellt, damit Ihr Weg in die Freiberuflichkeit so glatt wie möglich verläuft.



1. Werden Sie nebenberuflich freiberuflich

Gerade als Freiberufler steht Ihnen häufig die Möglichkeit offen, die ersten Schritte ins neue Arbeitsleben noch während Ihrer eigentlichen Anstellung zu verwirklichen. Viele Entrepreneure beenden ihren Arbeitnehmerstatus bewusst, um „Fakten zu schaffen“ und eben nicht mehr zurückzukönnen. Dieser radikale Bruch kann zwar genau das Richtige für Sie sein. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt: Obwohl Sie eigentlich den Drang verspüren, Ihr eigener Chef zu werden, zögern Sie den Schritt hinaus, weil eine Kündigung Ihnen einfach den Boden unter den Füssen wegziehen würde.

Wenn Sie allerdings bereit sind, sich für eine gewisse Zeit der zusätzlichen Beanspruchung durch zwei Jobs auszusetzen, spricht nichts gegen eine Gründung noch während der Anstellung – es sei denn, Ihr Arbeitsvertrag untersagt dies ausdrücklich. Wenn Sie sich nicht sicher sind, lassen Sie ihn von einem Anwalt diesbezüglich prüfen, bevor Sie mit Ihren Vorgesetzten über eine mögliche Ausnahmeregelung sprechen. Sollte dies unumgänglich sein, betonen Sie, dass Sie erstens zum Unternehmen nicht in Konkurrenz treten werden und zweitens Ihre Arbeitsqualität nicht unter der Doppelbelastung leiden wird.

2. Vermeiden Sie hohe Start-up-Investitionen



Gerade wenn Sie vorhaben, Ihre Ideen eine Weile lang auszuprobieren und den Markt über den Bedarf entscheiden zu lassen, sollten Sie Ihre Anfangsinvestitionen gering halten. Idealerweise gehen Sie einfach theoretisch davon aus, dass Ihr Investitionskapital bei null liegt, und werden kreativ hinsichtlich möglicher kostenfreier Kanäle für Produktion, Marketing und Vertrieb Ihrer Dienstleistungen. Verkaufsplattformen von Etsy bis Amazon, soziale Netzwerke und generell Internet-Präsenzen, geteilter Office-Space oder Kompetenz-Tausch („Ich betexte dir deine Website, wenn du meine programmierst“) sind nur einige diesbezügliche Beispiele.

Dies ist natürlich schwieriger bis unmöglich, wenn es um die Herstellung von Produkten geht – aber auch dann kann dieses virtuelle Denkexperiment erstaunliche Lösungsansätze hervorbringen. Es eröffnet Ihnen ausserdem gangbare Wege, wenn zuvor die Abwesenheit liquider Mittel der Grund dafür war, mit der Selbstständigkeit nicht einfach loszulegen. Machen Sie es sich in jedem Fall zur Regel, für die Experimentierphase nicht mehr als 10 % Ihres Ersparten auszugeben.



3. Bauen Sie sich keine unnötigen bürokratischen Hürden



Ausgefeilte Businesspläne sind kein „Must-have“ für Freiberufler. Sie sind nur dann Pflichtprogramm, wenn Sie Finanzinstitute oder andere offizielle Stellen beeindrucken müssen, die Ihnen einen Gründerzuschuss geben könnten. Ansonsten ist der klassische Businessplan oft reine Zeitverschwendung und nicht selten die scheinbare Notwendigkeit, an der ansonsten vielversprechende Gründer sich die Zähne ausbeissen, wenn sie etwa handwerklich oder musisch ausgerichtet sind.

Das heisst nicht, dass Sie nicht geplant an Ihr Vorhaben herangehen sollen. Aber der Plan kann genau die Form und den Umfang annehmen, der Ihnen intuitiv entgegenkommt – und Sie können die ersten Schritte auch durchaus machen, ohne dass mehr als eine gute Idee dahintersteht; wie etwa, Ihre Website oder Ihren Blog aufzubauen oder eine eCommerce-Plattform einzurichten.

Ein Vorteil der nebenberuflich aufgebauten Selbstständigkeit ist auch, dass Sie Zeit haben, eine treue "Fanbase" aufzubauen. (Bild: Thinglass / Shutterstock.com)

Ein Vorteil der nebenberuflich aufgebauten Selbstständigkeit ist auch, dass Sie Zeit haben, eine treue „Fanbase“ aufzubauen. (Bild: Thinglass / Shutterstock.com)

4. Bauen Sie eine Community auf

Ein Vorteil der nebenberuflich aufgebauten Selbstständigkeit ist auch, dass Sie Zeit haben, eine treue „Fanbase“ aufzubauen, indem Sie kostenfreie, selbst produzierte Inhalte verfügbar machen. Dies lässt sich ausgezeichnet über ein hochwertiges Content Marketing erreichen: Erstellen Sie auf den wichtigsten Plattformen wie Facebook, Twitter, Google+, Xing, LinkedIn und Instagram Profile und legen Sie mit einem passenden, kostenfreien Template einen Blog bei WordPress oder Tumblr an.

Werden Sie Mitglied in den wichtigsten Online-Netzwerken, in denen Sie Ihre Zielgruppen und potenzielle Partner vermuten. Bringen Sie sich mit hochwertigen und kompetenten, bestenfalls auch viralen Inhalten ein. Verlinken und vernetzen Sie diese so breit gestreut wie möglich. Bieten Sie anderen, gut besuchten Blogs Gastbeiträge an – aussagekräftige, exklusive Fotos sind dabei von Vorteil. Nutzen Sie White Paper, eBooks und kostenfreie Webinar-Teilnahmen als Lead-Generatoren und gewinnen Sie so viele Newsletter-Empfänger wie möglich. Offline können Sie Workshops oder Seminare anbieten und so Multiplikatoren ansprechen.

So haben Sie beim regulären Markteintritt bereits eine solide Basis an Zielgruppenkontakten, die Sie als interessante Quelle schätzen und gerne bereit sind, in Zukunft für Ihre Dienste oder Produkte zu zahlen.

5. Definieren Sie Ihre Talente

Menschen werden aus zwei Gründen Freiberufler. Entweder sie haben eine zündende Idee, die sich nur im Rahmen eines eigenen Start-ups verwirklichen lässt. Oder sie lieben die Freiheit, die eine Selbstständigkeit bietet, und würden diese gerne auch ungeachtet des finanziellen Risikos leben. Letztere Gruppe hat es oft schwerer: Denn während jeder den genialen Entrepreneur verstehen kann, wird Ihnen oft mit Missbilligung klargemacht, dass jeder „mal ausbrechen will“, dass dies aber ohne entsprechende Businessidee völlig utopisch sei.

Fakt ist aber: Absolut jeder Mensch verfügt über Fähigkeiten und Talente, die sich zu einem Service- oder Produktportfolio ausbauen lassen. Beziehen Sie dabei alles mit ein – Ihre Hobbys, einmal erlernte Fähigkeiten, früher einmal mit Leidenschaft ausgeübte Tätigkeiten, in ihren Augen „alltägliche“ Kompetenzen. Beispielsweise sind schon viele gute Heimköchinnen exzellente Food-Bloggerinnen geworden oder haben erfolgreiche Catering-Services aufgemacht. Fragen Sie auch Ihr vertrautes Umfeld, wo dieses Ihre Stärken ausmacht. Lassen Sie selbst die scheinbar absurdesten Skills nicht aus bei dieser Selbstbewertung.

Machen Sie das Experiment und überlegen Sie sich zu jeder Ihrer Fähigkeiten eine freiberuflich ausgeübte Tätigkeit, um jene zu monetarisieren – egal wie unrealistisch das jeweils auf den ersten Blick erscheint (Paul Newman ist auch erst mit seinen Salatsaucen richtig wohlhabend geworden). Recherchieren Sie dann, ob es für Ihre Tätigkeitsprofile einen Markt gibt oder geben könnte.



 

Oberstes Bild: © bloomua – Shutterstock.com


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